Defibrillator


Definition: Was ist ein Defibrillator?

Ein Defibrillator (Schockgeber) ist ein technisches Medizinprodukt, das die Aufgabe hat, das Herz mit elektrischen Impulsen zu versorgen. Das Ziel dieser Impulsgebung ist einerseits die Aktivierung des Herzschlags und andererseits die korrekte Rhythmusherstellung. Das Gerät kommt zur Anwendung, wenn ein bedrohlich schneller Herzschlag oder das lebensgefährliche Kammerflimmern vorliegen. Hierbei ist die Erregungsleitung im Herzen gestört, so dass die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff nicht mehr ausreichend gewährleistet ist.

Um diese gefährlichen Herzrhythmusstörungen zu beenden, sind elektrische Schocks geeignet. Sie unterbrechen die Erregungsleitung und ermöglichen so die Wiederherstellung eines regulären Herzrhythmus. Hierbei kommt es auf jede Minute an, denn bereits nach drei Minuten einer lebensbedrohlichen Rhythmusstörung beginnen die Gehirnzellen abzusterben. Die Defibrillator-Funktion stoppt diesen Prozess.

Aufbau und Funktionsweise eines Defibrillators

Ein Defibrillator bei Herzstillstand oder Kammerflimmern verfügt zunächst über einen Kondensator. Dieser hat die Funktion, die elektrische Energie zu speichern. Die Energie wird über Elektroden an den Patienten abgegeben. Zu diesem Zweck werden Klebeelektroden auf der Brust der Person angebracht. Ein Knopfdruck setzt die Energie in Form eines Schocks frei und gibt sie entsprechend ab. Die benötigte Menge lässt sich dabei manuell regulieren. Defibrillatoren, die über eine automatisierte Technik verfügen, berechnen die Energiemenge selbst.

Beim Vorgang der Defibrillation werden zwei Varianten unterschieden, das synchrone und das asynchrone Verfahren. Beim synchronen Vorgehen wird der Stromimpuls erst nach einer kleinen zeitlichen Verzögerung aktiviert. Diese Möglichkeit wird meist beim Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzschlag) eingesetzt. Bei der asynchronen Defibrillation erfolgt der Stromimpuls sofort nach dem Aktivieren, beispielsweise beim Kammerflimmern.

Arten von Defibrillatoren

Die Geräte werden nach verschiedenen Bauarten unterschieden. Neben dem speziellen Fall von implantierbaren Defibrillatoren für Menschen mit schweren Herzrhythmusstörungen und Herzrasen gibt es drei klassische Varianten.

1. Manuelle Defibrillatoren

Manuelle Geräte kommen überwiegend bei Rettungseinsätzen zur Anwendung. Medizinisch ausgebildete Fachkräfte haben sie unmittelbar beim Aufsuchen des Patienten dabei. Vielfach verfügen die Defibrillatoren zusätzlich über eine sogenannte halbautomatische Funktionsweise, die im Notfall die Nutzung durch Personen ohne Fachkenntnisse ermöglicht.

Die Ausstattung bietet die Möglichkeit, die Sauerstoffsättigung im Blut sowie den Blutdruck zu messen und verfügt über eine Messfunktion für den Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atemluft (Kapnometrie) bei beatmeten Patienten. Außerdem ist ein externer Herzschrittmacher enthalten.

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Ein im Rettungsdienst eingesetzter Defibrillator

2. Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED)

Dieses auch als Laiendefibrillator bezeichnete Gerät funktioniert grundsätzlich wie der manuelle Typ. Er hat die Aufgabe, bei kardiologischen Notfällen, darunter vor allem das Kammerflimmern, das Herz mit elektrischen Impulsen zu versorgen. Das Gerät ist so konzipiert, dass zunächst eine computergesteuerte Messung der Tätigkeit des Herzens vorgenommen wird, bevor im entsprechenden Notfall ein Impuls oder ein Schock ausgelöst werden. Während des Ablaufs wird der Laienhelfer durch den Defibrillator selbst schrittweise angeleitet. Ein AED wird verwendet, um die Zeit bis zur Übernahme des Patienten durch den Notarzt zu überbrücken.

3. Defibrillatorwesten (WCD)

Bei den WCD (Wearable Cardioverter/Defibrillator = tragbare Westen) handelt es sich um spezielle Elektrodengürtel, die der Patient für einen Zeitraum von etwa drei bis vier Monaten trägt. Die Defibrillatorweste stellt in der Kardiologie eine Alternative zum implantierbaren Defibrillator dar. Der Gürtel wird direkt auf dem Oberkörper getragen. Im Fall einer gefährlichen Herzrhythmusstörung aktiviert das Gerät automatisch die Behandlung, auch im Falle der Bewusstlosigkeit des Patienten.

Kosten und Anschaffungsnutzen eines Defibrillators

Häufig stellt sich die Frage, ob die Anschaffung von Defibrillatoren in Privathaushalten oder auch öffentlichen Einrichtungen sinnvoll ist. An manchen U-Bahn-Stationen in verschiedenen deutschen Städten finden sich entsprechende Geräte, und auch Flughäfen und Bahnhöfe sind zunehmend damit ausgestattet. Der Gesetzgeber definiert für die Anwendung und Installation klare Vorgaben.

