Wiedereröffnung chronisch verschlossener Herzkranzgefäße

Wiedereröffnung chronisch verschlossener Herzkranzgefäße

Die Wiedereröffnung eines chronischen Verschlusses der Herzkranzgefäße erfordert eine sehr aufwändige Technik. In Herzkatheterlaboren ohne große Erfahrung mit diesen Verschlüssen gelingt die Wiedereröffnung nur in 60 % aller Fälle. Die Patienten sind nach einem erfolgreich eröffneten Gefäßverschluss praktisch sofort wieder belastbar.

Was sind chronisch verschlossene Herzkranzgefäße?

Ein chronisch verschlossenes Herzkranzgefäß ist ein kompletter Verschluss, der mindestens 3 Monaten alt ist, oft mehrere Jahre, bis er bei einer Herzkatheteruntersuchung entdeckt wird. Man findet diese Verschlüsse recht häufig bei jedem fünften Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung. Oft ist kein Herzinfarkt vorausgegangen, da sich Umgehungskreisläufe (Kollateralen) ausgebildet haben, die einen Infarkt verhindern konnten.

Verschlossenes Herzkranzgefäß
Engstelle an einer Herzkranzarterie

Symptome chronisch verschlossener Herzkranzgefäße

Häufig klagen Betroffenen über eine eingeschränkte Belastbarkeit und Luftnot. Eine Angina pectoris kommt eher selten vor.

Bei Belastungsuntersuchungen findet man fast immer eindeutige Durchblutungsstörungen. Vor allem birgt ein unbehandelter Verschluss auch für die Zukunft Gefahren: Bei einem zukünftigen Herzinfarkt in einem der anderen Herzgefäße sterben Patienten mit einem zusätzlichen chronischen Verschluss dreimal häufiger. Konkret überleben nur 2 von 3 Patienten einen Infarkt für mehr als ein Jahr.

Die Wiedereröffnung chronisch verschlossener Herzkranzgefäße

Trotz der Häufigkeit dieser speziellen Form der koronaren Herzveränderung werden die Patienten nicht immer behandelt, in Deutschland wird nur jeder vierte Verschluss eröffnet. Dies liegt vor allem daran, dass die Wiedereröffnung eines solchen chronischen Verschlusses eine sehr aufwändige Technik erfordern kann. Zudem dauert die Wiedereröffnung auch länger als die Katheterbehandlung eines nicht verschlossenen Gefäßes.

Angiographie
Darstellung von Blutgefäßen mithilfe einer Angiographie (Kontrastmitteldarstellung)

Grundsätzlich folgt die Wiedereröffnung chronisch verschlossener Herzkranzgefäße dem gleichen Ablauf wie bei einer normalen Herzkatheteruntersuchung. Da das verschlossene Gefäß jedoch nicht mehr durchströmt wird, ist die Engstelle in der Kontrastmitteldarstellung nicht erkennbar und kann oft nur über die Darstellung der alternativen Gefäßumgehung lokalisiert werden. Dafür sind zwei Katheter notwendig, von denen einer den Gefäßabschnitt vor der Engstelle und der zweite den Gefäßabschnitt hinter der Engstelle darstellt.

Nach Lokalisierung der Engstelle wird versucht, diese mittels Drähten unterschiedlicher Härte zu passieren. Gelingt dies, wird die Verengung mithilfe eines Ballonkatheters stufenweise erweitert und schließlich mit einem medikamentenbeschichteten Stent stabilisiert.

PTCA stent NIH
Einsatz eines Stents nach der PTCA

In den Fällen, in denen der Verschluss zu einem früheren, bisher nicht behandelten oder entdeckten Herzinfarkt geführt hat, kann sich eine Vernarbung gebildet haben. Hier ist eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit nur zu erwarten, wenn noch lebendes Herzmuskelgewebe vorhanden ist. Daher muss in solchen Fällen vor der Wiedereröffnung des Gefäßes die Vitalität des Herzmuskels nachgewiesen werden, z.B. durch eine Kernspinuntersuchung des Herzens.

Bessere Erfolgschancen in spezialisierten Kliniken

Die Wiedereröffnung gelingt in Herzkatheterlaboren ohne große Erfahrung mit diesen Verschlüssen leider nur in 60 % der Fälle. Alternativ kann auch eine Bypassoperation erfolgen. Doch die Erfolgsrate der Bypasschirurgie bei chronischen Gefäßverschlüssen lag nach einer großen aktuellen Studie (SYNTAX-Studie) auch nur bei 68 %.

Dagegen gelingt es in erfahrenen Händen, diese Verschlüsse durch neue Techniken und Methoden in bis zu 90 % der Fälle zu eröffnen. Der Eingriff kann eine bis drei Stunden dauern und wird in lokaler Betäubung durchgeführt. In der Regel kann der Patient die Klinik am zweiten Tag verlassen.

Patienten sollten sich informieren, wo solche besonderen Erfahrungen bestehen bzw. wo bei einem Misserfolg der ersten Behandlung eventuell noch ein zweiter Behandlungsversuch durchgeführt werden kann, der häufig in vielen Fällen doch noch gelingt. Vor allem die Langzeitheilungsaussicht ist durch die obligate Verwendung der medikamentenfreisetzenden Stents praktisch genauso hoch wie bei Stentbehandlungen in nichtverschlossenen Gefäßen. Ohne medikamentenfreisetzende Stents würde sich jedes zweite Gefäß wieder zusetzen.

Nach der Wiedereröffnung der chronisch verschlossenen Herzkranzgefäße

Patienten nach einem erfolgreich eröffneten Gefäßverschluss sind praktisch sofort wieder belastbar. Sie müssen nach der Stentimplantation für 12 Monate sowohl Aspirin als auch Clopidogrel einnehmen und sollten ihre koronaren Risikofaktoren lebenslang durch eine gesunde Lebensführung weiter behandeln (kein Nikotin, Blutdrucksenkung, Blutfettkontrolle, Blutzuckereinstellung bei Diabetikern).

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Gerald S. Werner

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