Falsche Medikation bei Frauen: Normalfall statt Ausnahme!

“Männer sind anders – Frauen auch” – dieser Ausspruch bezieht sich in der Regel auf die unterschiedliche Denkweisen der beiden Geschlechter. Doch er passt auch ausgezeichnet auf medizinische Themen. Der weibliche und männliche Hormonhaushalt weicht deutlich voneinander ab, und bei Frauen wird er zusätzlich durch den Menstruationszyklus, Schwangerschaften und die Wechseljahre beeinflusst.

Wichtige Unterschiede aus medizinischer Sicht!

Auch kleine, aber feine Unterschiede in der Anatomie des Körpers bewirken, dass Stoffe unterschiedlich absorbiert, weiterverteilt und umgewandelt werden. Dass ein weiblicher Körper demnach anders auf Stoffe reagieren kann, die ihm zugeführt werden, ist schon länger bekannt. Dieses medizinische Spezialgebiet, die Geschlechtsspezifische Medizin (Gender Medicine), ist noch recht jung, sie kam erst um die Jahrtausendwende auf.

Doch die empfohlene Medikation, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Medikamenten, unterscheidet noch immer nicht zwischen Frauen und Männern. Die angegebenen Empfehlungen basieren auf Studien, die überwiegend an Männern mittleren Alters durchgeführt wurden. Nach einer Studie der Europäischen Herzkommission, die sich speziell mit den Unterschieden der Geschlechter bei den Effekten von Herz-Kreislauf-Medikamenten befasste, treten bei Frauen öfter unerwünschte Nebenwirkungen auf. Und diese zeigten zudem schwerwiegendere Effekte, die oft mit einer Einlieferung ins Krankenhaus einhergingen.

Medikation bei Männern und FrauenDie angesprochene Studie weist nun deutlich auf die Gefahr einer Über- oder Untermedikation von Frauen bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Weiteres Forschungsfeld der Gender Medicine ist etwa, dass Herzinfarkte bei Frauen seltener entdeckt und danach weniger effektiv behandelt werden. Dadurch enden sie für Frauen häufiger tödlich als bei Männern.


von Debora Pape. 04.07.2017


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