Herzentzündung (Karditis)


Die Bezeichnung Karditis, zu Deutsch Herzentzündung, ist ein Sammelbegriff für die verschiedenen entzündlichen Erkrankungen des Herzens bzw. des Herzgewebes. Je nachdem, welcher Teil bzw. welche Schicht des Herzens von einer Entzündung betroffen ist, lassen sich drei Arten einer Herzentzündung (Karditis) unterscheiden:

  • Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels)
  • Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels)
  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen)

Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels)

Diese Art einer Herzentzündung (Karditis) wird am häufigsten durch Bakterien, Viren oder Tuberkulosebakterien verursacht. Sie kann aber auch bei bösartigen Erkrankungen, nach Bestrahlungen bösartiger Erkrankungen des Brustraumes, bei Nierenerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen und bei Herzinfarkt auftreten. Oftmals geht sie mit einem Herzbeutelerguss (Perikarderguss) einher.

Bei dieser Herzentzündung (Karditis) wird unterschieden zwischen der akuten und der chronischen Perikarditis. Die akute Form dieser Herzentzündung (Karditis) ist verbunden mit Schmerzen in der Herzgegend, die den Beschwerden des Herzinfarktes ähneln. Die Schmerzen werden oft im Liegen, beim Husten und tiefen Einatmen schlimmer und können im Sitzen mit nach vorn gebeugtem Brustkorb besser sein. Vor allem bei der akuten Perikarditis kommt es oft zu Luftnot, die entweder durch die schmerzhaften Atembewegungen oder durch den Herzbeutelerguss entsteht.

Die chronische Herzbeutelentzündung verläuft oft unbemerkt.

Der plötzlich und schnell auftretende Perikarderguss kann zu einer massiven Kompression des Herzens führen. Dies kann so schnell gehen, dass innerhalb weniger Stunden schwere Herzschwäche und Luftnot auftreten.

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Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels)

Diese Form der Herzentzündung (Karditis) wird meistens durch Viren (in Südamerika meistens durch bestimmte Parasiten) verursacht. Mögliche Ursachen sind aber auch Bakterien, Medikamente (z.B. Chemotherapeutika zur Behandlung bösartiger Krankheiten oder Psychopharmaka wie Lithium) sowie in seltenen Fällen Autoimmunkrankheiten (Krankheiten, bei denen sich der Körper gegen eigene Eiweiße „wehrt”) oder die „Riesenzellen-Myokarditis”, bei der sich besondere Zellen („Riesenzellen”) im Herzmuskel anreichern.

Man unterscheidet bei dieser Art der Herzentzündung (Karditis) zwischen der akuten (plötzlich auftretenden) und der chronischen Myokarditis. Die chronische Form dieser Herzentzündung (Karditis) kann oft nicht von einer Herzmuskelerkrankung („dilatative Kardiomyopathie”) unterschieden werden.

Die Beschwerden entstehen dadurch, dass der entzündete Herzmuskel müde wird und nur noch vermindert pumpen kann. Dies führt zur Herzschwäche mit allen ihren Symptomen, insbesondere Luftnot und Wasseransammlungen im Körper. Zudem können in dem entzündeten Herzmuskel alle möglichen Formen der Herzrhythmusstörungen entstehen (z.B. Blockierungen, einzelne Extrasystolen, Vorhofflimmern, Kammerflattern, Kammerflimmern). Pulsunregelmäßigkeiten und Herzstolpern sind oft die ersten Anzeichen einer Myokarditis. Ohnmachtsanfälle können aber auch erste Anzeichen einer Herzmuskelentzündung sein.

Bei der akuten Myokarditis entwickeln sich diese Beschwerden sehr schnell, bei der chronischen Form schleichend über Wochen. Oft ist keine Unterscheidung möglich, ob es sich um eine Myokarditis oder eine Herzerweiterung („Dilatative Kardiomyopathie”) handelt, weil die Beschwerden identisch sind.

Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen)

Diese Form der Herzentzündung (Karditis) wird nahezu ausschließlich durch Bakterien und Pilze verursacht. Man unterscheidet die akute (plötzlich auftretende) und die subakute (schwelend verlaufende) Endokarditis. Die Gefahr dieser Herzentzündung (Karditis) besteht darin, dass sich bakterienhaltige Blutgerinnsel auf den entzündeten Herzklappen ablagern können und dass die Klappen durch die Entzündung vernarben und verkalken.

Die Symptome dieser Herzentzündung sind oft sehr untypisch und unspezifisch. Sie bestehen in allgemeinen Entzündungszeichen. Dazu gehören Fieber (häufig nur geringe Temperaturerhöhung), Müdigkeit, Gewichtsverlust, Kopfschmerzen und Schüttelfrost (oft wie eine Grippe).

Wenn sich über der entzündeten Herzinnenhaut Blutgerinnsel bilden, diese Gerinnsel sich losreißen und in den Kreislauf gelangen, können sie Embolien mit den entsprechenden Symptomen verursachen. Dazu gehören plötzlich kalte, gefühllose und schmerzende Gliedmaßen (Finger, Zehen), wenn die Embolie eine Gliedmaßenarterie (Finger- oder Zehenarterie) verstopft, kleine Hautblutungen (bei Hautembolien), Halbseitenlähmungen oder Erscheinungen wie beim Schlaganfall Gehirnembolien), Bauch- und Nierenschmerzen (Embolien der Bauch- oder Nierengefäße) und blutiger Urin (Nierenembolie).

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Blutgerinnsel können zu Gefäßverstopfung führen

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Wenn Herzklappen von der Entzündung befallen werden, bemerkt man mit zunehmender Schädigung der Klappen die Symptome von Herzklappenfehlern und hier insbesondere zunehmende Luftnot.

Als Prophylaxe hat sich die Einnahme von Antibiotika (z.B. Penicillin) bewährt. Auch müssen vor Eingriffen im Bereich des Zahn-, Mund- und Rachenraums, im Magen-Darm-Trakt sowie an den Harnwegen geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

Mit zunehmendem Alter kommt es zu „Abnutzungserscheinungen” bestimmter Herzklappen (Aortenklappe), indem sich diese Klappe verdickt, starrer wird und oft verengt. Wenngleich aus einer solchen „Klappenverdickung” selten ein bedeutsamer Herzklappenfehler entsteht, der operiert werden müsste, so bedeutet die Aortenklappenverdickung (Aortenklappensklerose) doch ein erhöhtes Endokarditisrisiko. Das Ausmaß der Gefahr kann man im Ultraschall ermessen.

Autor:
Dr. Andreas Lauber