Kardiologische Reha | Rehabilitation nach der Herz-Behandlung

Kardiologische Reha (Herz-Reha)

Der folgende Beitrag stellt in Grundzügen die verschiedenen Konzepte der Rehabilitationsbehandlung bei akuten und chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf– und Gefäßsystems (kurz: kardiologische Reha oder Herz-Reha).

Formen der kardiologischen Reha

Anschlussheilbehandlung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei akuten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bewährt es sich, im Anschluss an die eigentliche Behandlung eine Anschlussrehabilitation in einer entsprechenden Reha-Einrichtung durchzuführen. Gegenwärtig beträgt die reguläre Rehabilitationsdauer drei Wochen. Bei medizinischer Notwendigkeit ist eine Verlängerung der Maßnahme möglich. Eine solche rehabilitierende Anschlussheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlussrehabilitation (AR) schließt sich der vorausgegangenen Krankenhausbehandlung unmittelbar an.

Kardiologische Reha

Antritt der Reha-Maßnahme

Nach den derzeitig bestehen den Richtlinien sollte der Patient bei Antritt seiner Anschlussrehabilitation nicht mehr unter akuter Behandlung stehen. Er kann entweder direkt vom Krankenhaus direkt in die weiterbehandelnde Reha-Einrichtung verlegt werden oder ggf. auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus von zu Hause aus zu seiner Reha-Maßnahme anreisen. Zwischen der Akutbehandlung und der kardiologischen Reha sollten jedoch maximal 14 Tage liegen.

Die kardologische Reha ist vom behandelnden Krankenhausarzt zu beantragen und vom jeweils zuständigen Kostenträger im Voraus zu genehmigen. Für Patienten, die noch nicht berentet sind bzw. sich noch im Arbeitsprozess befinden, ist i.d.R. der Rentenversicherer als Kostenträger zuständig (BfA, LVA, Knappschaft u.a.). Im Falle berenteter Patienten wird die Reha-Maßnahme im Regelfall von der jeweiligen Krankenversicherung finanziert.

Vor allem bei frisch abgelaufenen Herzinfarkten, erfolgreich behandelten Gefäßverschlüssen sowie frischen Herz- und Gefäßoperationen bestehen in der Mehrzahl der Fälle Indikationen zur Durchführung einer kardiologischen Reha.

Ziele der Behandlung

Eine solche Behandlung verfolgt mehrere Ziele. Die Leistungsfähigkeit bzw. Belastbarkeit des Patienten soll im Rahmen des Möglichen schrittweise verbessert werden. Auf diese Weise wird der Patient wieder an alltagsrelevante Belastungen herangeführt.

Während der Reha sollten dem Patienten Verhaltensstrategien vermittelt werden, die ihm helfen, ggf. vorhandene Risikofaktoren zu minimieren. Hierdurch kann zu einer Verbesserung der langfristigen Prognose beigetragen werden (sog. Sekundär- und Tertiärprävention).

Die meisten Patienten nehmen eine akute Herz-Kreislauf-Erkrankung, wie beispielsweise ein Herzinfarkt, als einschneidendes, existenziell bedrohliches Erlebnis wahr. Die Verarbeitung der Situation führt häufig zu Stress- und Konfliktkonstellationen. Diese können sich zusätzlich belastend und potenziell prognoseverschlechternd auswirken. Daher ist eine angemessene psychologische Betreuung der betroffenen Patienten wichtiger Bestandteil einer ganzheitlich ausgerichteten kardiologischen Reha.

Stationäre Klinikbehandlungen

Manche spezialisierte Rehabilitationskliniken werden von Privatversicherungen als sogenannte „gemischte Krankenanstalt“ anerkannt. Privatversicherte und beihilfeberechtigte Patienten (beispielsweise Beamten und Richter) können diese Kliniken auch zur akuten oder chronischen Behandlung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aufsuchen. Zur Kostenübernahme muss dabei jedoch zwingend zuvor die Einverständniserklärung der Versicherung eingeholt werden. Bei der Behandlung in einem normalen Krankenhaus ist die vorherige Zustimmung nicht notwendig.

