PAVK (Schaufensterkrankheit)


Bei der PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) – auch Schaufensterkrankheit genannt – handelt es sich um eine Durchblutungsstörung insbesondere der Beine. Man geht heute davon aus, dass etwa jeder vierte Patient über 55 Jahre von der PAVK betroffen ist – Männer viermal häufiger als Frauen. Besonders gefährdet sind Raucher und Diabetiker. Letztere haben ein sechsfach erhöhtes Risiko für PAVK im Vergleich zu Nicht-Diabetikern.

Wie verläuft die periphere arterielle Verschlusskrankheit?

Bei PAVK-Betroffenen entstehen durch Ablagerungen („Verkalkung“) in den Arterien Engstellen, die eine störungsfreie Durchblutung behindern. Je nach Stärke der Durchblutungsstörung kommt es beim PAVK-Patienten zu Schmerzen beim Gehen oder Treppensteigen, die beim Stehenbleiben rasch nachlassen.

Unbehandelt schreitet die PAVK rasch fort. Blutgerinnsel können entstehen, die Gefäße verstopfen und zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Durch die Gefäßverschlüsse drohen offene Beine, da Verletzungen ohne genügende Durchblutung nicht heilen können. Schlimmstenfalls kommt es zum Verlust der Gliedmaßen. Daher ist die PAVK eine ernstzunehmende Erkrankung, deren Fortschreiten unbedingt verhindert werden muss. Je früher eine PAVK erkannt wird und je gezielter die Risikofaktoren angegangen werden, desto besser.

Atherosclerosis diagram
Darstellung der Arteriosklerose

Stadien der Schaufensterkrankheit (PAVK)

Die PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Engstellen, jedoch keine Schmerzen bzw. nur bei höherer Belastung
  • Stadium II: die sogenannte Claudicatio Intermittens – die Schmerzen beim Gehen zwingen zu regelmäßigen Pausen
  • Stadium III: Ruheschmerzen, insbesondere nachts
  • Stadium IV: offene Wunden entstehen, die schlecht heilen

Symptome der Schaufensterkrankheit (PAVK)

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist anfangs schmerzlos. Arteriosklerose und die damit verbundenen Durchblutungsstörungen beginnen oft schleichend und verursachen lange Zeit keine Schmerzen. In einer großen bundesweit angelegten Studie (getABI) zeigte sich, dass jeder Fünfte der beim Hausarzt Untersuchten eine Schaufensterkrankheit im beginnenden oder sogar fortgeschrittenen Stadium hatte, ohne davon zu wissen. Erst, wenn die Durchblutung so weit eingeschränkt ist, dass die betroffenen Muskeln unter Sauerstoffmangel leiden, macht sich dies beim PAVK-Patienten durch mehr oder minder heftige, krampfartige Schmerzen in der Wade, aber auch im Fuß, Oberschenkel oder Gesäß bemerkbar.

Die Betroffenen nehmen die Schmerzen im Anfangsstadium oft nicht ernst. Nicht einmal die Hälfte der über 65-Jährigen mit gelegentlichen Beschwerden gehen zum Arzt. Dabei ist es wichtig, bereits bei den ersten Anzeichen alles zu tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden. Eine lokale Behandlung an den Beinen ist in diesem Stadium zwar oft noch nicht nötig, aber die Symptome können ein Hinweis auf Arteriosklerose an anderen Stellen sein. Da Verengungen an der Halsschlagader oder an den Herzgefäßen lange asymptomatisch bleiben, ist eine frühzeitige (medikamentöse) Behandlung oft lebensrettend. Sie vermindert das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich. Zudem sollten bei Gefäßverschlüssen und starken Durchblutungsstörungen in den Beinen auf jeden Fall vorsorglich auch Halsschlagader und Herzgefäße auf Verengungen untersucht werden.

