Bluthochdruck-Behandlung | Erklärungen zu den Medikamenten

Bluthochdruck-Behandlung

Grundlage einer medikamentösen Bluthochdruck-Behandlung sind allgemeine Maßnahmen zur Senkung eines hohen Blutdrucks im weiteren Vorfeld. Dazu gehören Gewichtsnormalisierung, dynamisches Ausdauertraining (mindestens dreimal pro Woche für mehr als 30 Minuten), salzarme und mediterrane Kost, Einstellen des Rauchens, Reduktion des Alkoholkonsums und Stressbewältigung.

Blausen 0092 BloodPressureFlow
Oben: Normales Blutgefäß. Unten ein verengtes Blutgefäß: Bei gleicher Blutmenge wird höherer Druck auf die Gefäße ausgeübt, um das Blut hindurchzufördern

Indikation zur Arzneimitteltherapie

Bei Versagen der nicht-medikamentösen Bluthochdruck-senkenden Maßnahmen, bei Patienten mit schwerer oder maligner Hypertonie (Abbildung 1), sowie bei Patienten mit hohem oder sehr hohem Risiko besteht stets die Indikation zur Arzneimitteltherapie.

Bluthochdruck-Behandlung1

Strategien der medikamenten Bluthochdruck-Behandlung

Die medikamentöse Therapie der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) sollte abhängig von Schweregrad der Hypertonie, individuellem Risiko und Therapieerfolg durch die Arzneimittel nach einem Stufenschema erfolgen (Abbildung 3).

Bluthochdruck-Behandlung3

Auswahl und Einnahme der Medikamente

Die Auswahl der Substanz (Abbildung 2) ist abhängig von den individuellen Begleitkrankheiten des Patienten.

Prinzipiell kann mit einer niedrigen Dosis eines Therapeutikums als Monotherapie begonnen werden. Es sollte ein Medikament mit einer langen Wirkzeit einmal täglich morgens bevorzugt werden. Dies führt zu einer gleichmäßigeren Blutdrucksenkung.Bei unzureichender Blutdruckeinstellung oder erhöhten nächtlichen Blutdruckwerten muss oft auch eine abendliche Dosis eingesetzt werden.

Zu Beginn der antihypertensiven Therapie können, obwohl dabei keine zu niedrigen Blutdruckwerte vorliegen, Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Unwohlsein oder Schwindel auftreten, die sich innerhalb der ersten Wochen legen. Eine Unterbrechung der Therapie oder Dosisreduktion kann gefährlich sein, insbesondere bei der Verwendung von Substanzen mit kurzer Wirkdauer. Von ärztlicher Seite sollten in dieser Phase zu niedrige Blutdruckwerte bzw. eine zu niedrige Herzfrequenz ausgeschlossen werden.

Bluthochdruck-Behandlung2

Wird bei adäquater Dosis eines Einzelpräparates nur eine unzureichende Blutdrucksenkung erreicht, ist zunächst ein Wechsel auf ein Präparat einer anderen Substanzgruppe als Monotherapeutikum sinnvoll. Bei sehr hohen Blutdruckwerten oder bei Vorliegen bestimmter Nebenerkrankungen (Herz- oder Niereninsuffizienz) kann auch schon initial eine Kombinationstherapie eingesetzt werden. (Abbildung 3).

Ansonsten ist eine Kombinationstherapie indiziert, wenn unter ausgereizter Monotherapie nur Blutdruckwerte > 140/90 mmHg erreicht werden können. Es wird zunächst eine Zweifachkombination eingesetzt, bei weiterbestehenden hypertonen Blutdruckwerten eine Dreifachkombination.

Bei Therapieresistenz trotz antihypertensiver Dreifachtherapie ist zum Teil auch der Einsatz von mehr als drei Substanzen in Kombination zur Blutdrucksenkung nötig. Eine echte Therapieresistenz liegt nur in ca. 2-5% der Fälle vor, meistens bei sekundären Hochdruckursachen, die einer ursächlichen Behandlung schwer zugänglich sind, wie z.B. bei renaler Hypertonie.