Ambulante Facharztbehandlungen

Privatpatienten können sich bei Bedarf in aller Regel auch ambulant in einer Herz-Kreislauf-Klinik fachärztlich behandeln lassen. Die Kosten für die Behandlung wird ihnen aufgrund des Rechts auf freie Arztwahl von ihrer privaten Krankenkasse erstattet. Gleiches gilt auch für beihilfeberechtigte Patienten.

Ambulante offene Badekuren

Neben den bisher erwähnten Reha-Behandlungen können auch sogenannte ambulante offene Badekuren durchgeführt werden. Auch offene Badekuren müssen im Voraus bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Der Patient wählt sich seine Unterkunft am jeweiligen Kurort selbst aus und erhält hierfür von seiner Krankenversicherung eine tageweise Zuschusszahlung. Die durchgeführten Therapien werden von der Krankenversicherung übernommen, ebenso die Kosten für eine ambulante badeärztliche Betreuung.

An einigen Standorten besteht die Möglichkeit, sich auch im Falle offener Badekuren ambulant durch eine Reha-Einrichtung am Ort behandeln zu lassen bzw. badeärztlich verordnete Therapieanwendungen dort wahrzunehmen. Dies kann für den Patienten von Nutzen sein, da ihm in diesem Fall auch bei ambulanter Behandlung das Know-How der jeweiligen spezialisierten Herz-Kreislauf-Klinik zur Verfügung steht.

Ausschlusskriterien für Bade- und Schwimmbelastungen

Bei einem Vollbad oder dem Gang in ein Schwimmbad werden durch die Druckeinwirkung des Wassers etwa 800 ml Blut aus den peripheren Gefäßen zum Herzen geführt. Dies bewirkt eine plötzlich einsetzende vermehrte Belastung des Herzens. Ein vorgeschädigtes Herz kann infolgedessen Symptome zeigen.

Auch können durch Tauchreflexe Herzrhythmusstörungen entstehen. Aktives Schwimmen entspricht einer Ergometer-Belastung von etwa 100 Watt. Daher sollten die folgenden Voraussetzungen gegeben sein, wenn ein Herzpatient während der kardiologischen Reha dem Wasserdruck eines Vollbades ausgesetzt werden soll:

  • Weitgehend normale Pumpleistung des Herzens ohne Hinweise für Herzinsuffizienz.
  • Belastbarkeit bis mindestens 100 Watt, alternativ mindestens 1 Watt pro kg Körpergewicht.
  • Fehlender Nachweis gravierender Herzrhythmusstörungen im Langzeit- und Belastungs-EKG.
  • Keine Hinweise auf Herzdurchblutungsstörungen im Belastungs-EKG.
  • Normal verlaufende Schwimmbewegungsabläufe.

Patienten, welche die vorgenannten Kriterien nicht erfüllen, sollten im Regelfall keine wassergebundenen Therapien erhalten.

Kompaktkuren

Kompaktkuren stellen eine Variante der offenen Badekur dar. Bei Kompaktkuren, die ebenfalls über drei Wochen stattfindet, sorgt der Patient selbst für seine Unterkunft am Kurort und lässt sich badeärztlich betreuen. Der Unterschied zur offenen Badekur besteht in den Therapien, welche nach einem vorgegebenen Schema vorzugsweise in Gruppen durchgeführt werden.

Durch die Zusammenführung mehrerer Patienten mit vergleichbaren Erkrankungen kann der Behandlungserfolg durch gegenseitige Motivierung gesteigert werden.

Vorsorgemaßnahmen (Präventionskuren)

Bei erhöhtem Risiko auf spätere Herz-Kreislauf- oder Gefäßkomplikationen können Präventionskuren zur Vorsorge beantragt werden. Auch diese Kur dauert regulär drei Wochen. Sie hat zum Ziel, die bestehenden Risikofaktoren zu behandeln, bevor es zu Folgekrankheiten kommen kann.

