Das Ei hat seinen schlechten Ruf nicht verdient

Eier sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel für den Menschen, aber der Verzehr von Eiern hatte lange Zeit einen schlechten Ruf als Cholesterinbomben.

Wir berichteten kürzlich darüber, dass Kaffee weniger gesundheitsschädlich ist als lange Zeit angenommen. Der Konsum von Kaffee steht in keinem Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen und kann womöglich das Risiko auf eine Gefäßerkrankung sogar senken.

Doch wie sieht es mit einem anderen beliebten Nahrungsmittel aus, das über Jahrzehnte einen mindestens genauso schlechten Ruf hatte? Die Rede ist vom Hühnerei. Eier würden als wahre Cholesterinbomben den Cholesterinspiegel gefährlich anheben – Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Herzinfarkt und Schlaganfall seien damit fast schon vorprogrammiert. “Eier sind schlecht für die Gesundheit”, so die kollektive Meinung unserer Gesellschaft, und viele Menschen essen ihr Frühstücksei am Sonntag mit schlechtem Gewissen oder verzichten gar ganz auf das leckere Hühnerprodukt.

Wir finden, es ist Zeit, sich einmal genauer mit dem “Mythos Ei” zu beschäftigen!

Eier sind gesund

Cholesterin – Was ist das überhaupt?

Cholesterin ist ein Blutfett, das wichtige Aufgaben im Organismus übernimmt – es ist also grundsätzlich lebensnotwendig. Unterschieden wird allerdings in HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin. Schädliche Auswirkungen hat nur das “schlechte” LDL-Cholesterin, das sich an den Wänden der Blutgefäße ablagern kann (“Arterienverkalkung”). Das “gute” HDL-Cholesterin wirkt sich dagegen sogar günstig auf den Cholesterinspiegel aus, da es das LDL-Cholesterin in der Blutbahn einsammelt und zur Leber transportiert.

Das bedeutet nach neuestem Forschungsstand: Ein hoher LDL-Spiegel erhöht das Risiko auf Herz-Kreislauferkrankungen, während ein hoher HDL-Spiegel das Risiko reduziert.

Wie beeinflusst die Ernährung den Cholesterinspiegel?

In den letzten Jahren beschäftigten sich weltweit zahlreiche Forscher mit dem vermeintlich ungesunden Ei und anderen cholesterinhaltigen Lebensmitteln. Inzwischen ist klar, dass der Körper das Cholesterin, das er benötigt, größtenteils selbst produziert. Erhält er Cholesterin von außen, dann produziert er einfach weniger. So reguliert sich der Cholesterinspiegel von selbst. Wie gut diese Kontrolle funktioniert, hängt jedoch vom individuellen Organismus ab.

Die Ernährung beeinflusst allerdings die Menge an Cholesterin, die aus dem Essen tatsächlich ins Blut übergeht. Gesättigte, also ungesunde Fettsäuren, die vor allem in Fleisch- und Milcherzeugnissen vorkommen, führen dazu, dass mehr Cholesterin ins Blut gelangt. Ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in pflanzlichen Produkten, aber auch in Eiern enthalten sind, beeinflussen den Cholesterinspiegel hingegen kaum (Quelle).

Demnach sind Eier, die viel Cholesterin, aber wenige ungesättigte Fettsäuren enthalten, zunächst nicht schlecht. Braten Sie dazu aber beispielsweise Speck in Butter an, kommen gesättigte Fettsäuren hinzu und mehr Cholesterinanteile aus dem Ei gehen in das Blut über.

Und wie viele Eier sind nun in Ordnung?

Wie viele Eier Sie gut vertragen können, ist pauschal schwierig zu sagen, da die gesamte Ernährung eine Rolle spielt. Forscher aus den USA (EpidStat Institute Michigan und DLW Consulting Services in Utah) haben kürzlich mehrere Studien hinsichtlich des Auftretens von Herz-Kreislauferkankungen und des Konsums von Hühnereiern untersucht. Sie stellten fest, dass Menschen, die einen hohen Eierkonsum haben, nicht seltener, aber auch nicht häufiger von Herz-Kreislauferkrankungen betroffen sind als Personen, die weniger Eier essen. Insgesamt waren 276.000 Menschen an den Studien beteiligt.

Die Wissenschaftler stellten darüber hinaus fest, dass Menschen, die pro Tag ein Ei verspeisten, 12% seltener einen Schlaganfall erlitten als Menschen, die weniger als zwei Eier pro Woche konsumierten – diese Studie basiert auf 308.000 Teilnehmern.

Und die Schlussfolgerung…

Am Ende ihrer Studie schlussfolgern die Forscher, dass ein Ei pro Tag das Risiko auf einen Schlaganfall als Folge einer Herz-Kreislauferkrankung leicht senken kann. Zwei Eier pro Tag sind also für die Gesundheit bedenkenlos genießbar. Die Wissenschaftler weisen aber auch darauf hin, dass der gesamte Lebensstil sehr wichtig ist! Eine ausgewogene, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind wichtige Grundlagen für ein gesundes Leben.

