Kardiologische Reha | Rehabilitation nach der Herz-Behandlung

Kardiologische Reha (Herz-Reha)

Der folgende Beitrag stellt die verschiedenen Konzepte der kardiologischen Reha, sprich der Rehabilitationsbehandlung bei akuten und chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf- und Gefäßsystems, in Grundzügen dar. Neben organisatorischen Hinweisen zur Beantragung und Durchführung der jeweiligen Maßnahmen einer Herz-Reha wird auch auf die Rehabilitationsziele sowie Aspekte der Diagnostik, Therapie und Indikationsstellung eingegangen.

Formen der kardiologischen Reha

Anschlussheilbehandlung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei akuten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hat es sich seit vielen Jahren bewährt, im Anschluss an die Behandlung im Akutkrankenhaus eine Anschlussrehabilitation oder rehabilitierende Anschlussheilbehandlung in einer hierauf spezialisierten Behandlungsstätte durchzuführen. Gegenwärtig beträgt die reguläre Rehabilitationsdauer drei Wochen; bei medizinischer Notwendigkeit ist eine Verlängerung der Maßnahme möglich. Eine solche rehabilitierende Anschlussheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlussrehabilitation (AR) schließt sich der vorausgegangenen Krankenhausbehandlung unmittelbar an.

Nach den derzeitig bestehen den Richtlinien sollte der Patient bei Antritt seiner Anschlussrehabilitation nicht mehr akutmedizinisch behandlungsbedürftig sein; er kann entweder vom vorbehandelnden Krankenhaus am Entlassungstag direkt in die weiterbehandelnde Reha-Einrichtung verlegt werden oder ggf. auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus von zu Hause aus zu seiner Reha-Maßnahme anreisen. Im letzteren Fall sollten allerdings zwischen der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Aufnahme in der Reha-Einrichtung im Regelfall nicht mehr als maximal 14 Tage liegen.

Die Anschlussrehabilitation oder rehabilitierende Anschlussheilbehandlung ist vom behandelnden Krankenhausarzt zu beantragen und vom jeweils zuständigen Kostenträger im Voraus zu genehmigen. Für Patienten, die noch nicht berentet sind bzw. sich noch im Arbeitsprozess befinden, ist i.d.R. der Rentenversicherer als Kostenträger zuständig (BfA, LVA, Knappschaft u.a.); im Falle berenteter Patienten wird die Reha-Maßnahme im Regelfall von der jeweiligen Krankenversicherung finanziert.

Vor allem bei frisch abgelaufenen Herzinfarkten, erfolgreich behandelten Gefäßverschlüssen sowie frischen Herz- und Gefäßoperationen bestehen in der Mehrzahl der Fälle Indikationen zur Durchführung einer Anschlussrehabilitation bzw. rehabilitierenden Anschlussheilbehandlung. Eine solche Rehabehandlung verfolgt mehrere Ziele. Die Leistungsfähigkeit bzw. Belastbarkeit des Patienten soll im Rahmen des Möglichen schrittweise verbessert und der Patient auf diesem Wege wieder an alltagsrelevante Belastungen herangeführt werden.

Durch intensive Informationsvermittlung und Motivationsbildung sollten dem Patienten Verhaltensstrategien vermittelt werden, auf die weitere Zukunft ausgerichtet ggf. vorhandene Risikofaktoren erfolgreich zu minimieren. Hierdurch kann zu einer Verbesserung der langfristigen Prognose beigetragen werden (sog. Sekundär- und Tertiärprävention). Schließlich wird eine akute Herz-Kreislauf-Erkrankung von der Mehrzahl der Patienten als einschneidendes, existenziell bedrohliches Erlebnis wahrgenommen, welches nicht immer adäquat verarbeitet wird. Hinzu kommen nicht selten Stress- oder Konfliktkonstellationen, die sich belastend und potenziell prognoseverschlechternd auswirken können. In Würdigung dieser Sachverhalte ist auch eine angemessene fachpsychologische Mitbetreuung der betroffenen Patienten integraler Bestandteil eines ganzheitlich ausgerichteten Rehabilitationskonzeptes.