Besonders gefährdet sind Patienten, die einerseits bereits wegen einer Herz-Kreislauf- oder Gefäßkrankheit behandelt wurden und zusätzlich an beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck, Blutfeterhöhung oder Adipositas (Fettleibigkeit) leiden.

Neuere Rehabilitationskonzepte der kardiologischen Reha

In der jüngeren Vergangenheit wurden neben den vorgestellten, traditionellen Reha-Behandlungsformen weitere Konzepte entwickelt und erprobt. Entwicklungen soll beispielhaft eingegangen werden. Auf einige neuere Entwicklungen soll beispielhaft eingegangen werden.

Vor allem in städtischen Ballungsräumen entstehen zunehmend Möglichkeiten für eine ambulate Reha am Wohnort, da geeignete Reha-Einrichtungen gut von zu Hause aus erreicht werden können. Ein Vorteil der ambulanten Rehabilitation ist die frühe Rückkehr des Patienten in sein gewohntes häusliches Umfeld. Das Wohlbefinden des Patienten kann sich positiv auf den Behandlungserfolg auswirken. Nachteilig ist dabei jedoch die eventuelle Belastung durch die tägliche An- und Abreise des Patienten und die fehlende permanente medizinische Betreuung zu Hause.

Großer Beliebtheit erfreuen sich sogenannte „Fit & Vital-Programme“, die auch von gesetzlichen Krankenkassen teilweise angeboten werden. Sie zielen darauf ab, Patienten mit erhöhtem Risikofaktor, wie beispielsweise Bluthochdruck, zu unterstützen und durch ein 14tägiges Programm an einer zugelassenen Reha-Klinik präventiv zu behandeln, bevor ernsthafte Erkrankungen entstehen. Durch veschiedene verordnete Therapie- und Trainingsprogramme lernt der Patient, wie durch die Umstellung der Ernährung und eine gesunde Lebensweise das persönliche Erkrankungsrisiko reduziert werden kann.

Indikationen für eine kardiologische Reha

Akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine kardiologische Reha sollte nach der Behandlung folgender Erkrankungen durchgeführt werden:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzinfarkt, Bypass-Operation, Herzklappenersatz, sonstigen Herzoperationen, PTCA, Stent- und Schrittmacherimplantation, Herzentzündungen (Endo-, Peri-, Myokarditis), Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), Koronare Herzerkrankung, Herzklappenfehler, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Kreislaufregulationsstörungen, Zustand nach Lungenembolie
  • Gefäßerkrankungen: Gefäßoperationen, z.B. Operationen der Becken- und Beinarterien, der großen Bauchgefäße , Arm- und Halsarterien, jeweils einschließlich frischer Gefäßbypassversorgungen, Atherosklerosefolgen wie arterielle Verschlusskrankheit und Hirndurchblutungsstörungen, Zustand nach Thrombose und Embolie, fortgeschrittene Krampfaderleiden und Lymphstauungen
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Gicht, Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Übergewicht bzw. Adipositas. Diese Stoffwechselerkrankungen stellen einschlägige Risikofaktoren dar bzw. wirken sich auf bestehende Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen verschlechternd aus.
  • Erkrankungen der Lunge und Atemwege, welche bei älteren Patienten in der Mehrzahl der Fälle ebenfalls vorliegen, sollten mitbehandelt werden können (chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung, COPD, Lungenemphysem u.a.).

Die vorstehend aufgeführten Rehabilitationsindikationen gelten sowohl für Rehabilitationen der Rentenversicherer als auch für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherungen (RVO-Kassen wie AOK, BKK, IKK, LKK u.a. und Ersatzkassen wie BEK, DAK, TK, HaMü, u.a.), privatversicherte Patienten bzw. Selbstzahler und beihilfeberechtigte Patienten.

Chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unabhängig von den vorerwähnten Akuterkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können sich vor allem bei chronischen Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen Indikationen für allgemeine Rehabilitationen/Heilverfahren bzw. Kuren ergeben. Diese Maßnahmen sind vom jeweils behandelnden Haus- oder Facharzt zu beantragen und ebenfalls vom zuständigen Kostenträger (Renten- oder Krankenversicherung) im Voraus zu genehmigen.

