Arterielle Switch-Operation | Verfahren, Ablauf und Risiken

Arterielle Switch-Operation

Das heutzutage bei der angeborenen Herz-Fehbildung der Transposition der großen Arterien am meisten angewandte Operationsverfahren ist die arterielle Switch-Operation. Sie wird in den ersten Lebenstagen oder -wochen durchgeführt.

Hintergrundinformationen zur Transposition der großen Arterien

Die Transposition der großen Arterien ist eine angeborene Fehlbildung, bei der die Hauptschlagader (Aorta) mit dem rechten und die Lungenarterie mit dem linken Ventrikel des Herzens verbunden ist. Dadurch entstehen statt eines hintereinandergeschalteten großen und kleinen Blutkreislaufs zwei separate Blutkreisläufe. Bei einem gesunden Herzen sind die großen Arterien genau umgekehrt an das Herz angebunden, so dass die beiden Herz-Kreisläufe nacheinander ablaufen können.

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Funktion eines gesunden Herzens. Die Aorta ist die Schlagader, die das sauerstoffreiche Blut in den Körper führt, rechts darunter liegt die Lungenschlagader

Diese kardiale Fehlbildung ist ductusabhängig, das heißt, dass ohne Intervention das Kind in der Regel innerhalb weniger Tage oder Stunden versterben würde. Selten überleben Neugeborene mehrere Wochen ohne Eingriff.

Häufig liegen neben dieser Fehlbildung noch weitere Missbildungen vor, wie beispielsweise ein Vorhofseptumdefekt oder ein offener Ductus arteriosus Botalli. Das ist in diesem Fall von Vorteil, da dadurch immerhin teilweise ein normaler Blutaustausch möglich ist.

Untersuchungen vor der arteriellen Switch-Operation

Die Diagnose einer Transposition der großen Arterien erfolgt durch die Echokardiographie mittels Ultraschall, meistens sogar schon vor der Geburt (pränatal). Nach der Geburt wird der Ductus arteriosus Botalli dann mittels eines Medikaments (Prostaglandin) offen gehalten, so dass das Kind überleben und man die OP planen kann.

Ablauf der arteriellen Switch-Operation

Die arterielle Switch-Operation wird seit Mitte der 70er-Jahre durchgeführt. Üblicherweise erfolgt die Operation in den ersten Lebenstagen oder -wochen. Der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist dabei zwingend erforderlich. Die Maschine übernimmt für die Dauer der Operation die Funktionen von Herz und Lunge, so dass der Eingriff am nichtschlagenden Herzen durchgeführt werden kann.

Kurz oberhalb der Herzklappen werden Aorta und Lungenschlagader abgetrennt und vertauscht wieder angenäht, wobei die Aorta jetzt unterhalb der Pulmonalis-Bifurkation liegt. Sehr wichtig ist, dass auch die Herzkranzgefäße mit verpflanzt werden. Weil diese sehr klein sind, nimmt man immer etwas eigenes Gewebe von der Wand ab, so dass es danach zu keiner Einengung kommt. Eventuelle andere Fehlbildungen werden im gleichen Zeitraum korrigiert.

Nach der Korrektur fließt das Blut wieder in anatomisch richtigem Verlauf, das heißt die linke Kammer pumpt in die Aorta, die rechte Kammer wieder in die Lungenarterien.

Wichtig für die Zukunft ist, dass die neue Aortenklappe eigentlich die anatomische Pulmonalklappe ist, und umgekehrt die neue Pulmonalklappe die ursprüngliche Aortenklappe.

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Oben sind die falsch verwachsenen großen Arterien dargestellt, unten der Zustand nach der arteriellen Switch-Operation

Frühere Operationsverfahren beinhalteten eine künstliche Umleitung des venösen Blutes (Mustard und Senning procedure). Mittlerweile wissen wir, dass es als Langzeitergebnis bei diesen Verfahren zu Herzrhythmusstörungen kommen und die Trikuspidalklappe undicht werden kann. Außerdem wurden die großen Arterien nicht getauscht, so dass die rechte Kammer in den Körperkreislauf pumpt und die linke Kammer in die Lungenarterie. Diese Verfahren werden nur noch in sehr seltenen Fällen durchgeführt.

Resultate nach der arteriellen Switch-Operation

Mittlerweile haben sich die Resultate enorm gebessert. Bei einer “einfachen”, durch die arterielle Switch-Operation behobene Transposition ist die Sterblichkeit heutzutage sehr gering (< 1 %). Wenn zusätzlich weitere Fehlbildungen am Herzen korrigiert werden müssen, liegt die Sterblichkeitsrate bei < 5 %.

Langzeitergebnisse zeigen, dass die Kinder sich in der Regel ganz normal entwickeln. Studien zeigten, dass die Koronargefäße mitwachsen und nicht zu Re-Operationen führen. Obwohl, wie vorher beschrieben, die Klappe nicht mitwechselt, führt das nicht zu Problemen in der Folge. Sehr selten (in 2-5 %) treten Aortenklappeninsuffizienzen auf, die zu einem Klappenersatz führen. Die neurologische Entwicklung ist auch viel besser geworden, nachdem in den meisten Fällen kein totaler Kreislaufstillstand mehr stattfindet.

Autoren:
Prof. Dr. med. Gerardus Bennink
Dr. med. Axel Kröner

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