Stationäre Klinikbehandlungen in einer Herz-Kreislauf-Klinik

Sofern die jeweilige Rehabilitationsklinik seitens der privaten Kostenträger als sogenannte „gemischte Krankenanstalt“ anerkannt ist, können sich privatversicherte und beihilfeberechtigte Patienten bei akuten oder chronischen stationär behandlungsbedürftigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch unabhängig von Rehabilitationen in einer spezialisierten Herz-Kreislauf-Klinik fachklinisch behandeln lassen, wenn das jeweilige Krankheitsbild bei der gegebenen Infrastruktur der Klinik adäquat behandelbar ist. Im Unterschied zu einer Behandlung in allgemeinen Krankenhäusern ist im Falle einer krankenhausgemäßen stationären Behandlung in einer gemischten Krankenanstalt die Einverständniserklärung des jeweils zuständigen privaten Kostenträgers im Voraus einzuholen, damit eine versicherungsseitige Übernahme der anfallenden Behandlungskosten gewährleistet ist.

Ambulante Facharztbehandlungen in einer Herz-Kreislauf-Klinik

Privatpatienten können sich bei Bedarf in aller Regel auch ambulant in einer Herzkreislaufklinik behandeln lassen. Auf Grund der gegebenen uneingeschränkten freien Arztwahl sind die entstehenden Kosten für solche ambulanten fachärztlichen Behandlungen von der zuständigen privaten Krankenversicherung grundsätzlich zu erstatten. Gleiches gilt auch für beihilfeberechtigte Patienten.

Ambulante offene Badekuren

Neben den bisher erwähnten Rehabehandlungen können auch sog. ambulante offene Badekuren bei Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen durchgeführt werden. Auch offene Badekuren müssen im Voraus bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Der Patient wählt sich seine Unterkunft am jeweiligen Kurort selbst aus und erhält hierfür von seiner Krankenversicherung eine tageweise Zuschusszahlung. Die durchgeführten Therapien werden von der Krankenversicherung übernommen, ebenso die Kosten für eine ambulante badeärztliche Betreuung.

An einigen Standorten besteht für den Patienten die Möglichkeit, sich bei entsprechendem Wunsch auch im Falle offener Badekuren ambulant durch eine Reha-Einrichtung am Ort behandeln zu lassen bzw. badeärztlich verordnete Therapieanwendungen dort wahrzunehmen. Dies kann für den Patienten von Nutzen sein, da ihm in diesem Fall auch bei ambulanter Behandlung das Know How der jeweiligen spezialisierten Herz-Kreislauf-Klinik zur Verfügung steht.

Ausschlusskriterien für Bade- und Schwimmbelastungen

Bei einem Vollbad oder dem Gang in ein Schwimmbad werden durch die hydrostatische Druckeinwirkung des Wassers etwa 800 ml Blut aus den peripheren Gefäßen zum Herzen geführt. Dies bewirkt eine plötzlich einsetzende vermehrte Volumenbelastung des Herzens. Ein vorgeschädigtes Herz kann infolgedessen dekompensieren. Auch können durch Tauchreflexe Herzrhythmusstörungen entstehen. Aktives Schwimmen entspricht einer Ergometer-Belastung von etwa 100 Watt. Daher sollten die folgenden Voraussetzungen gegeben sein, wenn ein Herzpatient während der Reha-Behandlung Schwimmtraining absolvieren möchte oder Wassergymnastik bzw. Wannenbäder erhalten soll:

  • Weitgehend normale Pumpleistung des Herzens ohne Hinweise für Herzinsuffizienz.
  • Belastbarkeit bis mindestens 100 Watt, alternativ mindestens 1 Watt pro kg Körpergewicht.
  • Fehlender Nachweis gravierender Herzrhythmusstörungen im Langzeit- und Belastungs- EKG.
  • Fehlende Hinweise auf Herzdurchblutungsstörungen im Belastungs-EKG.
  • Normal verlaufende Schwimmtelemetrie. Patienten, welche die vorgenannten Kriterien nicht erfüllen, sollten im Regelfall keine wassergebundenen Therapien erhalten.