Allgemeine kurmäßige Rehabilitationsmaßnahmen können z.B. angezeigt sein bei koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz, primären Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), Bluthochdruck (Hypertonie), ausgeprägten Formen von Kreislauflabilität, peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) u.a.. Auch diese Rehabehandlungen erstrecken sich über regulär drei Wochen mit der Möglichkeit einer Verlängerung.

Diagnostik und Therapie bei der kardiologischen Reha

Eine spezialisierte Herz-Kreislauf-Klinik verfügt über umfangreiche diagnostische Einrichtungen, welche eingehende Untersuchungen von Herz, Kreislauf und Gefäßen ermöglichen. Diese Untersuchungen dienen der Funktions- und Leistungsdiagnostik, um die jeweilige Belastbarkeit des Patienten möglichst präzise abzuschätzen und Fehlbelastungen bzw. Überlastungen zu vermeiden. Weiterhin dienen diese Untersuchungen der Überwachung und Verlaufskontrolle, beispielsweise bei der Durchführung eines programmierten Herz- oder Gefäßtrainings, bedarfsweise auch zur Klärung gutachtlicher Fragestellungen.

Wesentliche Säulen der kardiologischen Reha (Herz-Reha) sind die Trainings- und Bewegungstherapie, die Krankengymnastik nach Erfordernis, die Ernährungstherapie, die einschlägige Schulung des Patienten im Hinblick auf bestehende Risikofaktoren und ihre Vermeidung (Gesundheitsbildung), die Vermittlung von Entspannungstechniken sowie die spezifische psychologische Betreuung in Gruppen- und/oder Einzeltherapie bei Erfordernis.

Therapeutische Behandlungen in der kardiologischen Reha

Die durchführende Einrichtung sollte für eine kardiologische Reha folgende Anwendungen anbieten:

  • Herzgymnastik: Einzelbetreuung oder Gruppenbehandlung in Übungs- und Trainingsgruppen
  • Ergometertraining: Programmiertes Belastungstraining zur Verbessserung von Ausdauer und Leistungsvermögen, wahlweise Fahrrad- oder Laufbandergometer. Vollständige Überwachung und Verlaufsdokumentation der Trainingssitzungen mittels EKG-Monitoring und Pulsoximetrie
  • Gefäßtraining und Gefäßgymnastik: Programmiertes Training und Gymnastik zur Verbesserung der Gehstrecke und Verbesserung der Venenfunktion, Gefäßtraining mittels Fahrrad- bzw. Laufbandergometer oder als Terraintraining
  • Einzel- und Gruppenkrankengymnastik: Diverse gymnastische Übungsprogramme einschließlich Atemgymnastik, Gymnastik nach Schlaganfall, Beckenbodengymnastik, Rückengymnastik, Gleichgewichts- und Koordinationstraining, u.a.
  • Fitnessgymnastik für geeignete, meist jüngere Patienten: Konditionstraining, Joggen, Morgengynmnastik
  • Inhalationen: Möglichst multifunktionaler Inhalationsplatz mit Ultraschall- und Düsenverneblung (vorweigender Einsatz bei frisch operierten Patienten mit bronchialer Verschleimung)
  • Lymphdrainagen incl. Kompressionstherapie
  • Wassergymnastik (Bewegungsbäder) (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Schwimmtraining (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Schwimmkurse für Nichtschwimmer und Gelegenheitsschwimmer zur Verbesserung der Schwimmtechnik (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Medizinische Bäder: Voll- und Teilbäder, z.B. mit Sauerstoff, Kohlendioxid, Brombaldrian, Kamille, Rosmarin u.a., warme aufsteigende Armbäder nach Hauffe, wechselwarme Bäder (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Kneipp-Anwendungen/Kneipp-Güsse/Wassertreten für geeignete Patienten

Mitbehandlung des Bewegungsapparates

Vor allem Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter haben zusätzlich noch orhopädische Beschwerden. Diese können sich durch die Liegezeit während der Krankenhausbehandlung noch verschlimmern. Daher ist bei diesen Patienten eine passende physiotherapeutische Behandlung während der Reha wichtig, um den Patienten wieder eine freiere Bewegung zu ermöglichen.

