PTCA (Koronarangioplastie) | Anwendung, Funktionsweise und Nutzen

PTCA (Koronarangioplastie)

Die sogenannte Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie, kurz PTCA, stellt eine Möglichkeit zur Erweiterung von Engstellen der Herzkranzarterien mittels Katheter dar. Die Wortteile leiten sich aus dem Lateinischen ab: perkutan bedeutet dabei „durch die Haut“, d.h. durch Gefäßpunktion; transluminal bedeutet „über die Gefäßbahn“, d.h. mittels Katheter. Angioplastie bedeutet „Gefäßwiederherstellung“ durch den Ballonkatheter. Eine PTCA wird auch als Koronarangioplastie, Ballondilatation oder Ballonangioplastie bezeichnet.

Wann wird eine PTCA (Koronarangioplastie) durchgeführt?

Gefäßalterungsprozesse (Atherosklerose) führen zu Ablagerungen in den Herzkranzarterien, so genannten Plaques. Sie werden durch verschiedene Risikofaktoren wie z.B. Rauchen, cholesterinreiche Ernährung oder Zuckerkrankheit beschleunigt. Erreichen Plaques eine bestimmte Größe, entsteht eine Verengung der Herzkranzarterie (Stenose) und die Durchblutung des Herzmuskels wird vermindert. Die Leistungsfähigkeit des Herzens ist vermindert.

Blausen 0257 CoronaryArtery Plaque
Ablagerungen in einem Herzkranzgefäß

Typische Beschwerden treten zunächst vor allem bei körperlicher Belastung als Druck/Beklemmungsgefühl hinter dem Brustbein auf, was bis in den Unterkiefer und den linken Arm ausstrahlen kann (Angina Pectoris). Schließlich kann bei kompletter Unterbrechung des Blutflusses in der Herzkranzarterie ein Herzinfarkt entstehen.

Wie funktioniert die PTCA (Koronarangioplastie)?

Der Ablauf der PTCA ähnelt zunächst dem der Herzkatheteruntersuchung.

Einführung eines Katheters in die Herzkranzgefäße

Nach gründlicher Betäubung und Desinfektion der Leistenregion wird die Leistenarterie punktiert und ein Kunststoffschlauch (Schleuse) in die Arterie eingelegt. Über diese Schleuse wird ein Katheter entgegen dem Blutstrom zum Herzen geführt und in die Öffnung der Herzkranzarterie einlegt. Durch das Innere dieses Katheters werden dann kleinere Katheter in die Herzkranzarterie vorgeschoben, um die Engstelle aufzudehnen. Daher wird dieser Katheter auch als Führungskatheter bezeichnet. Um die Bildung von Gerinnseln im Herzkranzgefäß zu verhindern, wird ein Medikament (Heparin) gegeben.

Zunächst muss die durch Plaques entstandene Engstelle unter Röntgenkontrolle mittels eines sehr dünnen, biegsamen Drahts, der einen Durchmesser von nur 0,1mm hat, passiert werden. Dies ist die Grundvoraussetzung für die spätere Aufdehnung der Engstelle, da der Draht im weiteren als Führungsschiene, vergleichbar mit einer Straßenbahnschiene, für den Ballonkatheter benutzt wird. Ist die Engstelle überwunden, wird der Draht bis weit in die Herzkranzarterie vorgeschoben. Über diesen Draht wird ein Ballonkatheter zur Engstelle vorgeführt.

Einsatz des Ballonkatheters

Dieser Ballonkatheter ist ein dünner Katheter, der einen Durchmesser von ca. 1 mm besitzt, an dessen Ende sich ein mit Flüssigkeit aufdehnbarer Ballon befindet, der zunächst zusammengefaltet ist. Ist der Ballon an der richtigen Position, d.h. in der Engstelle, wird er mit einem Gemisch von Röntgen-Kontrastmittel und steriler Kochsalzlösung aufgedehnt. Dabei wird je nach der Härte und Verkalkung der Verengung ein Druck von bis zu 25 bar auf die Engstelle ausgeübt. Im Vergleich dazu beträgt der Druck in einem Autoreifen 1,8 bis 3,0 bar, beim Fahrradreifen ca. 8 bar. Bei der Ballonaufdehnung (Ballondilatation) wird die Dehnbarkeit des Gefäßes ausgenutzt und das Gefäß überdehnt. Die Verengung wird in die Gefäßwand gepresst.

