Ductus Botalli


Definition: Was ist der Ductus Botalli?

Der Ductus Botalli ist eine Gefäßverbindung zwischen Lungenschlagader und Hauptschlagader (Aorta), die sich normalerweise kurz nach der Geburt verschließt. Da die Lunge ihre Funktion vor der Geburt noch nicht wahrnehmen kann, kann das Blut über diese Verbindung in die Aorta wechseln, ohne die Lunge zu passieren.

Patent ductus arteriosus
Ductus Botalli (gelb eingekreist)

Bei einigen Menschen bleibt der Ductus Botalli jedoch auch nach der Geburt offen. Durch den ständigen Blutfluss kann sich die Verbindung dann noch erweitern, sodass auch im Erwachsenenalter große Mengen Blut – nun von der Hauptschlagader aus – in die Lungenarterie gelangen, wodurch das Lungengefäßsystem überlastet wird. Ein schwerer Lungenhochdruck und eine fortschreitende Leistungsschwäche sind die Folge.

Arztsuche

Wie wird ein offener Ductus Botalli behandelt?

Der Verschluss eines offenen Ductus Botalli ist dann notwendig, wenn ein bedeutsamer Blutfluss (Shuntvolumen) ab 50 % des minütlich vom Herzen geförderten Blutvolumens besteht.

Der Zugang erfolgt über die rechte Beinvene in der Leiste. Mit einem speziell geformten Katheter (Multipurpose-Katheter) wird dabei der Ductus Botalli in der Lungenschlagader unter Röntgendurchleuchtung aufgesucht. Nach erfolgreicher Passage wird eine Röntgenkontrastdarstellung der Hauptschlagader einschließlich des Blutflusses im Ductus Botalli bis in die Lungenschlagader vorgenommen. Anschließend wird ein langer Draht bis weit in die Hauptschlagader vorgeschoben und der Katheter entfernt. Über den Draht wird nunmehr eine lange Schleuse über den rechten Vorhof, die rechte Herzkammer, die Lungenschlagader bis in die Hauptschlagader vorgeführt und der Draht entfernt.

Je nach Größe und Form des Ductus Botalli, die anhand der Kontrastdarstellung bestimmbar ist, wird ein Verschlusssystem ausgewählt. Dabei kommen Spiral- oder Schirmchensysteme in Betracht. In der jüngsten Vergangenheit haben sich bei Erwachsenen zunehmend Schirmchensysteme durchgesetzt. Dabei wird das System in die lange Schleuse eingeführt und der erste Schirmanteil in der Hauptschlagader geöffnet. Das System wird anschließend mit der Schleuse an den Austritt des Ductus Botalli aus der Hauptschlagader herangezogen bzw. durch den Druck in der Hauptschlagader herangedrückt und der Stent, der den Ductus auskleidet, entwickelt, sodass der Ductus Botalli verschlossen ist. Dabei besteht eine doppelte Sicherung, da der Druck in der Hauptschlagader den Schirmanteil an die Wand drückt und der Stent sich im Ductus verkeilt.

Nach abschließender Röntgenkontrastdarstellung der Lungenarterie  löst der Chirurg das Führungskabel ab. Bei der Implantation kann die zusätzliche Sicht mittels Schluckecho (transösophageale Echokardiografie) hilfreich sein, ist aber nicht zwingend erforderlich.

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Wie sieht die Nachbehandlung nach der Operation des Ductus Botalli aus?

Nach der Implantation erfolgt eine Gabe von 300 mg Clopidogrel, ein vorbeugendes intravenöses Antibiotika, damit sich keine Bakterien festsetzten können, sowie die Gabe von Heparin mit einer Dosis von 12 – 15 i. E./kgKG/h über 24 h. Während der folgenden 3 Monate wird 75 mg Clopidogrel/ d und für 6 Monate nach der Intervention Aspirin®‚ 100 mg/d verordnet. Eine Röntgenkontrolluntersuchung am Tag nach der Intervention und eine Kontrolluntersuchung mittels Schluckecho nach 6 Monaten empfiehlt sich.

Alternativ kann ein solcher Verschluss auch operativ durchgeführt werden.

Autor:
Dr. med. T. Bartel