Synkope (Kreislaufkollaps)


Die Synkope ist in der Medizin definiert als vorübergehender, selbst endender Bewusstseinsverlust infolge einer kurzzeitigen Minderversorgung des Gehirns mit Blut. Im Volksmund spricht man auch von Ohnmacht, Kreislaufkollaps, Kollaps oder plötzlicher Bewusstlosigkeit. Synkopen führen häufig zu Stürzen. Das Auftreten von Ohnmacht-Vorboten (z.B. Übelkeit, Schweißausbruch, Hitzegefühl, weiche Knie, flaues Gefühl im Bauch) ist möglich. Eine Synkope ist in der Regel nur von kurzer Dauer (weniger als 20 Sekunden).

Arztsuche

  • Etwa 40 % aller Menschen erleiden in ihrem Leben zumindest einmal eine Synkope.
  • Bis zu 50 % der Patienten ändern ihre Lebensgewohnheiten aus Angst vor erneuten Stürzen.
  • In bis zu 20 % gehen Kollapse mit Verletzungen (Verkehrsunfällen) einher.
  • Bis zu 20 % der Patienten verstirbt im Verlauf eines Jahres nach einer kardialen Synkope am plötzlichen Herztod.

Einteilung und Ursachen der Synkopen

Es ist bekannt, dass eine komplette Unterbrechung der Durchblutung des Gehirns innerhalb weniger Sekunden zum Bewusstseinsverlust führt. Da die Gehirndurchblutung von der Höhe des Blutdruckes abhängt und damit von der Pumpleistung des Herzens sowie dem Widerstand der Blutgefäße, kann jede plötzliche Verminderung der Herzleistung (z.B. durch Rhythmusstörungen) und Abfall des Gefäßwiderstandes (z.B. durch Nervenreflexe) zum Auftreten einer Ohnmacht führen.

Synkopen können auf eine von drei Hauptursachen zurückgeführt werden.

Reflexvermittelte Synkope

Bei einer reflexvermittelten Synkope kommt es durch einen Nervenreflex zu einem plötzlichen Abfall des Blutdruckes sowie zu einer Verlangsamung des Herzschlages. Das Blut sackt aus dem Kopf in die Beine. Nach wenigen Sekunden wird dem Patienten schwindelig und er stürzt nach weiteren Sekunden bewusstlos zu Boden. Ursache für den Nervenreflex sind vielfach optische Reize (z.B. beim Sehen von Blut), Schmerzen (z.B. das „Umfallen“ beim Blutabnehmen oder beim Zahnarzt), unangenehme Gerüche oder andere psychoemotionale Reize (z.B. die freudigen Erregungen bei einem Rockkonzert, aber auch das Übermitteln einer schlechten Nachricht).

Orthostatische Synkope

Zu einer orthostatischen Synkope kann es kommen, wenn man aus dem Liegen ganz schnell aufsteht. Schlagartig sackt dann das Blut ebenfalls aus dem Kopf in die Beine. Die Folge: Es steht für das Gehirn nicht genügend Blut zur Verfügung. Dem Patienten wird „Schwarz-vor-den-Augen“. Wenn man sich dann nicht ganz schnell wieder hinsetzt oder besser noch hinlegt, fällt man bewusstlos um. Bei einer orthostatischen Synkope kommt es zu einem Versacken des Blutes in die Beine nicht wie bei der reflexvermittelten Synkope durch einen Nervenreflex, sondern durch eine zu niedrige Spannung in den Beingefäßen (niedriger Gefäßtonus) sowie ein niedriges Blutvolumen. Zu letzterem kommt es z.B., wenn es nach einer Krankheit infolge von Durchfall oder Fieber zu größerem Flüssigkeitsverlust gekommen ist. Medikamente (z.B. Blutdruckmittel und bestimmte Herzmittel) wiederum können die Gefäßspannung herabsetzen.

