Bypass-OP | Wann ist sie notwendig? Was sind die Risiken?

Bypass-OP

Die aortokoronare Bypass-OP ist die häufigste Herzoperation in der westlichen Welt. In der Bundesrepublik Deutschland leiden ca. eine Million Menschen an der koronaren Herzkrankheit, die eine Verengung der Herzkranzgefäße darstellt. Grund für diese Verengung ist eine Stoffwechselerkrankung der Herzkranzgefäße, die dann Einlagerungen in die Gefäßwand zur Folge hat (Arteriosklerose). Der Altersgipfel der Erkrankung liegt bei ca. 50 – 60 Jahren, Männer sind ca. 2 – 3 mal häufiger betroffen als Frauen. Zu den Risikofaktoren gehören Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Herzkrankheit in der Familiengeschichte.

Durch die Verengungen kann der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden, was zu einer typischen Beschwerdesymptomatik mit Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris) und Atemnot führt. Diese Symptome können den Patienten in seiner Lebensqualität und seiner Leistungsfähigkeit teilweise stark einschränken. Bei einem plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes kann es zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt kommen.

Wann wird eine Bypass-OP durchgeführt?

Durch medikamentöse und interventionelle Therapien (Aufdehnung eines verengten Gefäßes durch einen Ballon bei einer Herzkatheteruntersuchung) können Beschwerden und das Risiko eines Herzinfarktes zwar gesenkt werden, doch ist bei Patienten mit mehreren Verengungen die Bypass-OP die Therapie der Wahl, um die Lebensqualität und Lebenserwartung langfristig zu verbessern.

Die Indikation zur Notfall-Bypass-OP ergibt sich aus mittels bildgebender Verfahren (zB. Röntgenuntersuchung) gesicherten Koronarstenosen (> 70 %), die nicht durch interventionelle Maßnahmen angegangen werden können, sowie bei einer Haupstammstenose (> 50 %). Weitere Indikationen ergeben sich aus Restenosen nach PTCA, Koronaraneurysmen und evtl. auch aus Koronarfisteln. Voraussetzungen für eine Bypass-OP sind eine Erreichbarkeit des Koronargefäßes, ein Koronardurchmesser von > 1 mm, ein vitales Versorgungsgebiet und ein ausreichender Abfluss dorthin.

Bypass-OP
Mehrere gelegte Bypässe

Was geschieht bei einer Bypass-OP?

Bei einer Bypass-OP werden die Engstellen oder Verschlüsse durch Einsetzen gesunder körpereigener Gefäße überbrückt. Hierzu werden meist eine Arterie von der Innenseite der Brustwand (Arteria mammaria interna) und eine oberflächliche Beinvene (Vena saphena magna). Hierzu wird der Brustkorb geöffnet (Thorakotomie) und die innere Brustwandarterie von der Brustwand gelöst. Zeitgleich entnimmt ein zweiter Chirurg eine Beinvene, die später als Bypassgefäß genutzt werden kann.

Operation am stillgelegten Herzen

Um die Gefäße unter optimalen Bedingungen an die Kranzgefäße anzuschließen, wird das Herz unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine stillgelegt. Die Herz-Lungen-Maschine versorgt für den Zeitraum, in dem das Herz nicht schlägt, den Körper mit sauerstoffreichem Blut. Hierbei wird das sauerstoffarme Blut aus der unteren und oberen Hohlvene über eine Pumpe zu einem so genannten Oxygenator befördert, der das Blut mit Sauerstoff anreichert. Das sauerstoffreiche Blut wird dann zurück in die Hauptschlagader (Aorta) gepumpt und gelangt somit wieder in den großen Blutkreislauf.

Ist die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, werden zunächst die Bypassgefäße an die Herzkranzgefäße, dann an die Hauptschlagader mit einem dünnen Faden angenäht.

Verwendete Bypass-Gefäße

Die Vena saphena magna wird am häufigsten verwendet. Sie wird vom Innenknöchel je nach Anzahl der benötigten Bypässe bis zum Oberschenkel entnommen. Hier kann häufig eine minimal-invasive Venenentnahme über zwei bis drei kleine Schnitte erfolgen, die ein kosmetisch günstigeres Ergebnis liefert.

Blausen 0466 Heart Bypass Surgery
Einsatz einer Beinvene am Herzen

Die Arteria mammaria interna ist vom Langzeiterfolg her am besten geeignet. Sie wird von der Brustkorbinnenwand nahe des Brustbeins bis zum Zwerchfell freigelegt. Sie ähnelt in Durchmesser und Wandaufbau den Koronararterien, krankhafte Veränderungen sind sehr selten. Daher bleibt sie in einem hohen Prozentsatz langfristig offen.

Die Offenheitsrate der Arteria mammaria interna beträgt nach 5 Jahren 95 %, die der Vena saphena magna ca. 80 %. 10 Jahre nach Koronarrevaskularisation sind noch 50 % der Patienten frei von Angina Pectoris.

Das Risiko für einen perioperativen Herzinfarkt liegt bei 6 %, das Sterberisiko zur Zeit im Mittel bei 2,8 %.

Alternative Bypass-Gefäße

Gelegentlich steht aufgrund von Erkrankungen wie Varikosis (Krampfadern), die die Funktion der Venenbypässe einschränken können, nicht genügend Venenmaterial zur Verfügung. Dann gibt es die Möglichkeit, zusätzlich die rechte innere Brustwandarterie oder die Arteria radialis, die dem Unterarm entnommen wird, als Bypassmaterial zu verwenden. Dieses Verfahren wird als komplette arterielle Revaskularisation bezeichnet. Die dabei verwendeten Arterien haben dabei eine ähnlich hohe Offenheitsrate wie oben genannte Arteria mammaria interna.

Autor:
Dr. med. Schäfer

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