Herztransplantation | Die letzte Möglichkeit bei Herzerkrankungen

Herztransplantation

Die Herztransplantation stellt die letzte Alternative dar, um schwerkranken Patienten mit einer terminalen Herzerkrankung noch eine therapeutische Option zu bieten. Die Lungentransplantation ist die letzte Möglichkeit, Patienten mit Lungenerkrankungen im Endstadium zu helfen. In besonderen Fällen kann es notwendig sein, als letzte Alternative eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation durchzuführen. Auf alle drei Organtransplantationen soll nachfolgend eingegangen werden.

Herztransplantation

Wann wird eine Herztransplantation durchgeführt?

Die Indikation zur Herztransplantation zeigte im internationalen Vergleich in den letzten Jahren folgende Verteilung: Kardiomyopathien (52 Prozent), Koronare Herzerkrankung (40 Prozent), Herzklappenfehler (4 Prozent), angeborene Herzfehler (2 Prozent) und erneute Herztransplantation (2 Prozent). Selbstverständlich werden zuerst alle konservativen (medikamentösen) und operativen Möglichkeiten ausgeschöpft, bevor einem Patienten zur Herztransplantation geraten wird.

Was geschieht vor einer Herztransplantation?

Vor einer Herztransplantation sind einige Voruntersuchungen notwendig, die ambulant oder im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes durchgeführt werden können. Zum Teil sind diese Untersuchungen auch bei niedergelassenen Ärzten heimatnah möglich. Letztendlich wird die Entscheidung zur Aufnahme in die Warteliste in Zusammenschau aller Befunde nach Erläuterung aller Risiken gemeinsam mit dem Patienten gefällt. Nach wie vor besteht ein deutlicher Organmangel, sodass die Wartezeit vor einer Herztransplantation heutzutage schnell ein Jahr betragen kann, da die Organe strikt nach Dauer der Wartezeit vergeben werden.

Die Wartezeit wird je nach Zustand des Patienten in der Klinik oder zu Hause verbracht. In schweren Fällen besteht die Möglichkeit, den Patienten mit verschiedenen Unterstützungssystemen bis zur Herztransplantation zu stabilisieren bzw. bei Erfüllung der Grundbedingungen eine „high-urgent“, also sehr dringliche Meldung auf der Warteliste zu erzielen, bei der die bereits vorhandene Wartezeit keine Rolle spielt.

Wie wird eine Herztransplantation durchgeführt?

Die Herztransplantation wird mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt: Dabei wird der Patient mit der Maschine verbunden und diese übernimmt für die Dauer der Operation die Funktion von Herz und Lunge, so dass diese Organe währenddessen ruhen. Die Operation dauert etwa 3 bis 4 Stunden. Sie kann nach der Technik der „totalen orthotopen Herztransplantation“ durchgeführt werden: das „kranke“ Herz wird entfernt, indem man die Aorta (Hauptschlagader), die Pulmonalgefäße (Lungengefäße) und die beiden V. cavae (Hohlvenen) durchtrennt. Das Spenderherz wird anschließend mit zirkulären Nähten an denselben Stellen „angeschlossen“.

Heart transplant
Schematische Darstellung einer Herztransplantation

Die Zeit zwischen Entnahme des Spenderherzens und der Einnaht darf nicht länger als vier bis fünf Stunden betragen.

Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Herztransplantation aus?

Im Anschluss an die Herztransplantation wird der Patient auf die Intensivstation gebracht, wo er zunächst isoliert wird (Ärzte, Personal und Besuch dürfen nur mit sterilem Schutzkittel, Mundschutz und Kopfhaube das Patientenzimmer betreten). Das körpereigene Immunsystem muss nun lebenslang unterdrückt werden (Immunsuppression), um die Gefahr der Abstoßung des fremden Organs zu verringern. Nach 3 bis 5 Tagen kann der Patient auf die Normalstation und die Isolation leicht gelockert werden. Der Patient wird außerdem intensiv krankengymnastisch betreut.

Wie sieht die Prognose nach einer Herztransplantation aus?

Die Überlebensrate nach einer Herztransplantation beträgt nach einem Jahr ca. 85 Prozent, nach fünf Jahren ca. 65 Prozent und nach zehn Jahren ca. 45 Prozent. Die größten Risiken sind zum einen die Abstoßung des Organs und die Gefahr der Infektion. Deswegen sind lebenslang regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen unumgänglich.

Lungentransplantation

Wie auch bei der Herztransplantation ist die Lungentransplantation die letzte Möglichkeit, Patienten mit Lungenerkrankungen im Endstadium zu helfen. Es kann je nach Grunderkrankung eine einseitige oder eine doppelseitige Lungentransplantation durchgeführt werden.

Wann wird eine Lungentransplantation durchgeführt?

Die häufigsten Indikationen sind COPD (chronische obstruktive Lungenerkrankung), cystische Fibrose (Mukoviszidose), Idiopathische Lungenfibrose, primäre pulmonale Hypertonie, pulmonale Hypertonie sekundär zu einem angeborenen Herzfehler (Eisenmenger Syndrom).

