Mikrochirurgische Revaskularisation der Handarterien

Mikrochirurgische Revaskularisation der Handarterien

Eine Vielzahl von gefäßbedingten Durchblutungsstörungen der Hand kann nicht medikamentös behandelt werden. Hierbei erweist sich eine mikrochirurgische Revaskularisation als wirksamste Therapie. Die mikrochirurgische Revaskularisation der Handarterien ist effektiv und erzielt erfahrungsgemäß gute Langzeitergebnisse.

Hintergrund der mikrochirurgischen Revaskularisation der Handarterien

Krankhafte Veränderungen der handversorgenden Schlagadern (Arterien) führen zu Durchblutungsstörungen. Diese können entweder durch Erkrankungen der Gefäße (ohne jegliche äußere Einflüsse) oder traumatisch bedingt (durch Gewalteinwirkung von außen) entstehen. Dabei können die Gefäße verstopfen, sich verengen oder stellenweise weiten (Aneurysma). Die Symptome – darunter Weißfärbung, Blässe, Kälte- und Taubheitsgefühl der Finger, belastungsabhängige Schmerzen sowie Wundheilungsstörungen – sind meistens schwerwiegend und beeinträchtigen die Lebensqualität.

Es gibt eine Vielzahl von Gefäßerkrankungen der Hand, die jedoch unterschiedlich behandelt werden müssen. Je nach Art und Schweregrad der Erkrankung erfolgt die Therapie entweder konservativ, dies bedeutet medikamentös, oder operativ. Seit Kurzem wird bei geeigneten Krankheitsfällen auch eine Ballon-Erweiterung (Ballon-Angioplastie) durchgeführt.

Eine der operativen Methoden, die Durchblutung der betroffenen Arterien wiederherzustellen, ist die mikrochirurgische Revaskularisation. Da die Gefäße in der Hand in der Regel nur einen Durchmesser von 1- 2,5 Millimetern haben und erforderliche Nähte dünner sind als ein einzelnes Haar, verwendet der Operateur eine Lupenbrille. Detaillierte Kenntnisse der komplexen Gefäßmuster und ihrer möglichen Variationen sind bei der mikrochirurgischen Revaskularisation zwingend.

Für die Blutversorgung der Hand sind die Ellen- (Arteria ulnaris) und die Speichenarterie (A. radialis), beides Äste aus der Oberarmarterie, zuständig. Die Ellenarterie geht dabei in der Handfläche in den oberflächlichen Hohlhandbogen (OHB) über. Aus ihm zweigen wiederum die gemeinsamen Digital-Arterien (GDA) ab. Die Blutversorgung der Finger erfolgt anhand der Digital-Arterien (DA), die aus den GDA entspringen. Die Speichenarterie bildet den versteckt liegenden tiefen Hohlhandbogen (THB), der in der Regel je eine Hälfte des Daumens und Zeigefingers mit Blut versorgt. Tastet man übrigens am Handgelenk den Puls, so fühlt man in der Regel die Speichenarterie.

Die vier grundlegenden Techniken der mikrochirurgischen Revaskularisation der Handarterien

Bei der mikrochirurgischen Revaskularisation gibt es vier grundlegende Operationstechniken, die je nach Erkrankungsbild angewendet werden. Die erste Operationstechnik ist das Bypass-Verfahren. Hierbei verbindet der Operateur den gesunden Gefäßbereich ober- und unterhalb der verstopften Stelle mithilfe einer „Überbrückung“. Als Material dafür dient ein Stück Eigenvene aus dem Unterarm des Patienten.

Bei der zweiten Operationsmethode wird ein vorhandenes Aneurysma vollständig entfernt und die gesunden Gefäßränder werden miteinander vernäht. Ist der Abstand zwischen den Gefäßrändern zu groß und ein Zusammenführen nicht möglich, wird die dritte Operationsmethode – der Gefäßersatz (Interponat) – angewendet. Zu diesem Zweck verwendet der Operateur wie beim Bypass-Verfahren die eigene Vene des Patienten.

Als letzte Technik ist die Patch-Plastik zu erwähnen. Dabei wird das Gefäß, das sich über eine kurze Strecke verengt hat, mithilfe eines „Flickens“ aus eigenem Venenmaterial geweitet. Die Patch-Plastik wird allerdings im Rahmen der mikrochirurgischen Revaskularisation der Hand am seltensten angewendet.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei der mikrochirurgische Revaskularisation der Handarterien

Wie bei jeder Operation können unter Umständen Komplikationen, bei diesem Eingriff etwa in Form eines Gefäßverschlusses oder einer Wundheilungsstörung, auftreten. Erfahrungsgemäß sind diese jedoch bei einer sorgsam und qualifiziert durchgeführten Revaskularisation äußerst selten.

