Renale Denervation | Definition, Ablauf und mögliche Komplikationen

Renale Denervation

Mit der interventionellen renalen Sympathikusdenervation, kurz renale Denervation, steht ein neues und vielversprechendes Verfahren zur Behandlung von Patienten mit medikamentös nicht einstellbaren Bluthochdruck-Erkrankungen zur Verfügung. Fallen die laufenden klinischen Studien positiv aus, wird sich die interventionelle renale Sympathikusdenervation (renale Denervation) in der regulären Therapie dieser Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko etablieren. Dies würde eine entscheidende Verbesserung in der Behandlung dieser Patienten bedeuten. Zunächst bleibt das Verfahren Patienten mit therapieresistenter Hypertonie vorbehalten.

Hintergrund der interventionellen renalen Sympathikusdenervation: Bluthochdruck und therapierefraktäre arterielle Hypertonie

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und häufigste Todesursache in Deutschland. Viele Betroffene kennen ihr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht und kommen oft erst dann zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn schon manifeste Gesundheitsschäden bestehen. Nur etwa 50 % der Bluthochdruckerkrankungen werden entdeckt und nur 25 % der Patienten werden adäquat behandelt.

Eine besonders gefährliche Bluthochdruckform stellt die so genannte therapierefraktäre arterielle Hypertonie dar. Diese liegt vor, wenn sich unter einer Therapie mit drei blutdrucksenkenden Medikamenten keine ausreichende Blutdrucksenkung erzielen lässt (<140/90 mmHg). Die meisten Patienten, die an einer solch schweren Bluthochdruckform leiden, nehmen viele blutdrucksenkende Medikamente ein – häufig jedoch ohne merklichen Erfolg. Die Ursachen einer therapierefraktären Hypertonie sind multifaktoriell bedingt. In den meisten Fällen lässt sich keine organische Ursache, wie zum Beispiel eine Hormonstörung durch Nebennierentumore, Überfunktionen der Schilddrüse, Verengungen der Nierenarterien etc., feststellen.

Pathophysiologisch kommt der Überaktivität des Stressnervensystems (Sympathikus) sowohl bei der Blutdrucksteigerung als auch bei der häufigen Entwicklung von Endorganschäden und Begleiterkrankungen – wie beispielsweise Herzschwäche, Herzinfarkte, Nierenschwäche, Diabetes, usw. – eine entscheidende Bedeutung zu. Die sympathischen Nierennervenfasern verbinden das Gehirn mit der Niere und legen sich netzartig um die Nierengefäße. Die Regulation des Stressnervensystems ist bei Patienten mit Bluthochdruck häufig gestört und die Niere schüttet vermehrt Stresshormone wie zum Beispiel Adrenalin aus. Das überaktive Stressnervensystem macht sich unter anderem durch Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Getriebenheit, Nervosität, Kopfschmerzen, etc. bemerkbar und wird von den Patienten häufig als sehr unangenehm empfunden.

Aus tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen ist bekannt, dass die Aktivität des gesamten Stressnervensystems maßgeblich von den Nierennervenfasern bestimmt wird. Dass hier mögliche invasive therapeutische Ansätze zur Behandlung der schweren arteriellen Hypertonie liegen, ist schon lange bekannt. Bis in die 1950er Jahre galt eine operative subdiaphragmatische Splanchniektomie, also eine operative Durchtrennung dieser Nervenfasern, als ultima ratio zur Behandlung des schweren Bluthochdrucks. Durch diesen großen chirurgischen Eingriff konnten drastische Blutdrucksenkungen von über 50 mmHg erzielt werden. Durch die radikale und nicht selektive Durchtrennung der Nerven kam es nach dem Eingriff häufig zu Komplikationen wie Lagerungsschwindel, kurzfristige Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, erektile Dysfunktion und Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt. Neuerdings steht uns ein neuartiges minimal-invasives Verfahren zur selektiven Verödung dieser Stressnervenfasern – die so genannte interventionelle renale Sympathikusdenervation – zur Verfügung.

Folgen der interventionellen renalen Sympathikusdenervation (renalen Denervation)

Nach dem Eingriff kommt es bei ca. 90 % der behandelten Patienten zu einer durchschnittlichen Blutdrucksenkung von etwa 25-40 mmHg. Langzeituntersuchungen zeigen, dass dieser Effekt über einen Beobachtungszeitraum von mindestens 24 Monaten anhält. Neben der Abnahme des Blutdrucks berichten viele Patienten über ein verbessertes Schlafverhalten, eine Reduktion der inneren Unruhe sowie ein Rückgang der Kopfschmerzen. Zunächst wird die medikamentöse Therapie nach dem Eingriff unverändert fortgeführt. Ist die Blutdrucksenkung jedoch ausreichend, kann die Tabletteneinnahme reduziert werden. Wie Forscher des Universitätsklinikums des Saarlandes erstmals weltweit feststellen konnten, hat die renale Sympathikusdenervation auch einen positiven Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinhaushalt.

Ablauf der interventionellen renalen Sympathikusdenervation (renalen Denervation)

Über einen Zugang in der Leiste wird ein Hochfrequenzstromablationskatheter in das Nierengefäß eingebracht. Dieser dünne Katheter trägt an der Spitze eine Elektrode, über die ein hochfrequenter Strom abgegeben werden kann. Der Katheter wird spiralförmig an verschiedenen Punkten an der Gefäßwand platziert. Der abgegebene Strom erhitzt das Nierengefäß auf der Außenseite, während es von innen durch den hohen Blutfluss gekühlt wird. Hierdurch werden die um das Nierengefäß verlaufenden Nervenfasern verödet und die Niere somit vom Stressnervensystem entkoppelt. Die gesamte Prozedur dauert etwa 45 Minuten und wird an beiden Nieren über einen Zugang in der Leiste durchgeführt.

Während der Prozedur ist der Patient wach, erhält eine örtliche Betäubung im Bereich der Leiste. Da die zu verödenden Stressnervenfasern von Schmerzfasern begleitet werden, treten während der Stromabgabe kurzzeitig und nur für die Dauer der Stromabgabe (2 Minuten) Schmerzen auf. Der Patient erhält daher ein Schmerzmittel über die Vene.

Bereits ein bis zwei Tage nach dem Eingriff kann der Patient das Krankenhaus verlassen. Im Anschluss an den Eingriff erfolgt die regelmäßige Nachuntersuchung der Patienten, in der Regel alle 3 Monate im ersten Jahr nach dem Eingriff.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei der interventionellen renalen Sympathikusdenervation (renalen Denervation)

Der Eingriff ist als risikoarm anzusehen und die Risiken sind vergleichbar mit denen einer anderen invasiven Gefäßuntersuchung – wie beispielsweise einer Herzkatheteruntersuchung. Mögliche Komplikationen ergeben sich unter anderem aus dem Zugang zum Gefäßsystem über die Leiste, der Gabe von Kontrastmitteln, der Platzierung des Katheters im Nierengefäß etc. Aus den Untersuchungen der bisher behandelten Patienten weiß man, dass der Eingriff zu keinen bleibenden, erkennbaren Veränderungen an den Nierengefäßen führt. Dass die Niere auch ohne die Stressnervenfasern funktionstüchtig bleibt, ist seit der Durchführung von Nierentransplantationen gut bekannt. Trotz der durchtrennten Nervenfasern nach einer Transplantation nimmt die Spenderniere im Empfänger ihre Funktion auf.

Autoren:
Dr. med. Felix Mahfoud
Prof. Dr. med. Michael Böhm

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