Gefäßverletzung


Bei einer Gefäßverletzung wird grundsätzlich die Verletzung einer Schlagader (Arterie) von der Verletzung einer Vene unterschieden.

Einteilung der Verletzungen

Klinisch führend sind Verletzungen der Arterien, die weiterhin in spitze und stumpfe Gefäßverletzungen differenziert werden (Einteilung nach Vollmar). Bei spitzen Läsionen wird unterschieden nach partieller bzw. vollständiger Durchtrennung der Gefäßwand.

Stumpfe Gefäßschädigungen treten beispielsweise im Rahmen von Gelenkverletzungen auf. Hierbei ist das Gefäß von außen unberührt. Je nach Ausmaß kann es aber an der Innenseite eine Verletzung der Intima (innerste Schicht der Gefäßwand) geben, die bis hin zu einer Dissektion der Wandschichten führen. Die Intima kann sich dann im Gefäß aufrollen und es verschließen.

Ursachen von Gefäßverletzungen sind in der Regel starke Schläge oder Stöße gegen den Körper.

Blausen 0051 Artery
Aufbau einer Arterienwand

Was sind Symptome einer Gefäßverletzung?

Am offensichtlichsten ist die Differenzierung einer offenen von einer geschlossenen Gefäßverletzung. Offene Gefäßverletzungen können zu erheblichen lebensbedrohlichen Blutungen führen. Durch Kompression kann eine unmittelbare Blutstillung erzielt werden. Bei Leitgefäßen ist zudem eine anatomiegerechte Versorgung der Gefäßwand entscheidend, um sekundäre periphere Durchblutungsstörungen zu vermeiden.

Auch bei erhaltenem Weichteilmantel bzw. intakter Haut, also einer geschlossenen Verletzung, können erhebliche kreislaufrelevante Volumenverschiebungen auftreten. Derartige Einblutungen in das Gewebe können im weiteren zur Kompression und sekundärem Gewebeuntergang führen.

Eine Besonderheit ist die Symptomatik stumpfer Gefäßverletzungen. Hierbei erscheint das Gefäß von außen unversehrt. Im Gefäß, also an der Intima, kann die innerste Schicht der Gefäßwand sich einrollen und den Blutfluss stoppen. Hierbei sind periphere Durchblutungsstörungen das führende Symptom.

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Wie läuft die Behandlung einer Gefäßverletzung ab?

Als grundlegende Regel für alle Gefäßverletzungen gilt: je näher am Rumpf die Verletzung liegt, desto dringlicher ist die medizinische Versorgung.

Verletzungen durch äußere Gewalteinwirkung, wie Hieb- oder Stichverletzungen, können chirurgisch durch direkte Naht der Blutgefäße versorgt werden. Verletzungen kleinerer Blutgefäße beim sonst gesunden Patienten können in aller Regel durch einfache Unterbindung behoben werden.

Je nach Ursache und Ausmaß der Gefäßverletzung steht ein breites Portfolio an Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Gefäßintegrität zur Verfügung. Kleinere Läsionen können mittels Unterspritzung mit Gerinnungsfaktoren oder katheterinterventionell durch Stentimplantation behoben werden.

Größere und tiefer gehende Verletzungen können wahlweise durch direkte Naht des Gefäßes oder mittels Interposition einer Gefäßprothese beherrscht werden. In gleicher Weise wie synthetisches Bypassmaterial können Gefäßverletzungen auch mittels Verwendung körpereigenen Venenmaterials versorgt werden.

Wie sind die Heilungssaussichten nach Gefäßverletzungen?

Entscheidend ist aber auch das Ausmaß der erforderlichen Rekonstruktion. Die einfache Gefäßnaht birgt per se ein niedrigeres Operationsrisiko als beispielsweise eine aufwändige Bypass-Rekonstruktion. Von weiterer Relevanz ist die Schwere der Sekundärprobleme. Hier ist der Faktor Zeit prognostisch bedeutsam. Eine längere Unterversorgung einer Extremität kann trotz erfolgreicher Wiederherstellung der Durchblutung zu andauernden Folgeschäden führen.

Zusammenfassend besteht ein enger Zusammenhang zwischen einer zeitnahen Diagnostik – insbesondere bei schwierig zu entdeckenden stumpfen Läsionen (bei auftretenden Symptomen daran denken!) – und den langfristigen Heilungsaussichten. Bei zeitnaher Versorgung ist eine folgenlose Ausheilung erreichbar.

Nachsorge nach einer Gefäßverletzung

Grundsätzlich ist im Anschluss keine weitere Medikation erforderlich. Diese kann sich aber in Abhängigkeit vom Rekonstruktionsverfahren ändern. So kann nach Bypass-Versorgung eine ASS-Medikation indiziert sein.

Eine spezifische Nachsorge ergibt sich nicht, da in der Regel keine Gefäßerkrankung per se vorliegt. In gleichem Maße ergeben sich keine grundsätzlichen Beschränkungen beim Sport.

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Autor:
Dr. med. Dipl. oec. med. Colin M. Krüger