Kompaktkuren

Kompaktkuren stellen eine Variante der offenen Badekur dar. Bei Kompaktkuren, die auch über drei Wochen stattfindet, sorgt der Patient ebenfalls selbst für seine Unterkunft am Kurort und lässt sich badeärztlich betreuen. Der konzeptionelle Unterschied zur offenen Badekur besteht in den Therapien, welche nach einem vorgegebenen Schema vorzugsweise in Gruppen durchgeführt werden. Durch die Zusammenführung mehrerer Patienten mit vergleichbaren Erkrankungen in therapeutischen Gruppen erhofft man sich einen gesteigerten Behandlungserfolg auf Grund spezifischer gruppendynamischer Abläufe, welche sich motivationsfördernd auswirken können. An einigen Standorten werden auch Kompaktkuren für Herz-Kreislauf- bzw. Gefäßerkrankungen angeboten.

Vorsorgemaßnahmen (Präventionskuren)

Sofern bei bestimmten Risikokonstellationen eine besondere Gefährdung hinsichtlich einer späteren Entstehung von Herz-Kreislauf- oder Gefäßkomplikationen besteht, können auch sog. Vorsorgemaßnahmen (Präventionskuren) beantragt werden. Solche ebenfalls regulär dreiwöchigen Präventionskuren haben die Zielsetzung, unter Aspekten der vorbeugenden Medizin (Präventivmedizin) bestehende Risikofaktoren möglichst frühzeitig zu behandeln, bevor es zu Folgekrankheiten kommt. Als Beispiel für eine präventiv behandlungsbedürftige Konstellation sei das metabolische Syndrom genannt (Diabetes mellitus/Zuckerkrankheit, Hypertonie/Bluthochdruck, Hyperlipidämie/Blutfetterhöhung, Adipositas/Fettleibigkeit).

Neuere Rehabilitationskonzepte der kardiologischen Reha

Die geänderten Rahmenbedingungen unseres differenzierten Gesundheitswesens und auch geänderte patientenseitige Erwartungen haben Anlass gegeben, in Ergänzung zu den vorgestellten traditionellen rehabilitativen Behandlungsformen alternative innovative Rehabilitationskonzepte zu entwickeln und zunächst in Modellprojekten zu erproben. Auf einige neuere Entwicklungen soll beispielhaft eingegangen werden. Vor allem in städtischen Ballungsräumen haben sich als Alternative zur stationären Rehabilitation an einigen Standorten ambulante Rehabilitationseinrichtungen etabliert. Die Patienten dieser Einrichtungen wohnen während der Rehabilitation zu Hause und reisen täglich für die jeweiligen Behandlungsmaßnahmen zu ihrem ambulanten Reha-Zentrum an.

Einige Anbieter stellen auch für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Angebote zur ambulanten Anschlussheilbehandlung zur Verfügung. Ein Vorteil der ambulanten Rehabilitation kann in dem Umstand liegen, dass sich der Patient schon zu vergleichsweise früherem Zeitpunkt im Anschluss an seinen Krankenhausaufenthalt wieder im gewohnten häuslichen Umfeld befindet. Nachteilig kann sich auswirken, dass der Patient die Belastungen eines täglichen Hin- und Rücktransportes in Kauf nehmen muss. Auch fehlt naturgemäß bei einer ambulanten Rehabilitation im Unterschied zur stationären Anschlussheilbehandlung eine permanent vorhandene unmittelbare medizinische Versorgungsbereitschaft.

Ein weiterer zukunftsträchtiger Ansatz, die Anschlussheilbehandlung/Anschlussrehabilitation auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtet zu flexibilisieren, liegt in der Kombi-Reha, die gegenwärtig in Rheinland-Pfalz am Standort Bad Bertrich in Kooperation mit ambulanten Reha-Einrichtungen als Modellprojekt erprobt wird. Hier wird der Patient im Anschluss an die Behandlung im Krankenhaus zunächst in eine stationäre Reha-Fachklinik verlegt. Nach hinreichender Stabilisierung seines Gesundheitszustandes wird der Patient zum frühestmöglichen bzw. frühestsinnvollen Zeitpunkt einem heimatnah ansässigen ambulanten Reha-Zentrum anvertraut, welches die stationär begonnene Rehabehandlung nahtlos fortführt.

