Kardioversion | Die Wiederherstellung des Herzrhythmus

Kardioversion

Unter der Kardioversion versteht man die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus), wenn Herzrhythmusstörungen, wie Vorhofflimmern, Tachykardien oder Vorhofflattern vorliegen. Dabei wird zwischen der internen Kardioversion und der externen Kardioversion unterschieden.

Blausen 0169 Cardioversion

Externe Kardioversion

Mit der externen Kardioversion sollen Herzrhythmusstörungen beendet und das Herz wieder in den normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) überführt werden. Es handelt sich bei diesen Rhythmusstörungen um das so genannte Vorhofflimmern bzw. -flattern. Dabei schlagen die Herzvorhöfe schnell und unabhängig voneinander und unabhängig vom übrigen Herzschlag.

Die Folge ist, dass das Blut nicht in der „normalen“ Menge aus den Vorhöfen in die Herzkammern gepumpt wird. Dadurch können sich Blutgerinnsel (Thromben) in den Vorhöfen bilden. Auch kann das Herz nur noch eine geringere Menge Blut an die Organe abgeben, so dass eine Unterversorgung entsteht, die z.B. als Schwindel oder Atemnot auffällt. Außerdem kann in seltenen Fällen die Rhythmusstörung auch auf die Herzkammern weitergeleitet werden. Aus diesen Gründen sollte ein Vorhofflimmern möglichst schnell nach seiner Diagnose beendet werden. Gelingt dies nicht durch Medikamente, ist die externe Kardioversion eine gute Therapiemöglichkeit.

Um die Blutgerinnselbildung zu verhindern, muss zunächst das Blut durch Medikamente verdünnt werden. Um zu erkennen, ob sich bereits ein Blutgerinnsel in den Vorhöfen oder dem Herzohr gebildet hat, muss vor der Kardioversion eine transösophageale Echokardiografie (TEE, „Schluckecho“) durchgeführt werden. Sind bereits Thromben vorhanden, kann eine Kardioversion nicht durchgeführt werden, weil die Gefahr besteht, dass die Thromben mit Einsetzen des normalen Herzrhythmus in andere Organe geschwemmt werden und dort Durchblutungsstörungen (Embolie mit Hirninfarkt, Darminfarkt etc.) verursachen.


Erklärung zu Vorhofflimmern

Wie wird die externe Kardioversion durchgeführt?

Bei der Kardioversion wird im Einklang mit dem Herzrhythmus ein Stromschlag an das Herz abgegeben. Er erfolgt in den meisten Fällen von extern, also von außen her. Dafür werden zwei besondere Elektroden auf die Brustwand aufgeklebt, die an einen so genannten Defibrillator angeschlossen sind. Außerdem werden noch weitere Elektroden für die kontinuierliche EKG-Überwachung angebracht.

Die Kardioversion wird in Kurznarkose durchgeführt. Dafür werden über eine „Braunüle“ schnell wirkende Narkosemittel gegeben. Wie vor jeder Narkose darf auch hier acht Stunden vorher nichts gegessen und getrunken werden. Außerdem sollten Zahnprothesen vor der Narkose herausgenommen werden.

Sobald die Narkose eingesetzt hat, erfolgt die Abgabe des Stromschlags. In der Regel ist eine einmalige Schockabgabe mit 200 Joule ausreichend, um das Vorhofflimmern zu beenden. Sollte dies nicht der Fall sein, kann eine höhere Energiestufe, z.B. 360 Joule, gewählt werden.

Mögliche Komplikationen

Der Stromschlag selbst erfolgt nicht spürbar. Allerdings können an der Stelle der Defibrillatorelektroden Hautrötungen wie bei einem Sonnenbrand entstehen, die sich aber nach kurzer Zeit wieder zurückbilden. Hautpflegemittel können dies unterstützen.

