Aortenklappenrekonstruktion


Die Aortenklappenrekonstruktion ist ein chirurgischer Eingriff zur Behebung einer Funktionseinschränkung der Aortenklappe, die sogenannte Aortenklappeninsuffizienz. Sie ist an spezialisierten Zentren Standard und weist – bei entsprechender Erfahrung der Behandlungsteams – eine besonders lange Haltbarkeit (oft lebenslang) und Verträglichkeit auf. Auch auf blutverdünnende Medikamente kann verzichtet werden. Ziel ist, eine verbesserte Lebenserwartung und gute Lebensqualität der betroffenen Patienten zu erreichen und für weitgehende Symptomfreiheit zu sorgen.

Funktion und Funktionsbeeinträchtigungen der Aortenklappe

Die Aortenklappe ist eine von insgesamt zwei Taschenklappen unseres Herzens. Sie verhindert den Rückfluss des Blutes von der Aorta (Körperschlagader) in die linke Herzkammer während der Diastole (Entspannungsphase des Herzmuskels). Die andere Taschenklappe ist die Pulmonalklappe als Ventil zur Pulmonalarterie (Lungenschlagader). Neben den beiden Taschenklappen oder Semilunarklappen existieren noch zwei weitere Herzklappen, die sogenannten Segelklappen oder Atrioventrikularklappen.

Anatomie des Herzens
Das Herz mit seinen Herzkammern und vier Herzklappen

Eine ungehinderte Ventilfunktion der Herzklappen sorgt dafür, dass das Herz seine normale Pumpleistung aufrecht erhalten kann. Ist diese Funktion gestört, kommt es zu einer unvollständigen Füllung der Ventrikel (Herzkammern) oder einer nicht ausreichenden Auswurfleistung. Obwohl Funktionsstörungen der Herzklappen recht häufig vorkommen, verursachen sie in vielen Fällen keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt. Kommt es zu Einschränkungen der Herzfunktion, äußern sich diese je nach Schweregrad und Lokalisation auf unterschiedliche Art und Weise.

 


Professor Schäfers gilt unter Kollegen als einer der führenden Spezialisten auf diesem Gebiet. Grund: Er hat die meisten Studiendaten und Operationsergebnisse bei der Rekonstruktion von Aortenklappen veröffentlicht. Bis heute waren es 2.500 Eingriffe.

Hans-Joachim Schäfers


Mögliche Symptome bei einem Herzklappenfehler

  • ein beschleunigter Puls
  • Dyspnoe (Kurzatmigkeit), vor allem bei körperlicher Belastung
  • Angina Pectoris, Herzrhythmusstörungen
  • rasche Ermüdbarkeit
  • Schwindel

Je nach Art der Beeinträchtigung spricht man entweder von einer Aortenstenose (Verengung der Aortenklappe) oder einer Aortenklappeninsuffizienz (erweiterte Aortenklappe). Ursache für eine Aortenklappenstenose ist im höheren Alter meist eine Verkalkung, jüngere Patienten leiden dagegen häufiger unter einer angeborenen Form der Erkrankung. Verkalkung und Erweiterung der Aortenklappe können auch gleichzeitig als kombiniertes Aortenklappenvitium auftreten.

Aortenklappeninsuffizienz
Aortenklappeninsuffizienz mit erweiterter (dilatierter) Aortenklappe

Bei der Aortenklappeninsuffizienz handelt es sich in der Gesamtheit der Fälle nur sehr selten um eine angeborene Funktionsstörung. Viel häufiger ist ein sogenanntes Aortenaneurysma dafür verantwortlich. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der Hauptschlagader, meist im Bereich der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens), die zu einem „Auseinanderziehen” der Aortenklappe führt. Auch Infektionen kommen als Auslöser für eine Aortenklappeninsuffizienz in Frage.

Aortenklappenrekonstruktion – wann ist sie sinnvoll und möglich?

Ob eine chirurgische Rekonstruktion einer geschädigten Aortenklappe möglich ist, entscheidet der Arzt nach Begutachtung der vorliegenden Befunde und eventuell bestehender Zusatzerkrankungen.

Die wichtigsten Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für eine herzchirurgische Operation sind eine starke Verkalkung der Aortenklappe oder eine erworbene Aortenklappenstenose – in diesen Fällen ist eine ausreichende Remodellierung des geschädigten Gewebes nicht möglich. Als Alternative besteht aber die Möglichkeit, die geschädigte Herzklappe bei einer Aortenklappenimplantation durch eine mechanische oder biologische Prothese zu ersetzen.

Aortenklappenstenose
Bei starker Verkalkung und Verengung (Stenose) kann die Aortenklappe nicht mehr rekonstruiert werden

In den anderen beschriebenen Fällen stellt die Aortenklappenrekonstruktion eine gute Alternative zum Setzen einer künstlichen Herzklappe dar. Der Vorteil für den Patienten liegt vor allem darin, dass im Gegensatz zum Klappenersatz keine blutverdünnende Therapie nach der Operation notwendig ist. Nebenwirkungen, die bei biologischen und mechanischen Herzklappen auftreten können – wie die Bildung von Blutgerinnseln oder Entzündungen – entfallen bei der Aortenrekonstruktion weitgehend. Außerdem wird die lebenslang notwendige Antikoagulation durch gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar von vielen Betroffenen als belastend empfunden. Bei biologischen Klappen besteht zusätzlich das Problem einer eingeschränkten Haltbarkeit.