Auf dem Sektor der allgemeinen Rehabilitationen und Präventionsmaßnahmen haben sich als weitere innovative Modellprojekte „Fit und Vital-Programme“ bewährt, die vorwiegend in Zusammenarbeit mit Betriebskrankenkassen (BKK) an einigen Standorten angeboten werden. Bei dieser Rehabilitationsform befindet sich der Patient für 14 Tage in einer konzessionierten Rehabilitationsklinik und erhält dort vorwiegend in Gruppenbehandlung in konzentrierter zeitlicher Abfolge verschiedene Therapien, die schwerpunktmäßig leistungsverbessernd und präventivmedizinisch ausgerichtet sind. An einem Standort (Bad Bertrich) wurde zwischenzeitlich auch ein „Fit und Vital“-Angebot etabliert, welches auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgerichtet ist. Es ist zu erwarten, dass sich in Zukunft solche konzentriert ablaufenden, in der Gesamtdauer verkürzten Rehabilitationsangebote steigender Beliebtheit erfreuen dürften, da gerade für Patienten, die engagiert im Berufsleben stehen, nicht immer der Freiraum besteht, in eine Rehabehandlung drei Wochen zu investieren.

Indikationen für eine kardiologische Reha

Welche akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen machen eine kardiologische Reha (Herz-Reha) notwendig?

In einer spezialisierten Herz-Kreislauf-Klinik bzw. einer entsprechenden ambulanten Rehabilitationseinrichtung sollten im Hinblick auf die Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen Reha-Behandlungen bei den folgenden Indikationen durchführbar sein:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Zustand nach Herzinfarkt, Herzbypass-Operation, Herzklappenersatz, sonstigen Herzoperationen, PTCA, Stent- und Schrittmacherimplantation, Herzentzündungen (Endo-, Peri-, Myokarditis), Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), Koronare Herzerkrankung / Angina pectoris, Herzklappenfehler, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Kreislaufregulationsstörungen, Zustand nach Lungenembolie
  • Gefäßerkrankungen: Zustand nach Gefäßoperationen, z.B. Operationen der Becken- und Beinarterien, der großen Bauchgefäße , Arm- und Halsarterien, jeweils einschließlich frischer Gefäßbypassversorgungen, Atherosklerosefolgen wie arterielle Verschlusskrankheit und Hirndurchblutungsstörungen, Zustand nach Thrombose und Embolie, fortgeschrittene Krampfaderleiden und Lymphstauungen
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Gicht, Fettstoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Übergewicht bzw. Adipositas. Diese Stoffwechselerkrankungen stellen einschlägige Risikofaktoren dar bzw. wirken sich auf bestehende Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen verschlechternd aus.
  • Erkrankungen der Lunge und Atemwege, welche bei älteren Patienten in der Mehrzahl der Fälle ebenfalls vorliegen, sollten mitbehandelt werden können (chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung, COPD, Lungenemphysem u.a.).

Die vorstehend aufgeführten Rehabilitationsindikationen gelten sowohl für Rehabilitationen der Rentenversicherer als auch für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherungen (RVO-Kassen wie AOK, BKK, IKK, LKK u.a. und Ersatzkassen wie BEK, DAK, TK, HaMü, u.a.), privatversicherte Patienten bzw. Selbstzahler und beihilfeberechtigte Patienten.

Welche chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen machen eine kardiologische Reha (Herz-Reha) notwendig?

Unabhängig von den vorerwähnten Akuterkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können sich vor allem bei chronischen Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen Indikationen für allgemeine Rehabilitationen/Heilverfahren bzw. Kuren ergeben. Diese Maßnahmen sind vom jeweils behandelnden Haus- oder Facharzt zu beantragen und ebenfalls vom zuständigen Kostenträger (Renten- oder Krankenversicherung) im Voraus zu genehmigen.

Allgemeine kurmäßige Rehabilitationsmaßnahmen können z.B. angezeigt sein bei koronarer Herzkrankheit (KHK, Angina pectoris), Herzinsuffizienz, primären Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), Bluthochdruck (Hypertonie), ausgeprägten Formen von Kreislauflabilität, peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) u.a.. Auch diese Rehabehandlungen erstrecken sich über regulär drei Wochen mit der Möglichkeit einer Verlängerung bei Erfordernis.