Hier kommen in Betracht:

  • Massagen: Konventionelle Massagen, Bindegewebs-, Periost-, Fußreflex-, Friktions-, Marnitz-, Colonmassagen, u.a.
  • Unterwassermassagen
  • Lokale Wärmeanwendungen (z.B. Fango- Paraffin, heiße Rolle, Lichtbad, Rotlicht)
  • Kältetherapie
  • Stangerbäder (Elektrobäder)
  • Elektrotherapie: Iontophoresen, Nemektrodyn, mittelfrequente Ströme, Galvanisation, Faradisation, u.a.
  • Transdermale elektrische Nervenstimulation (TENS).

Behandlung des Bewegungsapparates während der kardiologischen Reha

Psychologische Betreuung im Rahmen der kardiologischen Reha

Die psychologische Abteilung sollte für Herz-Kreislauf-Patienten angemessene Behandlungsmöglichkeiten in Einzel- oder Gruppentherapie anbieten. Hier kommen in Betracht:

  • Entspannungskurse (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson)
  • Therapeutische Gruppen und Gesprächskreise zur Verbesserung von Krankheitsbewältigung, Stress- und Angstverarbeitung
  • Gruppengespräche zur Nikotinentwöhnung (Nichtrauchertraining)
  • Gruppengespräche zur Gewichtsreduktion (Adipositas-Gruppe)
  • Psychotherapie in Einzelsitzungen
  • Paartherapie

Ernährungsberatung im Rahmen der kardiologischen Reha

Die Reha-Einrichtung sollte im Rahmen der präventiven Patientenschulung Ernährungsberatungen anbieten. Der Patient sollte ein Gefühl dafür bekommen, welche Inhaltsstoffe sein Körper benötigt und wie ein täglicher gesunder Ernährungsplan erstellt werden kann.

Wünschenswert ist weiterhin eine Lehrküche für entsprechend motivierte und geeignete Patienten.

Gesundheitsbildung im Rahmen der kardiologischen Reha

Patienten sollten nach Wahl informative Veranstaltungen zu gesundheitsbezogenen Themen besuchen können. Thematisiert werden könnten z.B. ärztliche Themen, Ernährungsfragen, Psychologie und Verhalten, Sport, Bewegung und Grundlagen der Physiotherapie.

Die angebotene Themenpalette sollte regelmäßig aktualisiert und den jeweiligen patientenseitigen Nachfragen angepasst werden.

Diagnostische Erfordernisse in der kardiologischen Reha

Zur Durchführung einer umfangreichen kardiologischen und angiologischen Diagnostik stehen in einer gut ausgestatteten Herz-Kreislauf-Klinik i.d.R. zur Verfügung:

