Medikamentenbeschichtete Stents

Medikamentenbeschichtete Stents stellen einen deutlichen Fortschritt in der Behandlung der koronaren Herzerkrankung dar, da sie die Wahrscheinlichkeit einer Wiederverengung des behandelten Herzkranzgefäßes gegenüber reinen Metallstents deutlich reduzieren können.

Jedoch benötigt nicht jeder Patient einen medikamentenbeschichteten Stent, manche Patienten sind dafür auch nicht geeignet. Patienten können sich vor einer Herzkatheteruntersuchung anhand von Aufklärungsbroschüren informieren und sollten auch ihren behandelnden Arzt fragen.

Hintergrund zur Stentimplantion

Die koronare Herzerkrankung mit ihren Folgen (z.B. akuter Herzinfarkt, Herzschwäche) steht heute, wie bereits seit über 10 Jahren, an erster Stelle der Todesursachenstatistik in Deutschland.

Die Behandlung der Krankheit orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung und basiert bei allen Patienten auf Lebensstiländerungen (u.a. Nikotinkarenz, Gewichtskontrolle, ausgewogene Kost). Eingesetzt werden zudem entsprechenden Medikamente (u.a. Aspirin, Betablocker, Statine, ACE Hemmer).

Bei fortgeschrittener koronarer Herzerkrankung ist jedoch die operative Behebung der Engstellen (Stenosen) an den Herzkranzarterien notwendig. Dies kann seit über 20 Jahren entweder im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung mittels Ballonaufdehnung und Implantation von metallischen Gefäßstützen (sogenannten Stents) oder durch eine Bypassoperation am offenen Herzen geschehen. Die weitaus häufigste Form der Behandlung von Stenosen der Herzkranzarterien ist die Stentimplantation mit etwa 300.000 durchgeführten Prozeduren im Jahr allein in Deutschland.

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Einsatz eines Stents in ein Herzkranzgefäß

Die bis zum Anfang dieses Jahrzehnts verwendeten Stents waren vornehmlich aus reinem Edelstahl gefertigt. Es zeigte sich jedoch bei etwa 20-30 % der Patienten eine bedeutsame Wiederverengung der Stents (Restenose), ausgelöst durch eine überschießende Narbenbildung der behandelten Herzkranzarterie.

Verwendung medikamentenbeschichteter Stents

Die Beschichtung von Metallstents mit Medikamenten (sogenannte medikamentenbeschichtete Stents) reduzieren die Häufigkeit der Wiederverengung nach Stentimplantation deutlich. Die Einführung medikamentenbeschichteter Stents stellt daher einen Meilenstein in der Entwicklung der interventionellen Kardiologie dar.

Nicht jeder Patient benötigt jedoch unbedingt einen medikamentenbeschichten Stent. In Deutschland erhalten nur etwa zwei von drei Patienten einen medikamentenbeschichteten Stent. Bei solchen Patienten, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Wiederverengung sehr niedrig ist, beispielsweise weil nur sehr kurze Engstellen (z.B. < 10mm) zu behandeln ist, kann in vielen Fällen auch auf einen medikamentenbeschichteten Stent verzichtet werden.

Mittlerweile sind in Deutschland über ein Duzend verschiedene medikamentenbeschichtete Stents erhältlich, wobei die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.v. nur vier dieser Stents mit einer hohen Evidenz empfiehlt.

Die Implantation medikamentenbeschichteter Stents

Medikamentenbeschichtete Stents werden im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung über einen Katheter in das betroffene Herzkranzgefäß gebracht und dort mit Hilfe eines Ballons aufgedehnt. Der Patient ist während der gesamten Untersuchung ansprechbar und benötigt lediglich eine örtliche Betäubung im Bereich des Gefäßzugangs.

Dieser Zugang zu den Koronargefäßen des Patienten erfolgt entweder über eine Beinarterie in der Leiste oder eine Arterie am Handgelenk. In seltenen Fällen wählt der Operateur auch eine Arterie in der Armbeuge.

Nachdem ein entsprechender Katheter am Eingang des betroffenen Herzkranzgefäßes platziert wurde, muss ein sehr feiner Draht über die Engstelle hinweg in das Gefäß vorgeschoben werden. Danach wird entweder die Engstelle mit einem Ballon zunächst gedehnt oder der Stent direkt mit Hilfe eines darunterliegenden Ballons aufgedehnt. Der übliche Durchmesser eines aufgedehnten Stents liegt zwischen 2.5 und 4.0 mm.

Das Vorbringen der Katheter sowie der Drähte, Ballons und Stents erfolgt unter Röntgenkontrolle und der Gabe von Kontrastmittel. Nach erfolgreichem Einbau (Implantation) des Stents können dann der Draht und danach auch der Katheter zurückgezogen werden.
medikamentenbeschichtete-Stents

Komplikationen und Nachbehandlung bei medikamentenbeschichteten Stents

Komplikationen bei medikamentenbeschichteten Stents sind selten und entsprechen seitens des Vorgehens (z.B. Nachblutungen im Bereich der Punktion) denen von reinen Metallstents. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass gerinnungshemmende Medikamente bei Verwendung von medikamentenbeschichteten Stents länger und mit noch größerer Sorgfalt als bei reinen Metallstents einzunehmen sind. Dies betrifft einerseits das Aspirin, welches die meisten Patienten mit koronarer Herzerkankung lebenslang zu sich nehmen müssen.

Entscheidend ist, dass ein weiteres blutplättchenhemmendes Medikament (Clopidogrel: Handelsnamen Plavix®/ Iscover® oder Prasugrel: Handelsname Efient®) mindestens für ein halbes Jahr und in vielen Fällen auch für ein ganzes Jahr erfolgen sollte. Vor allem bei verfrühtem Absetzen eines der Medikamente kann es zu einem abrupten Verschluss des Stents kommen (sogenannte Stentthrombose), im Rahmen dessen mindestens die Hälfte der Patienten einen Herzinfarkt erleidet. Die Wahrscheinlichkeit hierfür liegt jedoch bei weit unter 1%/ Jahr.

Wichtig ist auch zu wissen, dass auch bei Patienten mit medikamentenbeschichtetem Stent eine Wiederverengung des behandelten Herzkranzgefäßes auftreten kann. In vielen Fällen macht sich dies durch eine erneute Brustenge (Angina pectoris) oder Luftnot bei Belastung bemerkbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederverengung ist jedoch wesentlich geringer als bei reinen Metallstents.

Bei Patienten, die auf die Einnahme von Marcumar angewiesen sind (z.B. nach Herzklappenoperation mit mechanischer Klappe oder Patienten mit Vorhofflimmern) sollte die Verwendung von medikamentenbeschichteten Stents gut überdacht werden, da unter Marcumar, Aspirin und weiteren notwendigen plättchenhemmenden Substanz (Clopidogrel oder Prasugrel) das Blutungsrisiko doch deutlich ansteigt. Der behandelnde Arzt bespricht die Auswahl des bestgeeigneten Stents wenn möglich noch vor oder während der Untersuchung mit Ihnen.

Nach einer erfolgreichen Stentimplantation sollten Patienten regelmäßig ihren Kardiologen aufsuchen.

Autor:
Prof. Dr. med. Peter W. Radke