Diagnostik und Therapie bei der kardiologischen Reha

Eine spezialisierte Herz-Kreislauf-Klinik verfügt über umfangreiche diagnostische Einrichtungen, welche eingehende Untersuchungen von Herz, Kreislauf und Gefäßen ermöglichen. Diese Untersuchungen dienen der Funktions- und Leistungsdiagnostik, um die jeweilige Belastbarkeit des Patienten möglichst präzise abzuschätzen und Fehlbelastungen bzw. Überlastungen zu vermeiden. Weiterhin dienen diese Untersuchungen der Überwachung und Verlaufskontrolle, beispielsweise bei der Durchführung eines programmierten Herz- oder Gefäßtrainings, bedarfsweise auch zur Klärung gutachtlicher Fragestellungen.

Die therapeutischen Angebote einer Herz-Kreislauf-Klinik ermöglichen eine ganzheitlich ausgerichtete kardiologische Rehabilitation sämtlicher Erkrankungen des Herz-Kreislauf- und Gefäß-Systems. Wesentliche Säulen der kardiologischen Reha (Herz-Reha) sind die Trainings- und Bewegungstherapie, die Krankengymnastik nach Erfordernis, die Ernährungstherapie, die einschlägige Schulung des Patienten im Hinblick auf bestehende Risikofaktoren und ihre Vermeidung (Gesundheitsbildung), die Vermittlung von Entspannungstechniken sowie die spezifische psychologische Betreuung in Gruppen- und/oder Einzeltherapie bei Erfordernis.

Therapeutische Erfordernisse in der kardiologischen Reha

Die krankengymnastisch-physiotherapeutische Abteilung einer Herz-Kreislauf-Klinik bzw. eines entsprechenden ambulanten Reha-Zentrums für kardiologische Reha sollte die folgenden Behandlungen ermöglichen:

  • Herzgymnastik: Einzelbetreuung oder Gruppenbehandlung in Übungs- und Trainingsgruppen
  • Ergometertraining: Programmiertes Belastungstraining zur Verbessserung von Ausdauer und Leistungsvermögen, wahlweise Fahrrad- oder Laufbandergometer. Vollständige Überwachung und Verlaufsdokumentation der Trainingssitzungen mittels EKG-Monitoring und Pulsoximetrie
  • Gefäßtraining und Gefäßgymnastik: Programmiertes Training und Gymnastik zur Verbesserung der Gehstrecke und Verbesserung der Venenfunktion, Gefäßtraining mittels Fahrrad- bzw. Laufbandergometer oder als Terraintraining
  • Einzel- und Gruppenkrankengymnastik: Diverse gymnastische Übungsprogramme einschließlich Atemgymnastik, Gymnastik nach Schlaganfall, Beckenbodengymnastik, Rückengymnastik, Gleichgewichts- und Koordinationstraining, u.a.
  • Fitnessgymnastik für geeignete, meist jüngere Patienten: Konditionstraining, Joggen, Morgengynmnastik
  • Inhalationen: Möglichst multifunktionaler Inhalationsplatz mit Ultraschall- und Düsenverneblung (vorweigender Einsatz bei frisch operierten Patienten mit bronchialer Verschleimung)
  • Lymphdrainagen incl. Kompressionstherapie
  • Wassergymnastik (Bewegungsbäder) (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Schwimmtraining (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Schwimmkurse für Nichtschwimmer und Gelegenheitsschwimmer zur Verbesserung der Schwimmtechnik (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Medizinische Bäder: Voll- und Teilbäder, z.B. mit Sauerstoff, Kohlendioxid, Brombaldrian, Kamille, Rosmarin u.a., warme aufsteigende Armbäder nach Hauffe, wechselwarme Bäder (Ausschlusskriterien bei Herzpatienten beachten!)
  • Kneipp-Anwendungen/Kneipp-Güsse/Wassertreten für geeignete Patienten