Sowohl gewerbliche Institutionen als auch Privatpersonen dürfen einen Defibrillator kaufen. Für den eigenen Gebrauch im Privathaushalt ohne Weitergabe des Gerätes an Dritte sind keine Einschränkungen vorgesehen. Sobald die Nutzung in öffentlichen Einrichtungen vorgenommen wird, ist eine spezielle Geräteeinweisung erforderlich. Diese erfolgt im Rahmen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV). In diesem Sinne wird für gewerbliche Kunden, darunter Firmen, Kommunen oder Rettungsstellen, die Einweisung vom Medizinproduktberater inklusive einer Geräteschulung vor Ort vorgenommen.

Die Kosten für Defibrillatoren sind sehr unterschiedlich und liegen inklusive Mehrwertsteuer bei durchschnittlich 1200 bis 2200 Euro. Viele Geräte sind zusätzlich mit einer EKG-Funktion (Elektrokardiogramm) zur Messung der elektrischen Herzaktivität ausgestattet. In diesem Fall liegt der Defibrillator-Preis bei etwa 2500 bis 3200 Euro. Laut Angaben der Deutschen Herzstiftung sind die Schockgeber an Orten mit hohem Personenaufkommen sinnvoll. Für den Gebrauch im Privathaushalt gibt es bislang noch keine ausreichende Studienlage.

Anwendungsbereiche für Defibrillatoren

Defibrillatoren kommen als Standardprodukte in Krankenhäusern zum Einsatz. Hier gehören sie zur Ausrüstung in Operationssälen und auf Intensivstationen. Auch zahlreiche ambulante Arztpraxen sind mit den Geräten ausgestattet. Ein weiterer großer Einsatzbereich umfasst alle Formen von Rettungsdiensten. Defibrillatoren sind in Rettungsfahrzeugen dabei und ebenso in Rettungshubschraubern. Darüber hinaus kommen die Geräte im öffentlichen Raum zur Anwendung. Hier sind sie überall dort positioniert, wo große Menschenmengen unterwegs sind, beispielsweise in Fußballstadien, Firmen, an Bahnhöfen, in Hochschulen, an Flughäfen und vergleichbaren Einrichtungen.

Kardiologen sprechen sich zunehmend dafür aus, die Defibrillator-Anwendung in deutlich mehr Bereichen zugänglich zu machen, als bisher geschehen. Viele Betreiber von öffentlichen Bereichen scheuen sich vor den hohen Kosten angesichts der Gefahr von Vandalismus. Damit die Geräte im Notfall sofort nutzbar sind, sind sie frei zugänglich, was auch einen Schutz vor Zerstörung weitgehend ausschließt. Allerdings ist das Risiko, am plötzlichen Herztod oder einem Herzinfarkt zu sterben um ein Vielfaches höher, wenn keine umgehende Hilfe gewährt wird. Aus diesem Grund sprechen sich Experten für eine Ausweitung von Defibrillatoren in öffentlichen Bereichen aus.

Der implantierbare Defibrillator

Der sogenannte ICD (Implantierbarer Cardioverter Defibrillator) ist ein kleines Gerät, das unter die Haut implantiert wird mit dem Zweck den plötzlichen Herztod zu verhindern. Das Gerät ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar, wobei der ICD zu schnelle Rhythmusstörungen (Tachykardie) und der Schrittmacher als Impulsgeber zu langsame Herzschläge (Bradykardie) reguliert. Der ICD bietet zusätzlich auch eine klassische Herzschrittmacherfunktion.

AICD
Lage des implantierten Kardioverter-Defibrillators und der Elektrode im Herzen

Die Defibrillator-OP wird als ambulante Operation durchgeführt. Die Position des ICD ist unter dem Schlüsselbein. Für die Implantation ist lediglich eine örtliche Betäubung erforderlich. Das Gerät ist mit Elektroden ausgestattet, die der Operateur durch eine Vene führt und im Herzen verankert.

Sobald der Defibrillator implantiert und aktiviert ist, arbeitet er wie ein Computer, der den Herzrhythmus konstant überwacht. Je nach individuellem Bedarf löst er dann im Ernstfall einen Stromstoß/Schock (Defibrillation) aus oder setzt Impulse zur Herzschlagregulierung.

Die Risiken sind bei Durchführung des Eingriffs durch einen erfahrenen Facharzt gering. In äußerst seltenen Fällen kommt es zu einer behandelbaren Verletzung der umliegenden Gefäße oder auch des Herzens selbst und der Lunge. Darüber hinaus sind entzündliche Prozesse und Nachblutungen möglich, die ebenfalls gut zu regulieren sind. Die Lebenserwartung nach der Implantation richtet sich nach der Vorschädigung des Herzens, liegt aber nach dem Eingriff deutlich höher.