„Versteinertes Herz“ – Kalkablagerungen im Herzen ambitionierter Freizeitsportler

Höher, schneller, weiter – das gilt nicht nur für Olympioniken, sondern auch mehr und mehr für Freizeitsportler. Die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft sind längst im täglichen Sport angekommen. Allerdings steht bei Extrem-Freizeitsportlern nicht der Wettkampf, sondern eher der Kampf mit sich selbst und dem eigenen Körper im Mittelpunkt. Jeden Tag erneut über seine Grenzen gehen – doch sind solche Extreme wirklich gesund?

Mit dieser Frage beschäftigt sich eine jüngst in JAMA Cardiology veröffentlichte Studie. Wissenschaftler stellten bei extremen Freizeitsportlern häufiger als bei weniger sportlichen Menschen eine Verkalkung der Herzkranzgefäße fest. Haben Extremsportler also ein erhöhtes Mortalitätsrisiko? Diese Schlussfolgerung scheint weit gefehlt – das Risiko, wegen eines „versteinerten Herzens“ an einem Herzinfarkt zu versterben, war nicht größer als bei eher unsportlichen Zeitgenossen. Wie das zusammenpasst, können sich die Forscher bislang nur bedingt erklären.

Der Gesundheitswert von Extremsport

Einige Kardiologen setzen seit Langem ein Fragezeichen dahinter, ob solche extremen Herausforderungen gut für das Herz sind – nicht ohne Grund. Wird der Körper an seine Grenzen gebracht, steigen die Troponinwerte deutlich an. Das herzspezifische Enzym zeugt von zugrunde gegangenen Herzmuskelzellen. Ein erhöhter Troponinpegel ist für gewöhnlich bei Infarktpatienten zu finden. Auch bestimmte Peptide (BNP) treten vermehrt auf. Das sind spezielle Marker, die auf eine extreme Belastung des Herzmuskels hinweisen.

"Versteinertes Herz" bei Freizeit-Extremsportlern
© Sergey Nivens – stock.adobe.com

Höherer Verkalkungsgrad bei ambitionierten Sportlern

Bisher war die Fachwelt davon ausgegangen, dass eine Verkalkung der Koronararterien das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht. Muss diese Annahme jetzt revidiert werden? Die ambitioniertesten Sportler der Studie joggten 300 Minuten in der Woche – legten täglich also etwa sechseinhalb Kilometer zurück. Genau diese Gruppe wies auch vermehrte Kalkablagerungen in den Koronararterien auf. Warum das so ist – darauf haben die Macher der Studie bisher keine Antwort.

Zwar sind die Ergebnisse der Studie nur schwer abschließend zu bewerten: Dennoch finden sich Hinweise, dass der angenommene Zusammenhang zwischen Arterienverkalkung und Sterberate nicht ganz unberechtigt ist. Denn bei der Gruppe unter den sehr ambitionierten Freizeitsportlern, die eine geringe Koronarverkalkung aufwies, halbierte sich die Mortalitätsrate im Vergleich zur unsportlichen Gruppe.

Auf die Art der Verkalkung kommt es an!

Doch die Verkalkung allein scheint kein Gradmesser für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko zu sein. Das lässt nach Ansicht der Wissenschaftler nur eine Schlussfolgerung zu: Die Art der Verkalkung bei Extremsportlern und Nichtsportlern ist eine andere. Offenbar ist der bei ambitionierten Freizeitsportlern abgelagerte Kalk von der Struktur her stabiler. Denn bei ihnen führen weder Kalkablagerungen an den Gefäßwänden noch verengte Koronararterien zum Tode. Wir erleiden nämlich genau dann einen Herzinfarkt, wenn sich diese Ablagerungen von den Gefäßwänden lösen, die Plaque vom Blutstrom weitergetragen wird und schließlich eine Arterie gänzlich verschließt.

Welche Schlüsse ziehen wir nun daraus? Wohl kaum auf Sport zu verzichten. Ganz im Gegenteil. Offenbar schlägt körperliche Aktivität – auch in extremer Ausprägung – dem Kalk in unseren Gefäßen ein Schnippchen. Denn der bleibt offenbar, wo er ist. Allerdings darf man dabei eines nicht vergessen: Besser ohne als mit Kalk in unseren Herzkranzgefäßen leben. Und dazu kann eine gesunde Ernährung sowie der Verzicht auf Fast Food und zu viel Fleisch viel beitragen.


von Die Redaktion. 08.02.2019


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