Mitbehandlung des Bewegungsapparates

Da in vielen Fällen auch orthopädische Begleiterkrankungen bestehen, vor allem bei Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter, und da orthopädisch bedingte Beschwerden auf Grund vorausgegangener Immobilisierung während der Krankenhausbehandlung nicht selten an Intensität zunehmen, sollten auch Basismaßnahmen zur physiotherapeutischen Behandlung des Bewegungssystems in einer Herz-Kreislauf-AHB-Klinik vorhanden sein. Hier kommen in Betracht:

  • Massagen: Konventionelle Massagen, Bindegewebs-, Periost-, Fußreflex-, Friktions-, Marnitz-, Colonmassagen, u.a.
  • Unterwassermassagen
  • Lokale Wärmeanwendungen (z.B. Fango- Paraffin, heiße Rolle, Lichtbad, Rotlicht)
  • Kältetherapie
  • Stangerbäder (Elektrobäder)
  • Elektrotherapie: Iontophoresen, Nemektrodyn, mittelfrequente Ströme, Galvanisation, Faradisation, u.a.
  • Transdermale elektrische Nervenstimulation (TENS).

Psychologische Betreuung im Rahmen der kardiologischen Reha

Die psychologische Abteilung sollte für Herz- Kreislauf-Patienten angemessene Behandlungsmöglichkeiten in Einzel- oder Gruppentherapie anbieten. Hier kommen in Betracht:

  • Entspannungskurse (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson)
  • Therapeutische Gruppen und Gesprächskreise zur Verbesserung von Krankheitsbewältigung, Stress- und Angstverarbeitung
  • Gruppengespräche zur Nikotinentwöhnung (Nichtrauchertraining)
  • Gruppengespräche zur Gewichtsreduktion (Adipositas-Gruppe)
  • Psychotherapie in Einzelsitzungen
  • Paartherapie

Ernährungsberatung im Rahmen der kardiologischen Reha

Die Abteilung für Ernährung und Diätetik sollte individuelle Ernährungsberatungen anbieten und bei Erfordernis computergestützte Ernährungsanalysen mit bilanzierenden Berechnungen der Nahrungskomponenten durchführen können. Wünschenswert ist weiterhin eine Lehrküche für entsprechend motivierte und geeignete Patienten.

Gesundheitsbildung im Rahmen der kardiologischen Reha

Hinsichtlich Gesundheitsbildung sollten den Patienten informierende Gruppenveranstaltungen zu gesundheitsbezogenen Themen angeboten werden, die nach Wahl besucht werden können. Diese Veranstaltungen können sich z.B. mit ärztlichen Themen befassen, mit Ernährungsfragen, Psychologie und Verhalten, Sport, Bewegung und Grundlagen der Physiotherapie. Die angebotene Themenpalette sollte regelmäßig aktualisiert und den jeweiligen patientenseitigen Nachfragen angepasst werden.

Diagnostische Erfordernisse in der kardiologischen Reha

Zur Durchführung einer umfangreichen kardiologischen und angiologischen Diagnostik stehen in einer gut ausgestatteten Herz-Kreislauf-Klinik i.d.R. zur Verfügung:

  • EKG: Aufzeichnung der Herzstromkurven in körperlicher Ruhe,12-kanaliges Standard-EKG, zusätzlich bei Erfordernis Spezialableitungen (Nehb, V7-V9, u.a.)
  • Belastungs-EKG, Ergometrie: Aufzeichnung der Herzstromkurven unter definierter körperlicher Belastung, Fahrrad- oder Laufbandergometrie, optimierte Überwachung im Falle einer kontinuierlichen 12-kanaligen Überwachung und Speicherung des Gesamt-EKG. Das Belastungs-EKG stellt eine wesentliche Basisuntersuchung dar, um die Belastbarkeit des Patienten abzuschätzen und hierauf basierend einen Trainingsplan zu erstellen.
  • Hochverstärktes Oberflächen-EKG (Spätpotentialanalyse, optional): Neueres, nicht in jeder Klinik vorhandenes Untersuchungsverfahren, Verstärkung des EKG um den Faktor 1000, Aufzeichnung und Mittelung von ca. 200-500 Herzaktionen, Durchführung von Zeitbereichsanalysen im Signalmittelungsverfahren nach Simson und von Einzelkanalanalysen im Frequenzbereich (spektrotemporales Mapping); Spätpotentiale können bei organischen Herzerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmuskomplikationen anzeigen.
  • Langzeit-EKG: Digitale, i.d.R. dreikanalige EKG-Aufzeichnung über 24 Stunden; Moderne Untersuchungssysteme bieten neben einer Arrhythmiediagnostik weitere Optionen wie Analysen der QT-Strecken und Herzfrequenzvariabilität, Untersuchungen auf episodische Herzdurchblutungsstörungen (ST-Analysen) und Herzschrittmacher-Langzeitfunktionsanalysen. Veränderungen der QT-Zeiten und Herzfrequenzvariabilität können ähnlich wie Spätpotentiale ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmuskomplikationen anzeigen.
  • Telemetrie (optional): Drahtlose EKG-Überwachung mittels Funkübertragung des EKG auf einen Monitor. Vorzugsweiser Einsatz als Schwimm-Telemetrie zur Herzüberwachung während Schwimmbelastungen
  • Wrist-Rekorder (optional): Digitale Armbanduhr mit integrierter EKG-Aufzeichnung. Der Wrist-Rekorder kann prinzipiell beliebig lange getragen werden und ermöglicht daher die Erfassung auch seltener Herzrhythmusstörungen.
  • Langzeit-Blutdruckmessung: Erfassung des Blutdruck-Profils über 24 Stunden oder länger.
  • Pulsoximetrie: Unblutige Messung der prozentualen Blutsauerstoffsättigung mittels Finger-Clip in Ruhe und unter Belastung
  • Lungenfunktionsprüfung: Aufzeichnung und Vermessung der in- und expiratorischen Fluss-Volumen- und Spirometrie-Kurven, Messung des Atemwiderstandes (Resistance), z.B. nach der Shutter-Methode. Die Lungenfunktionsprüfung ergänzt die herzbezogene Leistungsdiagnostik auf sinnvolle Weise, da bei nicht wenigen Patienten im höheren Lebensalter auch chronische Erkrankungen der Lunge und Atemwege vorliegen, welche sich zusätzlich leistungslimitierend auswirken.
  • Ultraschalldiagnostik des Herzens: Ein- und zweidimensionale Echokardiographie (B- und M-Mode), Dopplerechokardiographie (Farbdoppler, steuerbare PW- und CW-Doppler), Messungen von Herzvolumina, Schlagvolumen, Ejektionsfraktion und Herzminutenvolumen.
  • Ultraschalldiagnostik des Gefäß-Systems: Untersuchung sämtlicher beschallbarer Arterien und Venen, insbesondere der hirnversorgenden Gefäße des Halses und Schädelinneren, der großen Bauchgefäße, Bein- und Armgefäße, Plaque- und Stenosemessungen, hochauflösende real-time-Sonographien der Gefäßwand, Farbduplex-, PW- und CW- Dopplersonographien, transkranielle farbkodierte Dopplersonographien, Spektralanalysen der PW- und CW-Dopplerspektren, Darstellung langsamer Blutflüsse im DPI-Mode (digital power imaging, power-mode, Angio-mode)
  • Allgemeine Ultraschalldiagnostik (Sonographie): Untersuchungen von Schilddrüse, Speicheldrüsen, Lymphknoten, Weichteilen, Bauch- und Beckenorganen, Pleuraraum (Lungen- und Rippenfell), ggf. Stütz- und Bewegungsorganen (Gelenke, Sehnen, Bänder, Schleimbeutel), Untersuchung der Organblutflüsse mittels Farbduplex und DPI-Mode. Eine Schilddrüsenuntersuchung deckt nicht selten Schilddrüsenerkrankungen auf, die sich ggf. auch auf die Herz-Kreislauf-Funktion auswirken können; die Untersuchung des Bauchraumes erlaubt z.B. eine Erkennung von Stauungszeichen bei Rechtsherzinsuffizienz. Eine Sonographie der Pleura sollte routinemäßig bei jedem Herzpatienten durchgeführt werden, um zu klären, ob ggf. Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen zwischen Rippen- und Lungenfell) vorliegen.
  • Ultraschalluntersuchungen mit Signalverstärkern: Kapillargängige Signalverstärker (Ultraschallkontrastmittel) ermöglichen eine verbesserte Darstellung und Beurteilung des Blutflusses in Herz, Gefäßen und anderen Organen.
  • Röntgendiagnostik: Konventionelle Röntgenuntersuchungen der Brustorgane (Röntgen-Thorax), des Bauchraumes (Abdomen) und des Skelettsystems.
  • Magen- und Darmspiegelung (optional): Nicht in jeder Herz-Kreislauf-Klinik vorhanden bzw. erforderlich. Spiegelungen von Speiseröhre (Ösophagoskopie), Magen (Gastroskopie), Zwölffingerdarm (Duodenoskopie), Enddarm (Rektoskopie), unterem Dickdarm (Sigmoidoskopie), komplettem Dickdarm (hohe Koloskopie), vorzugsweise mittels digitaler Videoendoskopie
  • Labordiagnostik: Sämtliche routinemäßigen Blutanalysen sollten veranlassbar sein. Ein klinikeigenes Notfalllabor zur bedarfsweisen Sofortbestimmung klinisch wichtiger Laborwerte sollte zur Verfügung stehen.