Arztsuche

Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Einfache PAVK-Früherkennung durch Knöchel-Arm-Index

Auch bei der Schaufensterkrankheit lohnen sich Vorsorgeuntersuchungen. Ob Gefäße verengt sind, zeigt der sogenannte Knöchel-Arm-Index (ABI). Bei dieser Untersuchung misst eine Sonde am Knöchel die Flussgeschwindigkeit des Blutes und damit, wie durchgängig die Gefäße sind. Normal ist ein ABI ≥ 0,9. Bei einem ABI von 0,7 – 0,89 liegt eine milde PAVK und bei einem ABI von 0,41 – 0,69 eine moderate periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) vor. Bei einem ABI ≤ 0,4 liegt eine schwere Durchblutungsstörung vor. Die Ermittlung des ABI bietet eine aussagekräftige Möglichkeit der Früherkennung von Gefäßerkrankungen und sollte daher bei älteren Patienten bei keinem Gesundheitscheck fehlen.

Weiterführende PAVK-Diagnostik

Bei Verdacht auf PAVK erfolgt eine ergänzende körperliche Untersuchung, die durch eine Belastungsuntersuchung (zum Beispiel auf dem Laufband) bis zum Auftreten der Schmerzsymptomatik ergänzt wird. Ihr schließt sich die farbkodierte Duplexsonografie an. Weitergehende Informationen über den Zustand der Beingefäße können Magnetresonanz-Angiografie (MRA) und CT-Angiografie erbringen. Beide sind nicht invasiv, aber mit Kontrastmittelgabe und Strahlenbelastung verbunden. Die beste Aussagekraft hat die (invasive) Angiographie (Gefäßröntgendarstellung), bei der zugleich auch kathetergestützte Behandlungen durchgeführt werden können.

Therapie der Schaufensterkrankheit

PAVK-Risikofaktoren konsequent ausschalten

Wichtig ist es, konsequent die Risikofaktoren auszuschalten:

  • Rauchen,
  • Bluthochdruck,
  • zu hohe Blutfettwerte,
  • Diabetes und
  • Übergewicht.

Tatsächlich haben über 80 Prozent der PAVK-Patienten mindestens einen oder zwei dieser Risikofaktoren. Allerdings spielen auch Alter, Geschlecht und erbliche Veranlagung bei der Entstehung der Schaufensterkrankheit (PAVK) eine Rolle.

Ein ganz wichtiger Schutzfaktor ist mehr Bewegung. Im frühen PAVK-Stadium bilden Gehtraining und spezielle Gymnastik die Grundlage der Behandlung. Regelmäßiges Training von täglich 30 bis 40 Minuten hat sich hier als äußerst wirksam erwiesen. Es führt unter anderem zur Bildung neuer Blutgefäße, die einen verstopften Gefäßabschnitt umgehen und die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgen können. Die Schmerzen nehmen ab, die schmerzfreie Gehstrecke wird oft erheblich verlängert. Das Programm sollte allerdings mit dem Arzt abgestimmt sein, denn bei Ruheschmerzen oder wenn schon Gewebe zugrunde gegangen ist, kommt das Bewegungstraining in der Regel nicht mehr in Frage.

Unterstützt wird die PAVK-Therapie durch Medikamente: durchblutungsfördernde Substanzen wie zum Beispiel Prostaglandine sowie sogenannte Thrombozytenfunktionshemmer und Gerinnungshemmer. Thrombozytenfunktionshemmer (wie z.B. ASS) wirken auf die Blutblättchen und verhindern so das Entstehen von Blutgerinnseln (Thromben). Gerinnungshemmer setzen die Blutgerinnungsfähigkeit herab. Das bekannteste Medikament dieser Gruppe ist sicherlich Marcumar. Da die Erkrankung nicht nur die Beine betrifft, sondern den gesamten Körper, haben PAVK-Patienten ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Daher wird die lebenslange Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) und eines Fettsenkers empfohlen.

Arztsuche

Wiederherstellung der Durchblutung als Teil der PAVK-Therapie

Wenn Gliedmaße gefährdet sind, muss die Durchblutung durch einen Eingriff wiederhergestellt werden. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mittels „Ballon-Dehnung“ (Perkutane Transluminale Angioplastie oder kurz PTA) können Engstellen von innen aufgedehnt werden. Dabei wird zunächst ein Draht unter Röntgenkontrolle bis zur Engstelle vorgeschoben und dann der Ballon aufgepumpt. Sogenannte Stents (Gefäßprothesen) halten das Gefäß von innen offen.