  • EKG: Aufzeichnung der Herzstromkurven in körperlicher Ruhe,12-kanaliges Standard-EKG, zusätzlich bei Erfordernis Spezialableitungen (Nehb, V7-V9, u.a.)
  • Belastungs-EKG, Ergometrie: Aufzeichnung der Herzstromkurven unter definierter körperlicher Belastung, Fahrrad- oder Laufbandergometrie, optimierte Überwachung im Falle einer kontinuierlichen 12-kanaligen Überwachung und Speicherung des Gesamt-EKG. Das Belastungs-EKG stellt eine wesentliche Basisuntersuchung dar, um die Belastbarkeit des Patienten abzuschätzen und hierauf basierend einen Trainingsplan zu erstellen.
  • Hochverstärktes Oberflächen-EKG (Spätpotentialanalyse, optional): Neueres, nicht in jeder Klinik vorhandenes Untersuchungsverfahren, Verstärkung des EKG um den Faktor 1000, Aufzeichnung und Mittelung von ca. 200-500 Herzaktionen, Durchführung von Zeitbereichsanalysen im Signalmittelungsverfahren nach Simson und von Einzelkanalanalysen im Frequenzbereich (spektrotemporales Mapping); Spätpotentiale können bei organischen Herzerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmuskomplikationen anzeigen.
  • Langzeit-EKG: Digitale, i.d.R. dreikanalige EKG-Aufzeichnung über 24 Stunden; Moderne Untersuchungssysteme bieten neben einer Arrhythmiediagnostik weitere Optionen wie Analysen der QT-Strecken und Herzfrequenzvariabilität, Untersuchungen auf episodische Herzdurchblutungsstörungen (ST-Analysen) und Herzschrittmacher-Langzeitfunktionsanalysen. Veränderungen der QT-Zeiten und Herzfrequenzvariabilität können ähnlich wie Spätpotentiale ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmuskomplikationen anzeigen.
  • Telemetrie (optional): Drahtlose EKG-Überwachung mittels Funkübertragung des EKG auf einen Monitor. Vorzugsweiser Einsatz als Schwimm-Telemetrie zur Herzüberwachung während Schwimmbelastungen
  • Wrist-Rekorder (optional): Digitale Armbanduhr mit integrierter EKG-Aufzeichnung. Der Wrist-Rekorder kann prinzipiell beliebig lange getragen werden und ermöglicht daher die Erfassung auch seltener Herzrhythmusstörungen.
  • Langzeit-Blutdruckmessung: Erfassung des Blutdruck-Profils über 24 Stunden oder länger.
  • Pulsoximetrie: Unblutige Messung der prozentualen Blutsauerstoffsättigung mittels Finger-Clip in Ruhe und unter Belastung
  • Lungenfunktionsprüfung: Aufzeichnung und Vermessung der in- und expiratorischen Fluss-Volumen- und Spirometrie-Kurven, Messung des Atemwiderstandes (Resistance), z.B. nach der Shutter-Methode. Die Lungenfunktionsprüfung ergänzt die herzbezogene Leistungsdiagnostik auf sinnvolle Weise, da bei nicht wenigen Patienten im höheren Lebensalter auch chronische Erkrankungen der Lunge und Atemwege vorliegen, welche sich zusätzlich leistungslimitierend auswirken.
  • Ultraschalldiagnostik des Herzens: Ein- und zweidimensionale Echokardiographie (B- und M-Mode), Dopplerechokardiographie (Farbdoppler, steuerbare PW- und CW-Doppler), Messungen von Herzvolumina, Schlagvolumen, Ejektionsfraktion und Herzminutenvolumen.
  • Ultraschalldiagnostik des Gefäß-Systems: Untersuchung sämtlicher beschallbarer Arterien und Venen, insbesondere der hirnversorgenden Gefäße des Halses und Schädelinneren, der großen Bauchgefäße, Bein- und Armgefäße, Plaque- und Stenosemessungen, hochauflösende real-time-Sonographien der Gefäßwand, Farbduplex-, PW- und CW- Dopplersonographien, transkranielle farbkodierte Dopplersonographien, Spektralanalysen der PW- und CW-Dopplerspektren, Darstellung langsamer Blutflüsse im DPI-Mode (digital power imaging, power-mode, Angio-mode)
  • Allgemeine Ultraschalldiagnostik (Sonographie): Untersuchungen von Schilddrüse, Speicheldrüsen, Lymphknoten, Weichteilen, Bauch- und Beckenorganen, Pleuraraum (Lungen- und Rippenfell), ggf. Stütz- und Bewegungsorganen (Gelenke, Sehnen, Bänder, Schleimbeutel), Untersuchung der Organblutflüsse mittels Farbduplex und DPI-Mode. Eine Schilddrüsenuntersuchung deckt nicht selten Schilddrüsenerkrankungen auf, die sich ggf. auch auf die Herz-Kreislauf-Funktion auswirken können; die Untersuchung des Bauchraumes erlaubt z.B. eine Erkennung von Stauungszeichen bei Rechtsherzinsuffizienz. Eine Sonographie der Pleura sollte routinemäßig bei jedem Herzpatienten durchgeführt werden, um zu klären, ob ggf. Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen zwischen Rippen- und Lungenfell) vorliegen.
  • Ultraschalluntersuchungen mit Signalverstärkern: Kapillargängige Signalverstärker (Ultraschallkontrastmittel) ermöglichen eine verbesserte Darstellung und Beurteilung des Blutflusses in Herz, Gefäßen und anderen Organen.
  • Röntgendiagnostik: Konventionelle Röntgenuntersuchungen der Brustorgane (Röntgen-Thorax), des Bauchraumes (Abdomen) und des Skelettsystems.
  • Magen- und Darmspiegelung (optional): Nicht in jeder Herz-Kreislauf-Klinik vorhanden bzw. erforderlich. Spiegelungen von Speiseröhre (Ösophagoskopie), Magen (Gastroskopie), Zwölffingerdarm (Duodenoskopie), Enddarm (Rektoskopie), unterem Dickdarm (Sigmoidoskopie), komplettem Dickdarm (hohe Koloskopie), vorzugsweise mittels digitaler Videoendoskopie
  • Labordiagnostik: Sämtliche routinemäßigen Blutanalysen sollten veranlassbar sein. Ein klinikeigenes Notfalllabor zur bedarfsweisen Sofortbestimmung klinisch wichtiger Laborwerte sollte zur Verfügung stehen.

