Nierenarterienstenose


Bei einer Nierenarterienstenose handelt es sich um eine Verengung der großen Nierengefäße, d.h. der Schlagadern, die die Nieren mit Blut versorgen.

Kidney PioM
Schema der menschlichen Niere. Punkt 3 zeigt die Nierenarterie, Nr. 4 die Nierenvene

Hintergrundinformationen zu den Nieren

Die Niere ist beim Menschen paarig angelegt. Sie liegen retroperitonial, also an der Rückenwand des Bauchraumes, zum Teil durch die Rippen geschützt. Die rechte Niere liegt aufgrund der Ausdehnung der Leber etwas niedriger als die linke. Am oberen Anteil der Nieren sitzen zu beiden Seiten die Nebennieren auf. Jede Niere wiegt etwa 160 Gramm und hat eine Größe von ca. 12 x 6 x 4 cm. Die Nieren werden über zwei Schlagadern, die Nierenarterien, welche aus der Hauptschlagader abgehen, mit sauerstoffreichem Blut versorgt.

Die Nieren sind für die Urinproduktion und die Verstoffwechselung zahlreicher Fremdstoffe für deren Entsorgung zuständig und übernimmt dazu auch die Aufgabe einer Hormondrüse. Neben dem Renin, einem Hormon, welches für die Blutdruckregulation zuständig ist, produziert die Niere auch noch Erythropoetin, einen Wachstumsfaktor für die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark. Eine Verengung der Schlagadern, die die Nieren mit Blut versorgen, kann deshalb die Körperregulation stark beeinflussen.

Von jeder Niere führt ein 35 cm langer Harnleiter zur Blase herab. Die Blase besitzt einen Schließmuskel, der die Speicherung des Urins erlaubt. Die Blase besitzt eine starke Schicht glatter Muskulatur, welche für eine restlose Entleerung des Urins in die Harnröhre (Urethra) sorgt. Harnleiter und Harnröhre besitzen ebenfalls eine starke Schicht glatter Muskulatur, die die Harnweiterleitung unterstützt.

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Häufigkeit und Ursachen der Nierenarterienstenose

In der Bevölkerung haben Nierenarterienverengungen eine Häufigkeit von ca. 1 % bei milde erhöhtem Blutdruck. Bei medikamentös schlecht eingestelltem Blutdruck 4 – 4.5 %. Bei etwa 20 – 30 % der Patienten mit einer diagnostizierten Nierenarterienstenose auf einer Seite liegen beidseitige Verengungen vor.

Meist sind Verengungen im Laufe des Lebens erworben (Arteriosklerose). Angeborene Verengungen sind selten (< 1 %). Hiervon sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Zu den Risikofaktoren gehören dabei zum einen nicht zu ändernde Faktoren wie steigendes Lebensalter, aber auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck (Hypertonie) und Fettstoffwechselstörungen. Weitere Faktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung sowie körperlicher- und seelischer Stress erhöhen das Risiko der Arterienverengung ebenfalls.

Atherosclerosis diagram
Darstellung der Arteriosklerose

Symptome: Wie äußert sich eine Nierenarterienstenose?

Das Erste, was der Patient merkt, ist der hohe Blutdruck. Die Ursache hierfür ist, dass die Niere merkt, dass sie zu wenig Blut erhält, und deswegen Hormone ausschüttet, z.B. das Renin, welches zu einer Blutdruckerhöhung führt. Der Blutdruck kann weiter ansteigen – ein Teufelskreis.

Im weiteren Verlauf führt eine schlechte Durchblutung der Niere zu einer Nierenschrumpfung bis hin zum Funktionsverlust. Das Blutdruckhormon Renin wird jedoch bei funktionsloser Niere weiter ausgeschüttet. Der Bluthochdruck bleibt erhalten. Die Produktion des Hormons für die Blutbildung wird jedoch eingestellt. Es kommt zur Blutarmut (Anämie).

Diagnose: Wie kann man Nierenarterienstenose feststellen?

Heute kann man eine Nierenarterienstenose mit schonenden, nichtinvasiven Verfahren von außen darstellen und diagnostizieren. Mit dem Ultraschall in Kombination mit duplexsonographischen Methoden lässt sich eine Nierenarterienstenose feststellen oder ausschließen. In unklaren Fällen, oder um eine Engstelle besser zu bestimmen, können zusätzlich noch die Spiral-Computertomografie (CT), oder die Magnetresonanztomografie (MRT) angeschlossen werden. Als invasive und sicherste Methode sollte die Darstellung der Nierengefäße mittels Kontrastmittel (Angiografie) erfolgen. Ergänzend zu diesen Verfahren gibt es mehrere Funktionstests, u.a. die Nierenszintigrafie mit Gabe eines ACE-Hemmers.

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Therapie: Wie kann man eine Nierenarterienstenose behandeln?

Die entscheidende diagnostische Methode (Goldstandard) ist die arterielle Angiografie, die mittels einer arteriellen Punktion in der Leiste erfolgt. Mit dieser Methode kann auch in gleicher Sitzung eine Aufdehnung der Engstelle von innen mittels eines eingeführten Ballons (Perkutane transluminale Angioplastie) durchgeführt werden. Zusätzlich wird heute diese Methode durch das Einsetzen eines Drahtgeflechtes (Stent) kombiniert. Damit wird erreicht, dass sich die Gefäße aufgrund ihrer elastischen Eigenschaften nicht wieder einengen. Das Gefäß wird durch diese Endoprothese abgestützt und offengehalten. Eine Aufdehnung der Nierenarterienverengung sollte erfolgen, wenn das Gefäß um mehr als 60 % eingeengt ist.

Erfolg der Ballonaufdehnung oder der Stentimplantation

Die invasive Methode kann bei einer Nierenarterienstenose sicher und erfolgreich durchgeführt werden. Eine dauerhafte Beseitigung der Engstelle ist bei mehr als 95 % der Patienten möglich. In 40 – 50 % der Fälle kommt es immerhin zu einer Besserung der Blutdrucksituation.

In aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Blutdrucksituation trotz aufgedehnter Engstelle bei einigen Patienten nicht bessert, da es durch die lange Dauer des hohen Blutdruckes und der Minderdurchblutung der Niere zu einer Nierenschädigung gekommen ist. Auch die Patienten, bei denen sich die Aufweitung der Nierengefäßverengung nicht oder nur mäßig auf die Blutdrucksituation ausgewirkt hat, profitieren in aller Regel davon, dass der Blutdruck dann mit Medikamenten wesentlich besser zu behandeln ist und ACE-Hemmer eingesetzt werden können.

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Für die Niere ungünstige Medikamente bei diagnostizierter Nierenarterienstenose

Zur Behandlung erhöhter Blutdruckwerte dürfen bei diagnostizierter Nierenarterienverengung keine ACE-Hemmer oder AT I/AT II Antagonisten gegeben werden, da es unter dieser Therapie zu einer chronischen oder akuten Verschlechterung der Nierenfunktion bei gleichzeitiger Gabe von Wassertabletten kommen kann. Dadurch kann es im schlimmsten Fall zu einem Verlust der Nierenfunktion kommen.

Kann man einer Nierenarterienstenose vorbeugen?

In der Regel nicht, wenn eine Nierenarterienstenose vererbt wird. Bei Nierenarterienverengungen aufgrund von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) kann der Verschlechterung einer bestehenden Engstelle durch eine drastische Reduzierung der Risikofaktoren vorgebeugt werden. Auch Menschen, in deren Familien gehäuft Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten, sollten auf eine möglichst gesunde Lebensweise achten und Stress meiden.

Autor:
Thomas F. M. Konorza