Aortenklappenrekonstruktion – die unterschiedlichen Verfahren

Ist die Entscheidung für eine Aortenklappenrekonstruktion getroffen, wird Ihr behandelnder Arzt Sie zunächst ausführlich über die zur Verfügung stehenden Behandlungskonzepte und Operationstechniken der Herzchirurgie aufklären. Dabei bespricht er auch mögliche Risiken dieser Verfahren und beantwortet aufkommende Fragen.

Je nach Ursache der Funktionsbeeinträchtigung stehen unterschiedliche Rekonstruktionskonzepte zur Verfügung:

Bei Aortenklappeninsuffizienz richtet sich das Operationsverfahren nach der Art der Fehlbildung der Klappe. Normalerweise ist die Aortenklappe trikuspid, sie besteht also aus drei Anteilen.

Bei bikuspider Klappe – einer Verschmelzung zweier Taschen der Aortenklappe von Geburt an – kommt es auch zu einer Erweiterung der großen Körperschlagader, der aufsteigenden Aorta. Das ist manchmal auch der Fall, wenn die Herzklappe normal angelegt ist. Der Arzt vermisst in solchen Fällen zunächst die Klappe und vernäht überschüssiges Gewebe. Manchmal ist es zusätzlich notwendig, den Aortenklappenring zu reduzieren und zu straffen.

Bei einer angeborenen Aortenklappenstenose liegt meist eine verwachsene, unikuspide Klappe vor. Während der Operation trennt der Arzt die verwachsenen Anteile und stellt eine wieder funktionsfähige bi- oder trikuspide Klappe her.

Ist ein Aneurysma Ursache der Aortenklappeninsuffizienz, stellt der Arzt zunächst die Größe und genaue Lokalisation fest. Eine sehr starke Ausdehnung ist gefährlich, weil sie eine Ruptur (Platzen) oder eine Dissektion (Auffaserung) der Aortenwand zur Folge haben kann. Zur chirurgischen Therapie eines Aneurysma der Aorta ascendens gibt es zwei bewährte Verfahren:

Verfahren nach David

Beim Verfahren nach David entfernt der Chirurg alle Anteile der Aortenwand bis auf die Klappen- und Ringanteile. Anschließend setzt er eine exakt zurechtgeschnittene Rohrprothese über die Klappe und stabilisiert den Klappenring per Naht.

Aortenklappenrekonstruktion
Rekonstruktion der Aortenklappe mit Rohrprothese – die Aortenklappe kann unterschiedlich verstärkt werden

Verfahren nach Yacoub

Beim Verfahren nach Yacoub schafft der Herzchirurg mittels Rohrprothese eine künstliche Verbindung (Anastomose) zur Herzklappe und verstärkt den Klappenring mit Teflonstreifen.

Ist eine Aortenklappenrekonstruktion auch bei Kindern möglich?

Auch sehr kleine Patienten kommen für eine operative Rekonstruktion der Aortenklappe in Frage, wenn keine Ausschlussdiagnosen vorliegen. Die Entscheidung trifft der Kinderarzt nach Symptomatik und – ähnlich wie bei erwachsenen Patienten – nach der Schwere der Aortenklappeninsuffizienz. Falls die Aortenwurzel stark dilatiert (erweitert) ist, ist ein chirurgischer Eingriff immer notwendig. Die Verfahrenstechniken entsprechen im Prinzip jenen für Erwachsene.

Sport nach einer Aortenklappenrekonstruktion

Nach jedem chirurgischen Eingriff ist zunächst einmal ausreichende Schonung wichtig. In der ersten Zeit nach der OP ist Überanstrengung dem Heilungserfolg abträglich. Sobald Sie alle notwendigen Nachuntersuchungen hinter sich gebracht haben und ihr Arzt grünes Licht gibt, ist sportliche Betätigung wieder möglich und erwünscht.

Nach der OP: Darauf sollten Sie achten

Die Genesungsphase nach Operationen am Herzen ist von Patient zu Patient unterschiedlich und von vielen individuellen Faktoren abhängig. Alter, Vorerkrankungen, allgemeiner Gesundheitszustand und Fitness spielen dabei eine Rolle. Bei den Nachsorgeterminen kurz nach der OP und in regelmäßigen Abständen danach wird Ihr Arzt Möglichkeiten der Nachbehandlung und eines eventuellen Reha-Aufenthaltes mit Ihnen besprechen.

 

Auf einen Blick: Die Aortenklappenrekonstruktion stellt in einigen Fällen eine gute, nebenwirkungsarme chirurgische Alternative zu einem Herzklappenersatz dar. Eine dauerhafte gerinnungshemmende Therapie ist meist nicht notwendig.

 


Univ.-Prof. Dr. Schäfers – Ein sehr erfahrener Herzspezialist

Hans-Joachim SchäfersProfessor Schäfers rekonstruiert seit fast 30 Jahren Aortenklappen und hat bislang sehr gute Erfahrungen bei etwa 2.500 dieser Eingriffe sammeln können, die Technik zum Wohle der Patienten ständig verbessert. All diese Operationen sind in wissenschaftliche Begleitprogramme eingeflossen, um die hohe Qualität dieser Methode transparent zu dokumentieren. Das heißt: Jeder kann die Erfolge nachvollziehen. In der ganzen Medizinwelt. Professor Schäfers wird daher regelmäßig überall auf der Welt zu Vorträgen zu diesem Thema eingeladen. Er gilt unter Kollegen als einer der global führenden Spezialisten. Weitere Veröffentlichungen stehen an.

Auf cardio.guide ist Prof. Schäfers außerdem als medizinischer Berater tätig. Möchten Sie mehr über den Experten erfahren? Besuchen Sie sein Profil – hier können Sie auch direkt kostenlos mit ihm in Verbindung treten.