Bauchaortenaneurysma


Nicht zuletzt durch die Alterspyramide ist das Bauchaortenaneurysma keine Seltenheit mehr. Experten gehen davon aus, dass etwa 9 Prozent der Deutschen über 65 Jahre unter einer Erweiterung der Hauptschlagader leiden. Dabei handelt es sich überwiegend um Männer. In der Regel merkt der Betreffende vom Aneurysma an der Bauchaorta nichts. Ab einer bestimmten Größe besteht jedoch die Gefahr, dass das Aneurysma platzt und der Patient auf der Stelle verblutet. An einem solchen geplatzten Bauchaortenaneurysma sind beispielweise Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle gestorben.

Symptome bei einem Bauchaortenaneurysma

Problematisch an der krankhaften Erweiterung der Bauchschlagader ist, dass sie durch unaufällige Symptome häufig unbemerkt bleibt.

Wenn ein Bauchaortenaneurysma zu platzen droht, empfindet der Betroffene jedoch unerträglichen Bauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und Brechreiz. Das Leben ist in diesem Falle nur durch einen sofortigen chirurgischen Eingriff zu retten. Hier liegen die Überlebenschancen jedoch nur noch bei etwa 50 Prozent. Daher sollte ein Aneurysma, das größer als 5 cm Durchmesser ist oder schnell wächst, operiert werden, bevor etwas passiert.

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Darstellung eines Bauchaortenaneurysmas

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Gefäßverkalkung als Ursache für ein Bauchaortenaneurysma

In der Regel liegt einem Aortenaneurysma eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) zugrunde. Die Gefäßwand weitet sich mehr und mehr aus und wird dabei dünner und schwächer. Das Risiko nimmt mit zunehmendem Alter zu, obwohl auch durchaus schon 50-Jährige und Jüngere betroffen sein können. In seltenen Fällen kann auch ein Unfall oder eine Verletzung später zu einem Aneurysma führen.

Das Aortenaneurysma wird meist durch Zufall bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Das weitere Procedere ist von der Größe der Aussackung abhängig. Kleine Aneurysmen sind normalerweise ungefährlich; man muss sie nur beobachten. Hierzu sollten Kontrolluntersuchungen mit dem Ultraschall im halbjährlichen Abstand durchgeführt werden. Erst wenn das Aneurysma plötzlich rasch an Größe zunimmt und der Durchmesser 5 cm übersteigt, sollte eine Operation erfolgen.

Behandlung beim Bauchaortenaneurysma: endovaskulär oder offen operieren?

Beim endovaskulären Verfahren wird das Aneurysma ferngesteuert von innen ausgeschaltet
Beim endovaskulären Verfahren wird das Aneurysma ferngesteuert von innen ausgeschaltet

Die Ausschaltung des Aneurysmas kann durch eine offene Operation oder endovaskulär, also ‚ferngesteuert’ von innen erfolgen.

Bei der offenen Operation wird die Bauchschlagader abgeklemmt und das Aneurysma geöffnet. Dann wird eine Kunststoffprothese an der erweiterten Stelle eingenäht. Die Aussackung ist damit ausgeschaltet. Es handelt sich hierbei natürlich um eine große Operation, die auch eine größere Narbe hinterlässt. Andererseits ist das Aneurysma damit endgültig und zuverlässig beseitigt.

Eleganter und weniger belastend für den Patienten ist die endovaskuläre Methode. Bei diesem etwa zwei Stunden dauernden Eingriff wird eine Gefäßprothese (Stentgraft) über zwei kleine Einschnitte in der Leiste mittels Führungsdraht zum Aneurysma vorgeschoben und unter Röntgenkontrolle freigesetzt. Die Aussackung wird also von innen ausgeschaltet.