Eine andere Komplikation kann entstehen, wenn das Herz nach dem Stromschlag erst nach einiger Zeit „wieder anspringt“. In diesem Falle liegt dann eine so genannte „Asystolie“ vor, in der für kurze Zeit kein Blut vom Herzen gepumpt werden kann. In einem solchen Fall wird das Herz kurzfristig von außen stimuliert, ähnlich wie mit einem Schrittmacher. Andererseits können auch durch die Schockabgabe Rhythmusstörungen entstehen, wie z.B. eine Kammertachykardie.

Eine erneute Schockabgabe kann solche Rhythmusstörungen aber in der Regel gut wieder beenden. In seltenen Fällen müssen zusätzlich Medikamente gegeben werden. Die Narkose und Untersuchung dauern ca. zwanzig Minuten. Anschließend muss wegen der Narkosemittel, die sich noch im Körper befinden, für einige Stunden Bettruhe eingehalten und es darf nichts gegessen und getrunken werden.

Welche Heilungsaussichten bestehen nach der externen Kardioversion?

Der Erfolg der Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Dauer des Vorhofflimmerns, der Grundkrankheit und dem Alter. Die Erfolgsrate liegt bei 70 – 80 %, ein gleichbleibender Sinusrhythmus über 12 Monate findet sich bei ca. 50 % der Patienten. Um eine erneutes Auftreten von Vorhofflimmern zu vermeiden, kann die Einnahme zusätzlicher Medikamente notwendig werden. Risikofaktoren für Vorhofflimmern wie z.B. Bluthochdruck müssen ebenfalls vermindert werden.

Ist die externe Kardioversion erfolglos, kann auch eine interne Kardioversion durchgeführt werden. Manchmal kann das Vorhofflimmern auch damit nicht beendet werden. In diesem Fall ist eine lebenslange Blutverdünnung mit Medikamenten, z.B. Marcumar ® notwendig.

Interne Kardioversion

Bei der internen Kardioversion handelt es sich um ein Verfahren der Kardiologie, bei dem durch einen Katheter ein Elektroschock abgegeben wird. Man behandelt damit Vorhofflimmern, das nicht durch das externe (äußere) Auflegen von Elektroden beendet werden kann.

Was passiert bei der internen Kardioversion?

Wie bei der elektrophysiologischen Untersuchung wird bei der internen Kardioversion eine Schleuse in die Leistenvene gelegt. Über diese Schleuse wird ein Katheter zum Herzen vorgeführt. Dabei befindet sich der Katheter zu jeder Zeit der Untersuchung in den rechten Herzhöhlen bzw. in den Pulmonalarterien, sodass eine Störung der Koronararterien nicht auftreten kann.

Es besteht dann die Möglichkeit, einen Elektroschock über diesen Katheter abzugeben. Durch diesen Elektroschock können zum Beispiel elektrisch unkoordinierte Vorhofaktionen, wie beim Vorhofflimmern, wieder in einen koordinierten, rhythmischen Sinusrhythmus überführt werden.

Welche Herzrhythmusstörungen kann man so behandeln?

Das wichtigste Behandlungsfeld für die interne Kardioversion ist das Vorhofflimmern, wenn eine externe Kardioversion zu keinem Erfolg geführt hat.

Welche Vorteile hat die interne Kardioversion im Vergleich zur externen Kardioversion?

Da die Energieabgabe direkt im Herzen erfolgt, sind wesentlich niedrigere Energieabgaben (17 Joule) als bei der externen Kardioversion (200, besser 360 Joule) erforderlich. Darüber hinaus können mit diesem Verfahren auch Patienten wieder in den Sinusrhythmus überführt werden, bei denen eine externe Kardioversion erfolglos war.

Bei der internen Kardioversion handelt es sich prinzipiell um ein sicheres elektrophysiologisches Verfahren. In sehr seltenen Fällen kann es jedoch durch den Katheter zu einer Verletzung des Herzmuskels kommen, was dann zu einem Herzbeutelerguss führen kann. Diese Komplikation ist jedoch sehr selten und kann durch eine Punktion beherrscht werden. Weitere Komplikationen sind durch den Katheter ausgelöste Herzrhythmusstörungen, die in einem Herzkatheterlabor jedoch behandelt werden können.

Autoren:
Dr. med. H. Wineke
K. Sattler

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