Nachbehandlung bei der mikrochirurgischen Revaskularisation der Handarterien

Nach einer kurzen Verweildauer, in der Regel drei bis fünf Tage, kann der Patient aus der Klinik entlassen werden. Um den bestmöglichen Erfolg der Operation zu gewährleisten, empfiehlt es sich, dauerhaft Blutverdünnungsmittel (zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder einen ähnlichen Wirkstoff) einzunehmen. Weiterhin ist eine regelmäßige Ultraschall-Untersuchung der Handarterien ratsam.

Fallbeispiel I zur mikrochirurgischen Revaskularisation der Handarterien

Die Patientin klagte seit sechs Wochen über Schmerzen in der Hohlhand. Beruflich, so berichtete die 41-Jährige, hatte sie täglich Polierarbeiten zu erledigen. Bei der Untersuchung zeigte sich in der Hohlhand eine deutlich sichtbare 10×15 Millimeter große, schmerzhaft pulsierende Schwellung. Die Ultraschall-Untersuchung wies ein Aneurysma im OHB am Übergang zur Ellenarterie auf. Eine Angiographie bestätigte diesen Befund. Die Diagnose lautete Hypothenar-Hammer-Syndrom. Ausgelöst hatte dies die berufliche Tätigkeit der Patientin – durch das tägliche Polieren war ihre Hand dauerhaft einem Druck-Reiz ausgesetzt. Bei diesem wiederholt auftretenden Trauma war ihr OHB am Übergang zur Ellenarterie immer wieder an den hervorstehenden Handwurzelknochen gepresst worden.

Ein solches Krankheitsbild kann alle Menschen treffen, deren Hände bei sportlichen oder handwerklichen Tätigkeiten einem Druck ausgesetzt sind. Im Klartext: Bei Handwerkern, Golfspielern, Zimmermädchen, Mountainbikern, Karate-Sportlern etc. kann das Hypothenar-Hammer-Syndrom auftreten. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann die Hand unter Umständen nicht mehr eingesetzt werden.

Bei der Therapie der Patientin wurde das Aneurysma, das durch das Dauer-Trauma entstanden war und sich mit einem Blutgerinnsel gefüllt hatte, entfernt. Als nächstes wurden beide Gefäßenden des Hohlhandbogens mit einer filigranen End-zu-End Naht zusammengeführt. Sofort nach der Operation war die Patientin beschwerdefrei. Zwei Tage nach der Revaskularisation zeigte die CT-Angiographie eine einwandfreie Durchblutung der Hand.

Fallbeispiel II zur mikrochirurgischen Revaskularisation der Handarterien

Die 54-jährige Patientin stellte sich mit erheblichen Schmerzen in der linken Hand in unserer Klinik vor. Außer diesem Symptom litt die Patientin an der linken Zeigefingerkuppe an einer Wundheilungsstörung: das Gewebe unter ihrem Nagel war abgestorben (trockene Nekrose).

Bei der Ultraschall-Untersuchung ihrer Handarterien stellte sich eine schwerwiegende Durchblutungsstörung heraus. Anhand einer weiteren Diagnostik, der Kontrastmitteldarstellung (Angiographie), zeigte sich, dass die Ellen- und Speicherarterie am Handgelenk verschlossen waren. Weiterhin belegte die Angiographie, dass THB und OHB ebenso teilweise verschlossen waren. Auch die GDA und DA waren massiv betroffen.

Anhand der Ergebnisse aus diesen Untersuchungen stellten wir die Indikation für die mikrochirurgische Revaskularisation durch einen Bypass. Zuerst wurde ein Zickzack-förmiger Hautschnitt im Bereich der Hohlhand gemacht. Anschließend wurden die Gefäße freigelegt. In einem nächsten Schritt wurde der Bypass von der Speichenarterie oberhalb ihres Verschlusses bis zum OHB und der GDA angelegt. Dieser Eingriff erfolgte unter 2,5-facher Vergrößerung mittels einer Lupenbrille. Unmittelbar nach der Operation berichtete die Patientin über eine Minderung der Schmerzen, an denen sie vor der Operation aufgrund mangelnder Durchblutung gelitten hatte. Drei Tage nach dem Eingriff zeigte die Kontroll-Angiographie eine einwandfreie Bypass-Funktion mit einer deutlich verbesserten Durchblutung der Hand, insbesondere des Zeigefingers. Zwei Wochen nach der Operation war die Wundheilstörung am Zeigefinger vollständig verheilt.

Autor:
Dr. med. Shoaeddin Damirchi

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