Vor allem bei schlecht therapierbarer Hypertonie sind sekundäre Ursachen wie Nierenarterienstenose, renale Schädigung oder hormonelle Ursachen zu bedenken. Der behandelnde Arzt ist bei jeder medikamentösen Bluthochdruck-Behandlung auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen.

Diuretika (“Wassertabletten“) zur Bluthochdruck-Behandlung

Diuretika sind insbesondere bei der Monotherapie, aber auch als Partner in der Kombinationstherapie Antihypertensiva der 1. Wahl. Ideale Kombinationspartner der Diuretika sind ACE-Hemmer und Betarezeptorenblocker.

Es kommen insbesondere Thiazid-Diuretika zum Einsatz. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin > 2 mg/dl) sind Schleifendiuretika indiziert. Besondere Indikationen sind Herzinsuffizienz und Niereninsuffizienz. Unerwünschte Wirkungen wie Hypokaliämie und Thrombosegefahr bei Exsikkose sind bei niedrigen Dosierungen vermindert. Auf eine Steigerung von Lipid-, Harnsäure- und Blutzuckerspiegel muss geachtet werden.

Betarezeptorenblocker zur Bluthochdruck-Behandlung

Betarezeptorenblocker gehören ebenfalls zu den gebräuchlichsten Antihypertensiva, da sie das Risiko der Erkrankung an Herz-Kreislauf-Problemen oder des Todes an ebendiesen effektiv senken.

Heute werden überwiegend kardioselektive ß1-Blocker verwendet. Besondere Indikationen für Betarezeptorenblocker sind koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Unerwünschte Wirkungen umfassen u.a. Bradykardien (langsamer Puls), Verzögerung der AV-Überleitung, Bronchokonstriktion und Vasokonstriktion. Eine potentielle diabetogene Wirkung und die Verminderung von hypoglykämischen Warnsymptomen bei der Verwendung nicht-selektiver Betarezeptorenblocker ist von untergeordneter Bedeutung. Betarezeptorenblocker dürfen nur mit Kalziumantagonisten vom Dihydropyridintyp, nicht aber mit Verapamil oder Diltiazem kombiniert werden.

ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten

ACE-Hemmer gelten neben Diuretika und Betarezeptorenblockern als Antihypertensiva der 1. Wahl. Sie sind diesen in Bezug auf die Reduktion des Risikos an Erkrankung oder Tod durch Herz-Kreislaufproblemen nicht überlegen, haben jedoch eine überragende Bedeutung bei der Behandlung und Prävention der Herzinsuffizienz und auch bei der Prävention der Atherosklerose. Insbesondere Diabetiker profitieren von der Behandlung mit ACE-Hemmern.

Neben der Herzinsuffizienz und dem Zustand nach Herzinfarkt stellt die Niereninsuffizienz aufgrund der nachgewiesenen nephroprotektiven Wirkungen der ACE-Hemmer eine spezielle Indikation für diese Substanzgruppe dar. Unerwünschte Wirkungen umfassen Hyperkaliämie (v.a. bei Kombination mit kaliumsparenden Diuretika), Angioödem, Reizhusten, Nierenfunktionseinschränkung und Hypotonie (insbesondere bei Hypovolämie und Hyponatriämie). Bei hochgradigen Aorten- und Mitralklappenstenosen sowie beidseitigen Nierenarterienstenosen sind ACE-Hemmer kontraindiziert.