Allerdings kommt dieses Verfahren nicht für jedes Aneurysma in Frage. Oberhalb des Aneurysmas muss genügend gesunde Gefäßwand vorhanden sein, damit sich der Stentgraft verankern kann, ohne dabei die Nierengefäße abzuklemmen. Ist das nicht der Fall, bleibt nur die offene Operation. Durch den Einsatz von sogenannten „verzweigten“ Stentgrafts können allerdings mittlerweile auch komplexe Bauchaortenaneurysma-Patienten mit der schonenderen interventionellen Methode versorgt werden.

Beim endovaskulären Verfahren muss die Lage des Stentgrafts auch nach der Operation regelmäßig kontrolliert werden, da dieser verrutschen kann.

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Interdisziplinäre Diagnostik beim Bauchaortenaneurysma: alle Risikofaktoren checken!

Welches Verfahren das Beste für den jeweiligen Patienten ist, sollte individuell abgewogen werden. Hierfür ist sorgfältige Diagnostik notwendig, die laut Bundesministerium durch ein interdisziplinäres Team aus Gefäßchirurgen, Radiologen und Innerer Medizin (Kardiologie, Pulmonologie, Gastroenterologie) sichergestellt werden muss. Der Patient durchläuft dabei mehrere Stationen, wobei nicht nur sein Aneurysma, sondern sein gesamter Gesundheitszustand einer genauen Prüfung unterzogen werden sollte. Eine Gefäßerkrankung ist in aller Regel eine Allgemeinerkrankung. Daher sollte hier ein kompletter Check-up aller Risikofaktoren inklusive einer Untersuchung auf Verengung der Herzkranzgefäße durchgeführt werden.

Bauchaortenaneurysma. Ab 5 cm Durchmesser wird zur Operation geraten.
Bauchaortenaneurysma (in der Mitte)

Vorsorgeuntersuchungen zur Prävention des Bauchaortenaneurysmas

Nur 10 % aller Patienten mit geplatztem Bauchaortenaneurysma erreichen lebend das Krankenhaus. Man geht heute davon aus, dass jeder zweite Todesfall durch Bauchaortenaneurysmen vermieden werden könnte. Deswegen ist für Männer ab 65 Jahren seit Januar 2018 ein einmaliges Ultraschall-Vorsorgescreening kostenlose Kassenleistung geworden. Nutzen Sie dieses Angebot – so kann Ihr Arzt erkennen, wenn sich bei Ihnen ein Bauchaortenaneurysma entwickelt. Fragen Sie Ihren Hausarzt, wo Sie das Screening durchführen lassen können. Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung.

Ansonsten gelten wie bei jeder Gefäßerkrankung auch beim Bauchaortenaneurysma die üblichen Vorbeugemaßnahmen gegen Gefäßverkalkung: nicht rauchen, Gewicht reduzieren und viel Bewegung. Außerdem müssen Blutzucker, Blutfettwerte und Blutdruck optimal eingestellt werden. Eine Gefäßverkalkung lässt sich nach heutigem Wissensstand nicht rückgängig machen. Aber sie lässt sich durch gesunde Lebensweise durchaus verlangsamen oder aufhalten.

So finden Sie die richtige Klinik zur Behandlung des Bauchaortenaneurysmas

Laut Beschluss des Bundesministeriums für Gesundheit sollen Aussackungen der Bauchschlagader nur noch in Gefäßzentren mit klar definierten Strukturen operiert werden (gBA-Kriterien). Der Grund: Nur hier verfügt man über die entsprechende Erfahrung und Einrichtungen, um die für den einzelnen Patienten optimale Behandlung zu garantieren. Achten Sie daher bei der Auswahl Ihrer Klinik auf folgende Kriterien:

  • Klinikum der Maximalversorgung mit entsprechender Ausstattung
  • Gefäßchirurgischer Bereitschaftsdienst / Überwachung rund um die Uhr
  • Es werden beide Behandlungsverfahren angeboten (offen und endovaskulär)
  • Zulassung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (gBA Kriterien erfüllt)
  • Teilnahme an Qualitätssicherungsmaßnahmen und Bereitschaft, die Ergebnisse dem Patienten mitzuteilen

Autor:
Prof. Dr. med. Arend Billing