Auf jeden Fall steht fest, dass Eier zu Unrecht einen schlechten Ruf haben. Wenn Sie nicht an Diabetes Typ II leiden und sich weitgehend gesund ernähren, können Sie ohne schlechtes Gewissen Ihr Omelette und Ihr Frühstücksei genießen, ohne sich um Ihren Cholesterinspiegel sorgen zu müssen. Im Gegenteil – Eier enthalten wichtige und gesunde Nährstoffe, die Vitamine A, D und B12 sowie Mineralstoffe und Aminosäuren. Der hohe Eiweißgehalt sättigt außerdem und kann dadurch sogar beim Abnehmen helfen.


von Debora Pape. 20.10.2017


4 Antworten auf „Das Ei hat seinen schlechten Ruf nicht verdient“

  1. Müsste man nicht jede Ernährungsempfehlung auf die Körpermasse beziehen: Eine 50 kg schwere Person darf von einem bedenklichen Lebensmittel sicher weniger essen als eine 90 kg schwere Person.
    Ich esse täglich 3 Eier. Das sind 0,35 g Ei pro kg Körpergewicht. Das ist doch nicht viel.

  2. Sehr geehrte Frau Debora Pape, danke für ihre Antwort, ich frage mich aber immer noch warum überhaupt eine Empfehlung für Eier gegeben wird. Es sind zwar viele wertvolle Inhaltsstoffe im Ei jedoch auch sehr viel Cholesterin. Dazu schreibt der von Ihnen zitierte Prof. Helmut Gohlke, Allerdings existieren bei diesem Kompensationsmechanismus von Mensch zu Mensch erhebliche Unterschiede. „Patienten, die bereits Verengungen der Herzkranzgefäße aufweisen (= koronare Herzkrankheit), gehören wahrscheinlich überwiegend zu denjenigen, deren körpereigene Cholesterinproduktion bei vermehrtem Cholesterinkonsum nicht ausreichend absinkt“, wie Prof. Gohlke ergänzt.
    Ich frage mich, wer weiß schon, wie sich der individuelle Kompensationsmechanismus auswirkt? Außerdem enthalten Eier „Arachidonsäure“ diese gilt als Entzündungsfördernd. Deshalb werden Eier bei Rheuma, Gicht und Arthrose nicht empfohlen. Eier haben viel tierisches Eiweiß, dazu gibt es aktuell 2 großangelegte Langzeitstudien,
    https://www.focus.de/gesundheit/videos/mehr-nuesse-weniger-ei-studie-zeigt-tierisches-eiweiss-steigert-das-risiko-fuer-eine-herz-kreislauf-erkrankung_id_5781897.html
    Soviel negatives über ein Nahrungsmittel habe ich noch nie über Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte gelesen.
    Mfg Hans Peter Kleinz

  3. Hallo Frau Debora Pape, in den USA sind aktuell Eier als gesundes Nahrungsmittel gestrichen worden. Scheinbar wurden die Forscher nicht von der Eierindustrie finanziert.
    Lg Hans Peter Kleinz

    Kurz vor Ostern verunsichert nun eine neue Studie die deutschen Verbraucher: Eine Gruppe von Ärzten von insgesamt zwölf US-amerikanischen Instituten haben jetzt neue Empfehlungen für eine gesunde Ernährung herausgegeben, die sich auf 25 Studien stützt. In der März-Ausgabe 2017 des Journal of the American College of Cardiology warnen sie vor dem generellen Verzehr von Eiern, da diese den Cholesterinspiegel gefährlich anheben würden. Ihren Landsleuten rieten die Forscher, Eier höchstens sehr selten zu essen und wenn möglich ganz von ihrer Einkaufsliste zu streichen.

    1. Guten Tag Herr Kleinz,
      vielen Dank für den Hinweis!
      Die Ergebnisse Ihrer zitierten Studie lassen sich, so Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, nicht direkt auf Deutschland übertragen. Er weist darauf hin, dass es das Gesamtbild der Ernährung ankommt, wie im Beitrag auch angerissen. Während in den USA häufig Eier mit viel Speck, also mit tierischen, gesättigten Fettsäuren, auf den Teller kommen, achtet man in Deutschland mehr auf eine gesunde Ernährung. Bei einer generell ausgewogenen Ernährung, bei der Sie darauf achten, möglichst auf gesättigte Fettsäuren zu verzichten und mehr auf ungesättigte Fettsäuren zu setzen, beeinträchtigt das Cholesterin im Ei den Cholesterinspiegel kaum.
      Beste Grüße
      Debora Pape

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