Kardiale Synkope

Bei einer kardialen Synkope handelt es sich um eine Ohnmacht, die vor allem durch plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen auftritt. Es ist gut nachvollziehbar, dass der Blutkreislauf zusammenbricht, wenn das Herz entweder stehen bleibt oder so schnell rast, dass es sich nicht mehr ausreichend ausdehnen und zusammenziehen kann. Die Folge: Das Blut hört auf zu fließen. Nach wenigen Sekunden tritt die Bewusstlosigkeit ein. Die Dauer der Bewusstlosigkeit wird bestimmt durch die Dauer des Herzstillstandes bzw. des Herzrasens.

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Diagnostik der Synkope

Patienten suchen den Arzt in aller Regel nicht mit der Diagnose „Synkope“ auf, sondern berichten z.B. „dass sie umgefallen seien“. Es ist daher zunächst zu klären, ob der Patient überhaupt bewusstlos war oder ob er nur aufgrund einer „Gangunsicherheit“ gestürzt oder auch nur gestolpert ist. Kann angenommen werden, dass er – wenn auch nur für Sekunden – bewusstlos war, ist als nächstes zu klären, ob es sich dabei um eine Synkope (Kreislaufkollaps) oder eine andere Form einer Bewusstseinsstörung handelt (z.B. Epileptischer Anfall).

Anamnese

Das mit Abstand wichtigste „diagnostische Werkzeug“ zur Abklärung eines Kreislaufkollapses ist die Anamnese (das Befragen eines Patienten). Ärzten, die sich viele Jahre mit Patienten beschäftigt haben, gelingt es allein über die Anamnese bei bis zu 50 % aller Patienten eine genaue Diagnose zu stellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Zusatzuntersuchungen, die helfen, eine Diagnose zu sichern.

Echokardiographie

Im Langzeit-EKG können Rhythmusstörungen entdeckt werden. Mit dem Ruhe-EKG und der Echokardiographie findet man Zeichen einer Herzerkrankung, die den Verdacht auf kardiale Synkopen bestätigen. Ein positiver sog. Schellong-Test (Blutdruck- und Pulsmessung im Liegen und im Stehen) spricht für eine orthostatische Synkope. Und schließlich kann durch eine Kipptischuntersuchung eine reflexvermittelte Synkope ausgelöst werden. Trotz dieser Möglichkeiten bleibt die Abklärung eines Kreislaufkollapses schwierig. Bei bis zu 30 % aller Patienten wird die Diagnose trotz dieser Maßnahmen nicht gefunden.

Um hier Abhilfe zu schaffen, wird in jüngerer Zeit, vor allem bei Verdacht auf eine kardiale Synkope ein sog. „Dauer-EKG-Rekorder“ eingepflanzt. Es handelt sich dabei um ein 61 x 19 x 8 mm großes Gerät (so groß etwa wie ein USB-Stick), dass in die linke Brustseite mit örtlicher Betäubung direkt unter die Haut eingesetzt wird. In das Gerät ist ein Datenspeicher integriert, der ein EKG bis zu 36 Monate aufzeichnen kann. Wenn es dann zu einer Synkope gekommen ist, kann mit einem speziellen Auslesegerät das gespeicherte EKG ausgelesen werden. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass es Sinn macht, insbesondere bei Patienten mit vermuteten kardialen Synkopen schon frühzeitig solche Dauer-EKG-Rekorder einzusetzen, da dadurch auf viele teure und selten zum Ziel führende Untersuchungsprozeduren verzichtet werden kann.

Registrierung eines Herzstillstandes (26 sec.) über einen Dauer-EKG-Rekorder
Registrierung eines Herzstillstandes (26 sec.) über einen Dauer-EKG-Rekorder

 

Registrierung eines Herzrasens (27 sec.) über einen Dauer-EKG-Rekorder. Das Herz schlägt über 27 Sekunden 240 mal pro Minute
Registrierung eines Herzrasens (27 sec.) über einen Dauer-EKG-Rekorder. Das Herz schlägt über 27 Sekunden 240 Mal pro Minute

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Kreislaufkollaps

Für die Therapie einer Synkope gilt, dass vorher die Diagnose „auf sicheren Beinen“ stehen muss, da ein Nichterkennen z.B. einer kardialen Synkope für den Patienten tödliche Folgen haben kann.