Was geschieht vor einer Lungentransplantation?

Durch die notwendigen Voruntersuchungen wird geprüft, ob alle medikamentösen und operativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Diese Untersuchungen können selbstverständlich auch zum Teil heimatnah, in der betreuenden Klinik oder beim betreuenden, niedergelassenen Kollegen durchgeführt werden. Gemeinsam wird nach Zusammenstellung aller Untersuchungsergebnisse die individuelle Situation besprochen und die Entscheidung zur Aufnahme in die Warteliste gefällt. Auch bei den Lungen gibt es durch den Organmangel in unserem Einzugsbereich Wartezeiten, die länger als ein Jahr dauern können.

Die Wartezeit wird je nach Zustand des Patienten in der Klinik oder zu Hause verbracht. Es ist bei Lungentransplantationspatienten besonders wichtig, in dieser Zeit ein regelmäßiges Konditionstraining (auch mit Sauerstofftherapie!) mit einem Fahrradergometer (leichteste Stufe) und Hanteltraining mit leichten Gewichten durchzuführen, um die Atemmuskulatur und die ansonsten schnell abbauende Gesamtmuskulatur zu kräftigen. Viele Patienten erreichen dadurch nicht nur eine Besserung des Allgemeinzustandes vor der Transplantation, sondern auch eine schnellere Mobilisation nach der Transplantation.

Es besteht natürlich auch hier die Möglichkeit einer „high-urgent“ Meldung und einer apparativen Unterstützung bis zum geeigneten Organangebot.

Wie wird eine Lungentransplantation durchgeführt?

Die Transplantation der Lunge wird in einem Zentrum mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt und dauert bei Doppellungentransplantation etwa 4,5 bis 6 Stunden. Die Lungen werden einzeln jeweils an den blutversorgenden Gefäßen (Art. und Ven. p Pulmonalis) und an den Hauptbronchien abgetrennt und entnommen; das Spenderorgan wird durch zirkuläre Nähte an denselben Stellen wieder angeschlossen. Die Zeit zwischen Entnahme der Spenderlunge und der Einnaht sollte nicht länger als sechs Stunden betragen.

Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Lungentransplantation aus?

Nach der Transplantation der Lunge werden dieselben Vorsichtsmaßnahmen getroffen wie bei den herztransplantierten Patienten: Es wird eine „Isolation“ zum Schutz des Patienten eingerichtet (Ärzte, Personal und Besuch müssen mit sterilem Schutzkittel/Mundschutz und Kopfhaube das Patientenzimmer betreten). Die lebenslange Immunsuppression wird auch sofort begonnen und eingestellt. Bei unauffälligem Verlauf kann der Patient auf die Normalstation und weiterhin intensiv krankengymnastisch betreut werden.

Wie sieht die Prognose nach einer Lungentransplantation aus?

Die Überlebensraten nach einer Lungentransplantation betragen weltweit ca. 78 Prozent im ersten Jahr, ca. 45 Prozent nach 5 Jahren und ca. 28 Prozent nach 10 Jahren.

Kombinierte Herz-Lungen-Transplantation

In besonderen Fällen kann es notwendig sein, als letzte Alternative eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation durchzuführen. Die Primärerkrankung kann das Herz betreffen, z.B. angeborene Herzfehler, und zum Bluthochdruck in der Lunge führen. Lungenerkrankungen können eine Herzinsuffizienz bedingen, z.B.: Fibrose oder Emphysem.

Was geschieht vor einer Herz-Lungen-Transplantation?

Wie auch bei der isolierten Herztransplantation bzw. Lungentransplantation sind die Voruntersuchungen sehr wichtig, um den gemeinsamen Schritt auf die Warteliste zur kombinierten Herz-Lungen-Transplantation durchzuführen. Die Wartezeit verändert sich durch die Anmeldung zur kombinierten Organtransplantation kaum. Wie auch oben beschrieben können die Patienten, je nach Zustand, die Zeit bis zur Operation zu Hause oder in der Klinik verbringen. Auch Unterstützungssysteme bis zur Transplantation und „high-urgent“ Meldung sind möglich.

Wie wird eine Herz-Lungen-Transplantation durchgeführt?

Die Herz-Lungen-Transplantation wird mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt und dauert 3,5 bis 5 Stunden. Herz und Lungen werden als „Paket“ entnommen und auch durch zirkuläre Nähte an der Hauptschlagader (Aorta), den beiden Hohlvenen (Ven. cavae) und an der Luftröhre noch vor der Aufteilung zur rechten und linken Lunge „angeschlossen“.

Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Herz-Lungen-Transplantation aus?

Die postoperative Zeit ähnelt im Wesentlichen die der Herz- bzw. der Lungentransplantierten.

Wie sieht die Prognose nach einer Herz-Lungen-Transplantation aus?

Die Überlebensraten nach einer Herz-Lungen-Transplantation werden weltweit mit ca. 61 Prozent nach einem Jahr, ca. 40 Prozent nach fünf Jahren und ca. 26 Prozent nach 10 Jahren angegeben.

Autor:
Dr. med. Pizanis

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