Angiologische Zusatzdiagnostik in der kardiologischen Reha

Sofern neben einer herzbezogenen Ausrichtung auch ein gefäßmedizinischer Schwerpunkt besteht, sollte in der betreffenden Klinik die Möglichkeit gegeben sein, im Bedarfsfall neben den vorerwähnten gefäßbezogenen Ultraschallverfahren einige dynamische Funktionstests u.a. einzusetzen. Hier kommen in Betracht:

  • Elektronische Oszillographie und Oszillometrie, Rheographie: Aufzeichnung von Pulsationskurven in mehreren Etagen der Beine oder Arme
  • Akrale elektronische Oszillographie und Oszillometrie: Aufzeichnung von Pulsationskurven der Zehen und Finger
  • Rheografische Digitalarterienpulsschreibungen: Aufzeichnungen von Zehen- oder Fingerpulskurven
  • Pulswellenlaufzeitbestimmungen: Messungen der Zeitintervalle zwischen Herzaktionen und registrierbaren Pulswellen in den verschiedenen Etagen der Beine oder Arme
  • Periphere Arteriendruckmessungen: Messungen der Blutdrücke in den jeweiligen Arterien der Beine oder Arme
  • Lichtreflexionsrheographie: Beurteilung der Venenfunktion, insbesondere der Venenklappen
  • Venenverschlussplethysmographien: Verschiedene Untersuchungsverfahren zur Beurteilung des Venenflusses, speziell bei Thrombose, zur Beurteilung der arteriellen Ruhedurchblutung und arteriellen Durchblutungsreserve bei Durchblutungsstörungen.
  • Phlebodynamometrie: Messung der Veränderungen des peripheren Venendruckes bei Thrombosen
  • Kapillaroskopie: Mikroskopische Untersuchung der Kapillaren des Nagelfalzes bei Auflichtbeleuchtung zur Beurteilung der Mikrozirkulation
  • Laufbandergometrie zur diagnostischen Gehstreckenbestimmung: Messung der zurücklegbaren Gehstrecke bei arterieller Verschlusskrankheit, Verlaufsdokumentation bei Gefäßstraining

Sonstige Spezialuntersuchungen in der kardiologischen Reha

In Einzelfällen kann sich während der Herz-Reha die Notwendigkeit ergeben, bei dringlicher Indikationsstellung weitere Spezialuntersuchungen durchzuführen, die in der Mehrzahl der Rehabilitationseinrichtungen nicht vorhanden sind, jedoch in naher regionaler Anbindung realisierbar sein sollten. In diesem Zusammenhang sind unter anderem zu erwähnen:

  • Linksherzkatheter mit Koronarangiographie: Röntgenkontrastdarstellung der Herzkranzgefäße und Herzbinnenräume
  • Angiographie (DSA): Röntgenkontrastdarstellung der Gefäße
  • Stress-Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Belastungsbedingungen
  • Transoesophageale Echokardiographie (TEE): Ultraschalluntersuchung des Herzens über eine Spezialsonde, die in Speiseröhre und Magen eingeführt wird.
  • Myokardszintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung der Herzdurchblutung.

Autor:
Dr. med. J. Piper

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