Bei längerstreckigen Verschlüssen kann eine Gefäßumgehung mittels Bypass nötig sein. Solche Bypässe können aus Kunststoff, oder besser aus körpereigenen Venen des PAVK-Patienten hergestellt sein. Der langfristige Erfolg hängt jedoch auch bei diesen Verfahren von der Mitarbeit des Patienten ab, d.h. der konsequenten Ausschaltung der PAVK-Risikofaktoren, regelmäßigem Gehtraining und korrekter Einnahme der Medikamente.

PTCA stent NIH
Einsatz eines Stents nach der PTCA

Wann sollte die Rauchentwöhnung beim PAVK-Patienten stattfinden?

Eine besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang die Problematik der Suchtbehandlung: So wichtig das Ausschalten des großen Risikofaktors Rauchen auch ist, sollte man es dem PAVK-Patienten allerdings nicht unbedingt parallel zur Behandlung in der Klinik zumuten. Die Belastung für den Patienten durch die Behandlung bzw. den Eingriff ist so schon sehr hoch. Es genügt völlig, das Rauchen nach Verlassen der Klinik endgültig aufzugeben.

Notfall bei der Schaufensterkrankheit: Akuter Gefäßverschluss

Bei einem akuten Gefäßverschluss ist die betroffene Gliedmaße bedroht. Die Durchblutung muss so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Es handelt sich also um einen echten Notfall. Auf einen akuten Gefäßverschluss deuten plötzlich einsetzende, schwere Schmerzen und ausgeprägte Blässe (keine Durchblutung) an der betroffenen Gliedmaße hin, Gefühlsstörungen und Bewegungsunfähigkeit. Hier ist unverzüglich der Notarzt zu rufen – es geht um jede Minute! Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte das Bein tief gelagert werden. Keinesfalls durchblutungsfördernde Mittel geben oder Wärmeanwendungen (Wärmflasche) machen. Eine Auflistung der eingenommenen Medikamente bereithalten.

PAVK-Behandlung nur in zertifizierten Zentren

Patienten mit Durchblutungsstörungen, die behandelt werden müssen, sollten sich hierzu unbedingt in zertifizierte Gefäßzentren begeben. Die Auflagen der Fachgesellschaften für die Zertifizierung sind hoch. U.a. müssen hier mehrere Fachrichtungen bei der Behandlung zusammenarbeiten. Nur wer wirklich alle Behandlungsoptionen vorhält, kann die für den jeweiligen PAVK-Patienten optimale Behandlung auswählen. Behandlungseinrichtungen, die nur über Kathetertechniken, nicht aber über eine ausgereifte Gefäßchirurgie verfügen, sind zwangsläufig auf einem Auge blind. Es lohnt sich für den PAVK-Patienten also, sich diesbezüglich im Vorfeld genau zu informieren.

Die Mitarbeit des PAVK-Patienten ist gefragt

Eine fortgeschrittene Arteriosklerose ist nicht rückgängig zu machen. Man kann das Fortschreiten aber erheblich verlangsamen und unter Umständen sogar ganz stoppen. Zunächst einmal müssen hierfür die Risikofaktoren ausgeschaltet werden, d.h. auf das Rauchen verzichten, Cholesterin- und Blutzuckerwerte optimal einstellen und Gewicht reduzieren. Gefäßpatienten sollten regelmäßig Blutdruck, Blutzucker, Fett- und Harnsäurewerte kontrollieren lassen und ihre Medikamente zuverlässig einnehmen.

Mehr Bewegung ist wichtig, insbesondere, wenn die arterielle Durchblutungsstörung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Bei Wunden an den Beinen, die einfach nicht heilen wollen, ist auch an eine Durchblutungsstörung als Ursache zu denken!

Autor:
Prof. Dr. med. Arend Billing