EPU (Elektrophysiologische Untersuchung)


Die elektrophysiologische Untersuchung, kurz EPU, ist eine spezielle Herzkatheteruntersuchung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Wurde der Mechanismus der schnellen Herzrhythmusstörung bei einer EPU gefunden, kann in vielen Fällen in der gleichen Sitzung auch die Behandlung durch eine Katheterablation vorgenommen werden.

Wie wird die EPU (elektrophysiologische Untersuchung) durchgeführt?

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Abb. 1: Katheterposition bei diagnostischer EPU

Die EPU stellt eine spezielle Herzkatheteruntersuchung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen da. Hierbei werden über die Leiste oder die Schlüsselbeinvene Elektrokatheter in das Herz eingebracht. Diese Spezialkatheter können an verschiedenen Stellen im Herzen elektrische Signale erfassen. Die Katheter werden im rechten Vorhof, in der rechten Kammer an der Überleitungsinstanz zwischen Vorhof und Kammer, dem AV-Knoten und in der großen Herzvene, dem Koronarsinus angebracht (Abb. 1).

Die Analyse der zeitlichen Abfolge der Herzrhytmus-Signale ist entscheidend für die Bestimmung der Rhythmusstörungen. Der Vergleich der zeitlichen Abfolge der elektrischen Erregungen während Ruhepuls und während Herzrasen trägt ebenfalls zur richtigen Diagnosestellung bei. Neben der Ableitung der lokalen elektrischen Signale können künstliche Extraschläge über die Elektrokatheter abgegeben werden.

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Abb. 2: Lebensbedrohliches Kammerflimmern während einer EPU

Der Arzt versucht mittels programmierter Stimulation, die krankhaften Herzrhythmusstörungen auszulösen. Er kann auch verschiedene Formen von Herzrasen durch Stimulation über den Katheter wieder beenden. Sollten dabei lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen entstehen (Kammerflimmern, Abb. 2), kann er auch diese jederzeit über einen Defibrillator beenden. Ein externer Defibrillator gehört zu jeder EPU dazu.

Eine EPU dauert in der Regel 1-2 Stunden, kann aber bei komplexen Herzrhythmusstörungen auch deutlich länger dauern.

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Welche Vorteile bietet die EPU (elektrophysiologische Untersuchung)?

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) bietet die Möglichkeit, Herzrhythmusstörungen zu induzieren, um dann im Herzen genau deren Entstehungsmechanismus zu untersuchen. Diese Ergebnisse bieten die Möglichkeit, daraufhin einen passenden Therapieplan zu erstellen.

Ohne diese Möglichkeit ist man darauf angewiesen, Herzrhythmusstörungen im EKG zu erfassen. Immer wieder durchgeführte einfache EKG-Registrierungen weisen dabei häufig keine Besonderheiten auf, da die Beschwerden nur gelegentlich auftreten. Auch Versuche, durch kontinuierliche EKG-Aufzeichnungen über 24 Stunden die geklagten Herzrhythmusstörungen zu erfassen, scheitern häufig am nicht vorhersehbaren Auftreten der Beschwerden. Notarztkonsultationen und stationäre Notaufnahmen auf der „Jagd“ nach einem EKG-Dokument prägen dann die Leidensgeschichte der Patienten nicht selten verbunden mit dem Gefühl, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden.

Mit Hilfe der elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) kann der Arzt in diesen Fällen versucht, direkt im Herzen die Arrhythmien zu provozieren. Er führt 2 – 3 Elektrodenkatheter von der Leistenvene aus in das Herz ein, um dann aus dem Herzen spezielle Signale abzuleiten. Durch Stimulationen des Herzens an den verschiedenen Stellen analysiert der Arzt die Leitungseigenschaften und deckt eventuelle Besonderheiten auf.

Behandlung der Herzrhythmusstörung im Rahmen der EPU mittels Katheterablation

Ist der Mechanismus der schnellen Herzrhythmusstörung gefunden, kann in vielen Fällen auch in der gleichen Sitzung die Behandlung durch eine Katheterablation vorgenommen werden. Dabei zerstören Wärmeimpulse das ursächliche Herzmuskelgewebe. Diese Zerstörungen sind sehr klein (4-6 mm in Durchmesser und Tiefe) und hinterlassen keine erkennbaren Herzmuskelnarben.

Ein spezielles invasives Therapieverfahren der Elektrophysiologie ist die „Ablationsbehandlung“ oder auch Verödungsbehandlung von Herzrhythmusstörungen direkt am Herzen. Dabei lokalisiert der Arzt zunächst den Ursprungsort der Herzrhythmusstörung. Anschließend platziert er die Spitze des Ablationskatheters direkt an dieser Stelle. Die Katheterspitze erwärmt sich dann durch Hochfrequenzstrom auf ca. 60 Grad Celsius. Dadurch ist eine sehr umschriebene, genau lokalisierte Gewebeerwärmung, in deren Folge es zu einer kleinen Narbe an dieser Stelle kommt. In über 90 % der Fälle kann die Katherablation die zu behandelnde Herzrhythmusstörung dauerhaft beseitigen. Damit bietet die invasive Elektrophysiologie in vielen Fällen neben der genauen Diagnosestellung auch eine kurative Behandlungsmöglichkeit.

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Autor:
Prof. Dr. med. Christian Weiß
Dr. med. D. Baumgart
Dr. med. Ch. K. Naber
Prof. Dr. med. R. Erbel