Pulmonalstenose


Bei einer Pulmonalstenose (auch Pulmonalklappenstenose) liegt eine Einengung im Bereich der Pulmonalklappe vor. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Beanspruchung des rechten Ventrikels. Häufig liegt eine Verschmelzung der Taschen vor, die eine vollständige Öffnung der Pulmonalklappe verhindert.

Hintergrundinformationen zur Pulmonalstenose

Das von den Organen verbrauchte Blut wird in den Körpervenen gesammelt und zurück zum Herzen transportiert. In der rechten Vorkammer wird das Blut gesammelt und über die rechte Hauptkammer in die Lungenschlagader (Pulmonalarterie, lat. „pulmo“ = Lunge) gepumpt. In der Lunge wird das Blut mit Sauerstoff angereichert und in die linke Herzkammer geleitet. Von dort wird das Blut in die Hauptschlagader (Aorta) gepumpt und an die Organe verteilt.

Blausen 0452 Heart BloodFlow
Darstellung des Blutkreislaufs im Herzen: Die Pulmonalarterie ist mit „to Lung“, zur Lunge, beschriftet

In seltenen Fällen gibt es angeborene Verengungen im Bereich der Lungenschlagader. Diese können auf die Herzklappe beschränkt sein (so genannte Pulmonalklappe), unterhalb der Klappe liegen (so genannte subvalvuläre Stenose, „sub“- unterhalb, „valvulär“- Klappe) oder aber oberhalb der Klappe, d.h. direkt im Bereich der Lungenschlagader liegen (so genannte supravalvuläre Stenose, „supra“- oberhalb).

Durch diese Verengung kommt es zu einer Behinderung des Blutauswurfs aus der rechten Herzkammer. Der Druck in der Herzkammer steigt daher stark an. Das führt zu einer Herzschwäche und schließlich zu einem Versagen der rechten Herzkammer. Das Blut staut sich in die Leber, den Bauchraum und die Beine zurück.

Arztsuche

Behandlung einer Pulmonalstenose

Eine Pulmonalstenose kann sowohl mittels Katheterbehandlung als auch operativ behandelt werden.

Katheterbehandlung

Es erfolgt eine ausgiebige örtliche Betäubung und Desinfektion in der Leistengegend. Die Leistenvene wird dann mittels einer dünnen Kanüle punktiert, d.h. es erfolgt ein Einstich in die Arterie. Anschließend wird ein Kunststoffschlauch (so genannte Schleuse) über den eingeführten Draht in die Leistenvene eingelegt.

Unter Röntgenkontrolle wird ein Draht von der Leistenvene in Richtung Herz, d.h. mit dem Blutstrom, geführt. Der Draht wird durch die rechte Vorkammer, die rechte Herzkammer und schließlich durch die Pulmonalklappe in die Lungenschlagader geführt. Dieser Draht wird als Führungsschiene, vergleichbar mit einer Straßenbahnschiene, für den Ballonkatheter benutzt.

Über den Draht können verschiedene Ballonkatheter in die Pulmonalstenose geführt werden. Diese Ballonkatheter sind grundsätzlich mit den Ballonkathetern vergleichbar, die für die Aufdehnung von Verengungen der Herzkranzgefäße (siehe Grafik) benutzt werden. Allerdings ist ihr Durchmesser deutlich größer (ca. 12 – 14 mm).

Balloon-Tipped Catheter
Balldilatation an den Herzkranzgefäßen

Nach exakter Positionierung unter Röntgenkontrolle erfolgt die Aufdehnung des Ballons durch ein Gemisch von Kochsalzlösung und Kontrastmittel. Hierdurch wird die Engstelle geweitet und der Druckunterschied verschwindet in der Regel nahezu vollständig. Eine Gefäßstütze (Stent) kann aufgrund der engen Lage zu der Herzklappe nicht eingesetzt werden und ist in der Regel auch nicht erforderlich, um die Arterie offen zu halten.

Nach der Behandlung wird die Schleuse in der Leiste entfernt und die Punktionsstelle verschlossen. Anschließend erfolgt eine Überwachung auf der Intensivstation. Eine Kontrolle der Behandlung mit Ultraschall (von der Brust ausgeführt) ist unabdinglich.

In der Regel wird nach der Behandlung eine weitere Kontrolle nach 3 – 6 Monaten empfohlen. Diese erfolgt mittels Ultraschall. Bei einem guten Aufdehnungsergebnis ist die Behandlung abgeschlossen. Weitere Kontrollen sind allerdings lebenslang in regelmäßigen Abständen erforderlich.

Operation der Pulmonalstenose

Neben der Katheterbehandlung kann die Behandlung der Pulmonalstenose auch mittels der offenen Operation erfolgen. Die Operation stellt einen umfangreichen Eingriff dar und erfordert die Eröffnung des Brustkorbs.

Die Katheterbehandlung kann auch zur Behandlung von Wiedereinengungen nach erfolgter Operation eingesetzt werden. Eine erneute offene Operation ist in vielen Fällen risikoreicher als der erste Eingriff.

Arztsuche

Komplikationen bei der Behandlung der Pulmonalstenose

  • Schmerzen im Brust/Rückenbereich durch die Dehnung der Gefäßaußenhaut. Diese Schmerzen können auch 24 – 48 Stunden anhalten.
  • Entstehung einer Undichtigkeit der Klappe durch die Ballonaufdehnung. Dabei kann in sehr seltenen Fällen durch die Undichtigkeit ein ausgeprägter Rückfluss von Blut entstehen, sodass unter Umständen eine Operation und Ersatz der verletzten Klappe erforderlich wird.
  • Zerreißung der Lungenschlagader. Diese lebensbedrohliche Komplikation ist äußerst selten und kann eine notfallmäßige Operation erfordern.
  • Desweiteren können Komplikationen im Bereich der Leistenarterie oder Überempfindlichkeitsreaktionen gegen das Kontrastmittel ähnlich wie bei Herzkatheteruntersuchungen auftreten.

Autoren:
Dr. med. Eggebrecht
Prof. Dr. med. R. Erbel