Angiologische Zusatzdiagnostik in der kardiologischen Reha

Verfügt die Reha-Einrichtung über einen gefäßmedizinischen Schwerpunkt, könnten zusätzlich folgende dynamische Funktionstests eingesetzt werden:

  • Elektronische Oszillographie und Oszillometrie, Rheographie: Aufzeichnung von Pulsationskurven in mehreren Etagen der Beine oder Arme
  • Akrale elektronische Oszillographie und Oszillometrie: Aufzeichnung von Pulsationskurven der Zehen und Finger
  • Rheografische Digitalarterienpulsschreibungen: Aufzeichnungen von Zehen- oder Fingerpulskurven
  • Pulswellenlaufzeitbestimmungen: Messungen der Zeitintervalle zwischen Herzaktionen und registrierbaren Pulswellen in den verschiedenen Etagen der Beine oder Arme
  • Periphere Arteriendruckmessungen: Messungen der Blutdrücke in den jeweiligen Arterien der Beine oder Arme
  • Lichtreflexionsrheographie: Beurteilung der Venenfunktion, insbesondere der Venenklappen
  • Venenverschlussplethysmographien: Verschiedene Untersuchungsverfahren zur Beurteilung des Venenflusses, speziell bei Thrombose, zur Beurteilung der arteriellen Ruhedurchblutung und arteriellen Durchblutungsreserve bei Durchblutungsstörungen.
  • Phlebodynamometrie: Messung der Veränderungen des peripheren Venendruckes bei Thrombosen
  • Kapillaroskopie: Mikroskopische Untersuchung der Kapillaren des Nagelfalzes bei Auflichtbeleuchtung zur Beurteilung der Mikrozirkulation
  • Laufbandergometrie zur diagnostischen Gehstreckenbestimmung: Messung der zurücklegbaren Gehstrecke bei arterieller Verschlusskrankheit, Verlaufsdokumentation bei Gefäßstraining

Sonstige Spezialuntersuchungen in der kardiologischen Reha

In Einzelfällen kann sich während der Herz-Reha die Notwendigkeit ergeben, weitere Spezialuntersuchungen durchzuführen. Diese können jedoch in den meisten üblichen Reha-Einrichtungen nicht angeboten werden. In diesem Zusammenhang sind unter anderem zu erwähnen:

  • Linksherzkatheter mit Koronarangiographie: Röntgenkontrastdarstellung der Herzkranzgefäße und Herzbinnenräume
  • Angiographie (DSA): Röntgenkontrastdarstellung der Gefäße
  • Stress-Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Belastungsbedingungen
  • Transoesophageale Echokardiographie (TEE): Ultraschalluntersuchung des Herzens über eine Spezialsonde, die in Speiseröhre und Magen eingeführt wird.
  • Myokardszintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung der Herzdurchblutung.

Autor:
Dr. med. J. Piper

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