AT-1-Rezeptor-Antagonisten spielen in der Therapie der arteriellen Hypertonie vor allem bei gleichzeitiger Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) oder Linksherzhypertrophie (vergrößertes Herz) und als Alternativsubstanzen bei Unverträglichkeit von ACE-Hemmern eine Rolle. AT-1-Rezeptor-Antagonisten werden von der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes ebenfalls als Medikamente der 1. Wahl zur Behandlung der arteriellen Hypertonie empfohlen. Die unerwünschten Wirkungen entsprechen weitgehend denen der ACE-Hemmer mit Ausnahme des Reizhustens und der Angioödeme.

Kalziumantagonisten zur medikamentösen Bluthochdruck-Behandlung

Kalziumantagonisten gehören wegen ihrer effektiven blutdrucksenkenden und antianginösen Wirkung und der Stoffwechselneutralität zu häufig verordneten Antihypertensiva.

Zwar zeigten Kalziumantagonisten keinen Therapievorteil gegenüber Betablockern und ACE-Hemmern/AT-1-Rezeptor-Antagonisten bei der Beeinflussung der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität und sind diesen Substanzen bezüglich einer Beeinflussung einer begleitenden Herzinsuffizienztherapie unterlegen.

Vorteile scheinen in Bezug auf eine Verminderung des Schlaganfallrisikos vorzuliegen. Kalziumantagonisten sollten bei Patienten mit arterieller Hypertonie und begleitender Herzinsuffizienz vermieden werden. Substanzen aus der Klasse der Dihydropyridine sollten bevorzugt werden. Kurz wirksame Substanzen wie nicht-retardiertes Nifedipin sind mit einem erhöhten kardialen Risiko und einer Übersterblichkeit bei Patienten mit instabiler Angina pectoris und akutem Herzinfarkt assoziiert, so dass bei diesen Indikationen eine Kontraindikation besteht.

Eine spezielle Indikation für langwirksame Kalziumantagonisten liegt für Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie vor. Hier konnte ein Therapievorteil dieser Substanzgruppe nachgewiesen werden.

Unerwünschte Wirkungen umfassen u.a. Bradykardien (Verapamil, Diltiazem), Flush, Kopfschmerzen und Tachykardien bei sympathikotoner Gegenregulation (Dihydropyridine).

Alpharezeptorenblocker, Antisympathikotonika und direkte Vasodilatatoren

Diese Substanzgruppen sind Mittel der Reserve bei behandlungsrefraktärer Hypertonie. Sie sollten nur als Kombinationstherapie angewendet werden. Für die meisten dieser Reserve-Substanzen fehlt ein Nachweis für eine Senkung der Sterblichkeit als Monotherapie, zum Teil können diese Substanzen auch zu vermehrten kardiovaskulären Ereignissen führen.

Die speziellen Indikationen der einzelnen Substanzgruppen machen deutlich, dass bei jedem Patienten individuell differentialtherapeutische Überlegungen bei der Auswahl der geeigneten Substanz vorgenommen werden müssen.

Ziel der Bluthochdruck-Behandlung

Ziel der Hypertoniebehandlung ist die Verminderung kardio- und zerebrovaskulärer Erkrankungen bzw. Ereignisse und deren Sterblichkeit.

Die Therapieindikation richtet sich nicht nur nach der Höhe des Blutdrucks, sondern vielmehr nach dem individuellen kardiovaskulären Gesamtrisiko. Dies gilt uneingeschränkt auch für ältere Patienten. Durch nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen soll ein Blutdruck von unter 140/90 mmHg, bei Diabetikern unter 130/80 mmHg erreicht werden.

Diuretika, Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer, AT-1-Rezeptor-Antagonisten und Kalziumantagonisten gelten als Therapeutika der 1. Wahl in der Therapie der arteriellen Hypertonie. Die medikamentöse Hypertoniebehandlung folgt einem Stufenschema, wobei differentialtherapeutische Überlegungen bei der Auswahl der einzelnen Substanzen eine wichtige Rolle spielen.

Autoren:
Florian Straube
Dr. med. S. Wassmann

Diese Website benutzen Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren
Experten finden   ▷
nothing