Therapie der reflexvermittelten Synkope

Im Vordergrund der Therapie der reflexvermittelten Synkope stehen Vermeidungsstrategien. D.h.: Wenn man als Patient weiß, dass man bei einer Blutentnahme „schnell umfällt“, lässt man sich das Blut im Liegen abnehmen. Jugendliche, die auf Rockkonzerten in den vorderen Reihen vor Aufregung ohnmächtig werden, empfiehlt man, alles etwas gelassener zu nehmen oder auch ein solches Konzert zu meiden. Da bei vielen Patienten sich die Bewusstlosigkeit einige Sekunden vorher ankündigt (Leere im Kopf, weiche Knie, „komisches“ Gefühl im Bauch), sollen sie sich sofort hinsetzen oder besser noch hinlegen, wenn sie etwas spüren.

Kann man sich (z.B. beim dichtgedrängten Stehen in der Menge) nicht hinlegen, kann durch kräftige Muskelanspannung die Bewusstlosigkeit vermieden werden. Dazu werden die Beine übereinander gekreuzt und die Finger beider Hände ineinander verhakt. Dann werden mit großer Kraft die Arme auseinandergezogen und gleichzeitig die Bein- und Beckenmuskulatur kräftig angespannt. Mit dieser Maßnahme wird der Blutdruck kurzzeitig angehoben und damit die Durchblutung des Gehirns schlagartig verbessert.

Therapie der orthostatischen Synkope

Auch zur Verhinderung einer orthostatischen Synkope kommen Vermeidungsstrategien zum Einsatz. Bevor man plötzlich aufsteht, bleibt man zunächst einige Zeit an der Bettkante sitzen und erhöht den Blutdruck durch tiefes Ein- und Ausatmen sowie durch langsames Kreisen der Beine. Werden z.B. Blutdruck-Tabletten für die Ohnmachten verantwortlich gemacht, sollte unbedingt mit dem Arzt darüber gesprochen werden, ob man diese nicht absetzen oder zumindest reduzieren kann.

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Bei älteren Menschen wiederum können elastische Strümpfe die Spannung der Blutgefäße in den Beinen verbessern. Ebenso ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Vorsorge zu achten. Und schließlich kann eine Anreicherung der Speisen mit Salz das Auftreten von orthostatischen Synkopen verhindern.

Therapie der kardialen Synkope

Tritt die Bewusstlosigkeit durch einen plötzlichen Herzstillstand auf, ist ein Herzschrittmacher die Therapie der Wahl. Führt dagegen Herzrasen zum Kreislaufkollaps, wird dem Patienten ein Defibrillator (kurz „Defi“ genannt) eingesetzt. Dieses Gerät ist etwas größer als ein Herzschrittmacher und wird mit der gleichen Operationstechnik eingesetzt. Wenn es dann zu einem plötzlichen Herzrasen kommt, gibt der Defibrillator automatisch einen kräftigen Stromstoß (Schock) und beendet damit das Herzrasen.

In einigen Fällen wird heute das Herzrasen, das zur Bewusstlosigkeit führt, auch durch eine Katheterablation (Verödung) behandelt. Dazu führt man einen Katheter (dünnes biegsames Kabel) über ein Blutgefäß (in der Leiste) in das Herz ein und sucht dann, gestützt durch eine spezielle Computertechnik, den Ort im Herzen auf, wo das Herzrasen seinen Ursprung hat. Dann gibt man durch den Katheter einen Hochfrequenzstrom, der die Spitze des Katheters auf 50 bis 60 Grad Celsius erwärmt. Dadurch wird der Ursprungsort des Herzrasens beseitigt (verödet).

Autor:
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen