Rotablation


Die Rotablation (Rotation = Umdrehung, Ablation = Abtragung) wird neben der herkömmlichen Ballonaufdehnung und der Stentimplantation zur Behandlung von Herzkranzgefäßverengungen eingesetzt.

Einer Ballonaufdehnung gelingt es häufig nicht, besonders stark verkalkte Engstellen ausreichend aufzudehnen. In diesen Fällen kann durch die Rotablation eine Abtragung dieser unelastischen Verkalkungen erreicht werden, sodass anschließend eine Ballonaufdehnung durchgeführt werden kann. Insgesamt wird die Rotablation eher selten in speziellen Zentren durchgeführt, da es sich um ein technisch aufwendiges Verfahren handelt.

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Funktionsweise der Rotablation

Die Rotablation wird mittels eines speziellen Katheters durchgeführt: An dessen Vorderseite befindet sich ein elliptisch geformter, mit feinem Diamantstaub besetzter Bohrkopf. Es stehen verschiedene Bohrkopfgrößen von 1,25 – 2,5 mm zur Verfügung. Der Bohrkopf ist mit einem beweglichen Antriebsschaft verbunden. Eine Turbine bringt den Bohrkopf über den Antriebsschaft in eine drehende Bewegung mit bis zu 200.000 Umdrehungen pro Minute, d.h über 3.000 Umdrehungen pro Sekunde. Bei der Abtragung der Engstelle enstehen kleinste „Späne“, die das Herz passieren können und in der Lunge durch den Körper wiederaufgenommen werden.

Zunächst wird über die Leistenarterie ein Katheter zu der entsprechenden Herzkranzarterie geführt. Durch das Innere dieses Katheters werden dann kleinere Katheter, u.a. auch der Bohrkatheter, in die Herzkranzarterie vorgeschoben. Daher wird der erste Katheter auch als Führungskatheter bezeichnet. Ein sehr dünner Draht, der in die Herzkranzarterie eingelegt wird, dient ähnlich wie bei der Ballonaufdehnung als Leitschiene für den Bohrkopf. Der Bohrkopf wird vor der Engstelle in Position gebracht.

Anschließend wird die Engstelle durch langsames und vorsichtiges Vorführen des sich drehenden Bohrkopfes praktisch abgeschliffen. Dabei entsteht ein für den Patienten hörbares Geräusch, das an einen Zahnarztbohrer erinnert. Üblicherweise wird nur eine kurze „Bohrung“ für ca. 10 Sekunden vorgenommen. Beginnend mit der kleinsten Bohrkopfgröße kommen in der Folge größere Köpfe zum Einsatz.

Nach der Rotablation ist die verkalkte Engstelle in der Regel soweit abgetragen, dass eine weitere Aufdehnung mit einem Ballonkatheter oder eine Stentimplantation erfolgen kann.

Balloon-Tipped Catheter
Ballonaufdehnung an den Herzkranzgefäßen

Weitere Behandlungsmöglichkeiten von Herzkranzarterienverengungen

Neben der Rotablation kann eine Behandlung von Herzkranzarterienverengungen auch mittels Ballonaufdehnung, Stentimplantation oder Laserangioplastie erfolgen. Die Anwendung der Rotablation ist vor allem bei stark verkalkten Verengungen besonders günstig. Sind allerdings alle drei Herzkranzarterien verengt oder liegt die Verengung ungünstig, z.B. im Bereich der Hauptaufzweigung der Herzkranzarterien, muss eine Bypass-Operation durch den Herzchirurgen durchgeführt werden.

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Mögliche Komplikationen bei der Rotablation

Bei der Rotablation werden vor allem Gefäßverkrampfungen und Herzrhythmusstörungen beobachtet. Gefäßverkrampfungen können bis hin zu einer kurzzeitigen Unterbrechung des Blutflusses in der Herzkranzarterie führen. Um den Verkrampfungen vorzubeugen, wird ein Medikament über die Vene gegeben, das die Gefäße entspannt. Herzrhythmusstörungen treten vor allem bei der Rotablation in der Herzhinterwandarterie auf. Um das Risiko zu vermindern, werden entsprechende Medikamente gegeben und die „Bohrzeiten“ so kurz wie möglich gehalten.

Durch die sichere Führung des Bohrkopfes über den Draht im Inneren der Arterie treten nur sehr selten Verletzungen an der Herzkranzarterie auf. Herzschmerzen während der Behandlung müssen Sie sofort Ihrem Arzt mitteilen, da dann unter Umständen die Rotablation unterbrochen werden muss. Die weitere Behandlung der Engstelle wird dann mittels Ballonaufdehnung und/oder Stentimplantation fortgesetzt.

Desweiteren können Komplikationen im Bereich der Leistenarterie oder Überempfindlichkeitsreaktionen gegen das Kontrastmittel ähnlich wie bei Herzkatheteruntersuchungen auftreten. Wird ein Stent eingesetzt, sind zudem weitere Komplikationen möglich.

Autoren:
Dr. med. Eggebrecht
Prof. Dr. med. R. Erbel