Studie belegt: Alter ist kein Grund für Bluthochdruck

Lange schien es gottgegeben, dass Älterwerden mit einem Anstieg des Blutdrucks verbunden ist. Auch Mediziner waren bis dato felsenfest von diesem Zusammenhang überzeugt. Nun räumt eine neue Studie gründlich mit diesem scheinbaren Faktum auf. Sie zeigt, dass nicht das Alter, sondern die Ernährung maßgeblich für hohen Blutdruck und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich ist.

Laut Technikerkrankenkasse leiden hierzulande drei von vier Menschen über 70 an Bluthochdruck. Bisher führten Mediziner altersbedingte Veränderungen der Gefäßwände als Hauptrisikofaktor ins Feld. Kriterien wie ungesunde Ernährung galten in dieser Altersgruppe eher als zweitrangig. Womit wir schon beim Problem wären. Denn mit der nun bekannt gewordenen Studie erweist sich diese Gewichtung als falsch.

Ernährungsweise von Naturvölkern liefert neue Erkenntnisse

Wissenschaftler der Bloomberg School of Public Health in Baltimore kamen auf die Idee, die Blutdruckwerte zweier Naturvölker in der Amazonasregion miteinander zu vergleichen – eine Volksgruppe ohne und eine mit Kontakt zur Zivilisation. Die isoliert lebenden Yanomami ernähren sich ausschließlich von heimischen Pflanzen und sporadisch gejagten Tieren – entsprechend ballaststoffreich und salzarm ist die Nahrung. Anders das Naturvolk der Ye’kuana, das Zugang zur Warenwelt hat. Der Kontakt mit der Zivilisation weckt Begehrlichkeiten – auch in Sachen Ernährung. Hier haben bereits verarbeitete Lebensmittel mit hohem Salzgehalt Einzug gehalten.

Gemessen wurde der Blutdruck bei 153 Mitgliedern beider Volksgruppen – vom Kleinkind bis zum Greis. Das Ergebnis war erstaunlich. Während der Blutdruck bei den zurückgezogen lebenden Yanomami bei Kindern und Alten nahezu gleichbleibend niedrig war, stiegen die Werte bei den zivilisationsnahen Ye’kuana mit zunehmendem Alter kontinuierlich an. Die Werte lagen je nach Altersgruppe zwischen 5,8 und 15,9 mmHg über denen der Yanomami.

Naturvölker weisen grundsätzlich einen wesentlich niedrigeren Blutdruck auf als Bewohner der westlichen Welt. So gilt bei den untersuchten Yanomami ein Blutdruck von 95 / 64 mmHg als Normalwert, während in den Industrienationen 120 / 80 mmHg als normal betrachtet wird.

Gesundes Essen bei Naturvölkern
© filipefrazao / Fotolia

 

Wir essen zu viel Salz

Wie die Studie eindrucksvoll zeigt, steht Bluthochdruck in direktem Zusammenhang mit zu hohem Salzkonsum. Naturvölker nehmen täglich durchschnittlich 3 Gramm Salz zu sich – in Deutschland dagegen sind es laut Verbraucherzentrale zwischen 8 und 10 Gramm.

Und genau hier liegt die Krux. Zu viel Salz, ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung – das sind die drei Hauptfaktoren, die den Blutdruck nach oben treiben. Der Konsum an Fertiggerichten nimmt stetig zu. Doch gerade in verarbeiteten Lebensmitteln findet sich viel verstecktes Salz – nicht nur in Fertiggerichten, sondern auch in Wurst und Fischkonserven. Höchste Zeit, sich in unserer Ernährung wieder mehr an der Natur zu orientieren. Hier ein paar Tipps, wie das gelingen kann:

  • Essen Sie mehrmals am Tag frisches Obst und Gemüse.
  • Schränken Sie den Genuss von Fleisch und Wurstwaren ein.
  • Reduzieren Sie weitgehend den Verzehr verarbeiteter Lebensmittel.
  • Versuchen Sie mit wenig Salz und Zucker auszukommen.
  • Und nicht zuletzt: viel Bewegung – möglichst an der frischen Luft!

Das mag für so manchen zunächst nach Einschränkung klingen. Doch eine ausgewogene Ernährung verspricht einen beachtlichen Gewinn an Lebensqualität. Und das bis ins hohe Alter – ganz ohne Bluthochdruck!


von Die Redaktion. 27.11.2018


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