Balloon-Tipped Catheter
Darstellung der Funktionsweise eines Ballonkatheters

Nach ca. 10 – 60 Sekunden wird der Ballon abgelassen und zurückgezogen. Das Ergebnis wird mittels Röntgen-Kontrastmittel kontrolliert. Während der Aufdehnung (Ballondilatation) ist der Blutfluss in der Herzkranzarterie unterbrochen, sodass Beschwerden als Druckgefühl hinter dem Brustbein oder in der linken Brust (Angina Pectoris) auftreten können. In seltenen Fällen spürt der Patient die eigentliche Gefäßdehnung. Nach Ablassen des Ballons bessern sich diese Beschwerden in der Regel sofort, allerdings kann ein geringes Druckgefühl noch bis zu 24 Stunden anhalten.

Zumeist wird heute im Anschluss an die PTCA (Koronarangioplastie) oder auch direkt eine Gefäßstütze eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein dünnes Drahtgeflecht (Stent), das auf einen Ballonkatheter in zusammengefaltetem Zustand aufgesetzt ist. Durch Aufdehnung des Ballons wird das Drahtgeflecht an die Gefäßwand gepresst und das Gefäß ähnlich wie beim Tunnelbau aufgespannt.

PTCA stent NIH
Einsatz eines Stents nach der PTCA

Wie sieht die Nachbehandlung nach der PTCA (Koronarangioplastie)aus?

Nach der PTCA (Koronarangioplastie) wird die Schleuse in der Leiste entweder sofort oder am nächsten Tag entfernt und die Punktionsstelle verschlossen; dies ist abhängig vom jeweiligen Zentrum. Danach erfolgt eine Überwachung auf der (Intensiv-) Station mittels EKG und Blutkontrollen. Bei erneutem Auftreten von thorakalen Beschwerden sollten Sie sofort den Arzt informieren. Eine Entlassung ist in der Regel bereits am nächsten Tag möglich, sofern sich keine Komplikationen eingestellt haben.

Eine Kontrolle der Aufdehnung mittels Herzkatheter nach 6 Monaten ist empfehlenswert, da Wiedereinengungen in 20 – 30 % auftreten können. Bei Auftreten neuer Herzbeschwerden innerhalb dieser 6 Monate ist ggf. eine vorzeitige Kontrolle erforderlich. Ist eine Wiedereinengung vorhanden, muss eventuell mittels erneuter PTCA (Koronarangioplastie) nachgearbeitet werden. Bei einem guten Aufdehnungsergebnis nach 6 Monaten ist die Behandlung abgeschlossen. Eine weitere Herzkatheteruntersuchung ist dann nicht nötig. Die tägliche Einnahme von ASS (Aspirin ®) sollte lebenslang weitergeführt werden. Eine weitere Herzkatheteruntersuchung ist nur bei erneutem Auftreten von Herzbeschwerden erforderlich.

Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei Verengungen der Herzkranzarterien, die nachweislich die Durchblutung des Herzens einschränken, sollte eine Wiederherstellung der Herzdurchblutung angestrebt werden. Das Ziel ist, die Beschwerden zu lindern und einen Herzinfarkt oder Spätkomplikationen wie Herzmuskelschwäche zu verhindern. Die medikamentöse Behandlung sieht vor allem Medikamente vor, die zu einer Entspannung der Gefäße führen. Die Behandlung mittels Katheter kann neben der Koronarangioplastie auch durch eine Stentimplantation, Laserangioplastie oder Rotablation erfolgen.

Sind allerdings alle drei Herzkranzarterien verengt oder liegt die Verengung ungünstig, z.B. im Bereich der Hauptaufzweigung (Hauptstamm) der Herzkranzarterien, muss eine Bypassoperation durch den Herzchirurgen durchgeführt werden. Auch bei bestehender Zuckerkrankheit sollte man eine Bypassoperation im Betracht ziehen. Bei diesem Eingriff wird die Verengung durch einen Bypass (Beinvene oder Brustwandarterie) überbrückt und die Durchblutung so wiederhergestellt.

Welche Komplikationen können bei einer PTCA (Koronarangioplastie) auftreten?

In seltenen Fällen (< 5 %) können bei einer PTCA Komplikationen wie Herzschmerzen während der Ballonaufdehnung, Herzrhythmusstörungen oder ein Verschluss des aufgedehnten Gefäßes mit Herzinfarkt auftreten. Des Weiteren können durch eine PTCA Komplikationen im Bereich der Leistenarterie oder Überempfindlichkeitsreaktionen gegen das Kontrastmittel ähnlich wie bei der Herzkatheteruntersuchung auftreten.

Autoren:
Dr. med. Eggebrecht
Prof. Dr. med. R. Erbel

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